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Kommentar

Kampflustig und ohne Korsett

Er sitzt am Tisch, angriffslustig, fast begierig darauf, beim TAGBLATT-Interview loslegen zu können. Keine Frage: Hermann Schaufler genießt seine Rolle als Ex-Politiker, der raus ist aus dem Parteien-Korsett – und folglich nichts mehr zu gewinnen, aber auch nichts mehr zu verlieren hat. Was nicht heißen soll, dass ihm die CDU egal ist. Den früheren Landesminister treibt durchaus große Sorge um seine Partei um, schließlich zahle er ja nicht nur seinen Mitgliedsbeitrag, sagt er.

22.07.2012

Er hänge an der Union, der er bald 50 Jahre angehöre, und gebe seinen Rat, wenn er ab und zu mal gefragt werde. Ginge es nach ihm, würde er der baden-württembergischen Union ein Programm verordnen, damit sie beschäftigt sei, und er würde sie auf eine gemeinsame Linie einschwören, um die alten Querelen zu beenden.

Wenn Schaufler über Grün-Rot herzieht, drängt sich die Frage auf, ob denn schon Aschermittwoch ist: Die Auslandstätigkeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann sei schon in Schaffhausen nahezu gescheitert, Nils Schmid habe sich mit seinem Doppelministerium übernommen – aber immerhin habe Innenminister Reinhold Gall jüngst den Rücktritt von Fifa-Präsident Sepp Blatter gefordert, was den Herrn in Zürich ganz gewiss sehr beschäftige, poltert Schaufler.

Vor allem aber stellt sich der frühere Wirtschaftsminister und spätere Verkehrs- und Umweltminister immer wieder vor den gefallenen Ex-Ministerpräsidenten Stefan Mappus. Etwa wenn Schaufler nachzuweisen versucht, dass der Kaufpreis für die EnBW-Anteile seiner Meinung nach keineswegs zu hoch gewesen sei: „Wir reden über die Zeit vor Fukushima, als sogar von Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke die Rede war.

Da haben die französischen Anteilseigner die Chance gesehen, die Aktien zum bestmöglichen Preis zu verkaufen“, sagt der Reutlinger Anwalt und verweist darauf, dass andere Interessenten ebenfalls hinter den EnBW-Anteilen her gewesen seien. Für Mappus sei der schnelle Zugriff deshalb offenbar zu verlockend gewesen, so Schauflers wohlwollende Interpretation, weshalb der Ministerpräsident den Deal am Parlament und an der politischen Vernunft vorbei durchgezogen habe.

Unbeirrt ergreift er für Mappus Partei. Bei Schauflers Sicht der Dinge schwingt freilich immer auch mit, dass er noch heute darunter leidet, wie seine eigene politische Karriere endete. Stark verkürzt ging es 1998 um die Frage, ob der damalige Verkehrsminister, gleichzeitig Präsident des SSV Reutlingen, als Aufsichtsratsvorsitzender des landeseigenen Verkehrsbetriebs SWEG Spendengelder in Höhe von insgesamt 45 000 Mark für den SSV angeordnet hatte – oder ob ein willfähriger Untergebener ihm einen Dienst erweisen wollte.

Letzteres steht für Schaufler, der damals 10 226 Euro Geldstrafe zahlen musste, nach wie vor fest. Da 100 Tagessätze festgesetzt wurden, gilt das als Vorstrafe. Er sei vor Gericht von Lügnern hereingelegt und unschuldig verurteilt worden. „Mein Fall war eine Minigeschichte, das hat mich unglaublich verletzt. Ich empfand das damals als himmelschreiende Ungerechtigkeit.“ Was Mappus jetzt erfahre, das sei die Vernichtung eines Menschen und seiner Familie. „Kleine Stichproben davon habe ich auch erlebt“, sagt Schaufler – und wirkt dabei gar nicht mehr so angriffslustig.

Thomas de Marco

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22.07.2012, 12:00 Uhr

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