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Kommentar

Kandidat der Vernunft

Wieder einmal lagen die Meinungsforscher daneben. Den biederen und geradlinigen François Fillon hatten sie als französischen Präsidentschaftskandidaten nicht nur unterschätzt, sondern fast übersehen.

22.11.2016

Von PETER HEUSCH

Bloß ließen sich die Franzosen von Umfragen nicht beeinflussen. Statt einem raubeinigen Rechtsaußen oder einem steifen und in die Jahre gekommenen Christdemokraten hoben sie einen Reformer auf das Schild des Favoriten für die konservative Präsidentschaftskandidatur.

Mehr noch als seine Konkurrenten verspricht Fillon den Wählern eine radikale Wende, die von Blut und Tränen geprägt ist. Sein Erfolg legt die Vermutung nahe, dass seine Landsleute verinnerlicht haben, dass es nicht mehr weitergehen kann wie zuvor. Nur längst überfällige Einschnitte können das Land aus seiner seit acht Jahren dauernden Wirtschaftskrise steuern.

Dass Fillon zudem beim Werben für seine Rosskur auf populistische Töne verzichtete, macht ihn zur Ausnahme. Er kommt seinen Landsleuten ganz nüchtern mit der ungeschminkten Wahrheit. Und offenbar stößt er damit auf offene Ohren. Das ist fernab der Personalie des neuen Hoffnungsträgers die eigentliche, die gute Überraschung nach den schlechten, die das Brexit-Referendum und die US-Wahlen bescherten.

Noch hat Fillon weder die Stichwahl gegen Juppé noch die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Dass die Umfragen ihn bereits als Hausherrn im Élysée-Palast sehen, darf nicht als vorweggenommene Wahrheit gelten. Doch sollte jetzt die Stunde der Vernunft schlagen, schlüge statt der von Marine Le Pen tatsächlich die von Fillon.

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Erstellt:
22. November 2016, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. November 2016, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. November 2016, 06:00 Uhr

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