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Kann Tesla das neue E-Auto auch liefern?
Die Fertigungsroboter bei Tesla müssen auf Hochtouren laufen, wenn die Lieferzeit eingehalten werden soll. Hier ein Werk in Fremont (USA). Foto: Tesla/Alexis Georgeson
276 000 Vorbestellungen für das "Model 3" könnten die Amerikaner überfordern

Kann Tesla das neue E-Auto auch liefern?

Der amerikanische E-Autobauer Tesla vermeldet eine Rekordzahl an Reservierungen für sein neues Modell. Doch ob wirklich jede Bestellung in einen Kauf mündet und ob Tesla liefern kann, ist fraglich.

06.04.2016
  • MIRIAM KAMMERER

Ulm. Mit einigen wenigen Klicks ist eine Reservierung für das neue Tesla "Model 3" getätigt. 1000 EUR oder 1000 Dollar werden dafür fällig. Die werden später mit dem Kaufpreis von etwa 31 000 EUR verrechnet. Wenn es denn tatsächlich zum Kauf kommt.

Denn die Reservierung verpflichtet nicht zum Kauf. Wer sich ein Auto vormerkt, hat lediglich die Chance schneller eins zu bekommen. Wem in der Zeit bis Ende 2017 - da soll die Auslieferung beginnen - die Lust an einem elektrisch betriebenen Gefährt vergeht, der storniert und bekommt auch die 1000 EUR zurück, sagt eine Tesla-Sprecherin.

Tesla hat von seinen bisherigen Modellen (S und X) knapp mehr als 100 000 Stück verkauft. In vier Jahren. Da werden wohl zurecht Zweifel wach, ob das Unternehmen die vorbestellten 276 000 Autos fristgerecht liefern kann. Zur Unzeit kommt da die Nachricht aus Palo Alto, dass der Autobauer nicht Schritt halten könne mit der Nachfrage. Im ersten Quartal 2016 liefen nicht mal 15 000 Autos vom Band. Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von fast 50 Prozent. Die anvisierten 16 000 schafften die Amerikaner trotzdem nicht. Firmenchef Musk erklärte bereits, dass Tesla seine Produktionspläne überdenken müsse.

Zu schaffen sei das Programm, sagt Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen-Geislingen. Bis Ende 2017 bleibe ausreichend Zeit. Man müsse die entsprechenden Kapazitäten jetzt aufbauen.

Trotzdem, gerade weil unklar ist, wie viele Kunden es mit ihrem Kaufwunsch wirklich ernst meinen, ist es eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Diez kann sich nicht erinnern, dass es jemals Vorbestellungen in dieser Höhe in so kurzer Zeit gab. Allerdings, habe es etwas Derartiges in der Automobilbranche auch noch nicht gegeben.

Damit meint der Experte, die Art der Präsentation des neuen Wagens, der auf ähnliche Weise der Öffentlichkeit gezeigt wurde, wie Apple das mit seinen iPhones machte. Und ähnlich wie bei Apple standen auch bei Tesla die Leute Schlange für ein Produkt, von dem sie nicht genau wussten, was sich dahinter verbirgt.

Experte Diez wertet die Höhe der Tesla-Bestellungen weder als Durchbruch für das Elektroauto noch als einen bleibenden Makel für deutsche Hersteller, weil sie nicht die ersten waren, die es geschafft haben, ein massentaugliches E-Auto zu produzieren. "Die Schlacht wird jetzt erst eröffnet", sagt Diez.

Noch immer fristet das E-Auto ein Nischendasein. Deutsche Hersteller müssten aber sehr wohl die eigene Strategie überdenken. "Man muss von Tesla lernen", meint Diez. Die US-Amerikaner haben es immerhin geschafft, aus dem Elektroauto ein Lifestyleprodukt zu machen. Das Marketing bei Tesla passe einfach. Technologie sollte nicht nur über den Kopf vermarktet werden, fordert der Professor für Automobilwirtschaft.

Technologisch jedenfalls stellt der Experte keine großen Defizite bei den deutschen Herstellern fest. Tesla habe zwar mit seinen Laptopbatterien schnell Erfolge in puncto Reichweite erreichen können, trotzdem, sagt Diez, gibt es viele, die die Batterietechnologie beherrschen.

Und warum ist Tesla jetzt gelungen, was keiner der traditionellen Autohersteller geschafft hat? Diez sieht die Stärke von Tesla vor allem darin, dass das Unternehmen sehr klein ist und zudem spezialisiert auf Elektroautos. Dadurch sei ein größeres Tempo möglich.

Mit diesem Tempo hat auch der Stuttgarter Zulieferer Bosch Erfahrung. Er hat für die bisherigen Modelle Fahrwerks-und Sicherheitssysteme geliefert und in der Kooperation mit Tesla das Scrum-Verfahren angewendet. Der Begriff kommt aus dem Rugby und bezeichnet das Gedränge der Spieler beim Einwurf. In der Geschäftswelt bedeutet das, dass kleine Teams fokussiert an der Entwicklung eines Produkts arbeiten. Ob Bosch auch beim neuen Modell mitarbeiten wird, dazu will sich ein Sprecher nicht äußern.

Jetzt sind Tesla-Chef Elon Musk und seine Mitarbeiter erstmal am Zug. Bisher bilanzierten die Amerikaner noch keinen einzigen Jahresgewinn, und versprochene Lieferzeiten hielten sie bisher nicht ein.

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06.04.2016, 06:00 Uhr

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