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Kirche im NS-Staat

Karl Adams Glaube an Gott und Adolf Hitler

Die Debatte über die Umbenennung der Karl-Adam-Straße war der Anstoß für einen Studientag zu „völkischen Theologien und ihrer Wirkungsgeschichte“ an der Katholisch-Theologischen Uni-Fakultät.

03.06.2011

Tübingen. Noch immer erinnert auf dem Horemer eine Straße an den Theologen Karl Adam, der an der Katholisch-Theologischen Fakultät von 1919 bis 1949 einen Lehrstuhl für Dogmatik innehatte. Adam war Vertreter einer völkisch-nationalistischen Theologie und bejahte die nationalsozialistische Rassenpolitik.

Im März stand die Umbenennung der Adam-Straße auf der Tagesordnung des Tübinger Gemeinderats. Johannes-Reuchlin-Straße soll der künftige Name sein. Reuchlin war an der Gründung der Tübinger Universität beteiligt und Lehrer von Philipp Melanchthon, nach dem schon eine Straße benannt ist. Derzeit steht allerdings noch die Auswertung einer Anwohnerbefragung aus. Ende Juni oder Anfang Juli soll der Gemeinderat dann entscheiden, sagt Pressesprecherin Sabine Schmicke.

NS-Rassenlehre auf Theologie übertragen

Lucia Scherzberg, Professorin für systematische Theologie an der Uni des Saarlandes, beleuchtete beim Studientag am Mittwoch Adams Verstrickungen in die NS-Ideologie. „Adam ging es um die Vereinbarkeit von Nationalsozialismus und Katholizismus“, so Scherzberg: „Ihm schwebte das Ideal des katholischen Herrenmenschen vor.“ Bereits 1933 habe der Theologe in einer Schrift „Hitler und das neue Reich enthusiastisch begrüßt“.

Schon früh habe Adam, förderndes Mitglied der SS, begonnen, die Rassenideologie der Nazis auf theologische Fragestellungen zu übertragen. „Der ungetaufte Volksgenosse ist uns näher als der getaufte Hottentott“, befand der Theologe etwa zur Frage, ob Taufe oder „Volkszugehörigkeit“ bindender sei. Karl Adam habe sich „nicht damit begnügt, sich in der Theorie dem Nationalsozialismus anzunähern“, so Scherzberg. Ab 1940 habe er sich der österreichischen „Arbeitsgemeinschaft für den religiösen Frieden“ angeschlossen – einem Netzwerk nationalsozialistischer Priester. „Gemeint war der Frieden zwischen Kirche und NS-Staat“, erläuterte die Referentin.

Nach Kriegsende ungehindert weiter gelehrt

„Besonders schmerzlich“ empfindet Scherzberg, dass „es eine sogenannte braune Ökumene gegeben hat“, die es auf völkischer Grundlage herzustellen galt. „Als Deutsche, die durch Hitlers Genius zu ihrem vollen Selbst erwacht sind“, schrieb Adam, sei diese Trennung nicht zu ertragen. Auf das Konto des Tübinger Dogmatikprofessors geht laut Scherzberg auch „der Mythos vom arischen Jesus“. Juden hätten Adam „als Prototyp des Erbsünders“ gegolten. Und doch sei dem Theologen „nie etwas passiert“: „Er ist nie wegen irgendwelcher Häresie verurteilt worden.“

Nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur konnte Adam ungestört weiterlehren. Er habe, sagt Scherzberg, „einfach alles weggelassen, was nach völkisch-rassistischem Denken aussieht.“ Und sich ansonsten als „Staatsfeind Nummer eins“ dargestellt, wenn es um die NS-Zeit ging. In den 1950er Jahren wurden Adams frühe Schriften unter Theologen wieder populär, auch an der Tübinger Fakultät.

Einem Gutteil von Adams Beliebtheit liege dessen „Fähigkeit, schwarz und weiß zu schablonieren“ zugrunde, sagte Dominik Burkhard, Würzburger Professor für Kirchengeschichte bei seiner Studientags-Vorlesung über die Fakultät in der NS-Zeit. Dass Adam aber keineswegs der einzige Tübinger Theologie-Dozent war, der mit dem NS-Regime eng verbandelt war, auch das stellte Burkhard klar. Nach der Installation der Nazi-Diktatur habe sich das gesamte Lehrpersonal „offenbar willig in die Gleichschaltung gefügt“.

km

Karl Adams Glaube an Gott und Adolf Hitler
Von 1919 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1948 lehrte Karl Adam Dogmatik an der Universität Tübingen. Der katholische Theologe, der 1966 gestorben ist, liegt auf dem Tübinger Stadtfriedhof begraben. Bild: Zibulla

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03.06.2011, 12:00 Uhr

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