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Kasernen sind keine Dauerlösung
Flüchtlingsunterkunft in der Heidelberger Patton-Kaserne: Nur als kurzfristige Lösungen geeignet. Foto: dpa
Viele Flüchtlinge sind auf Wohnungssuche - Lösungen schnell gesucht

Kasernen sind keine Dauerlösung

Der Städtetag fordert, dass ein Ministerium der zukünftigen Landesregierung sich mit dem Schwerpunkt Wohnen befasst. Zudem muss der soziale Wohnungsbau stark angekurbelt werden.

13.04.2016
  • WOLFGANG RISCH

Heidelberg. Dass eine unglaubliche Dynamik in die Diskussion um den Wohnungsbau gekommen ist, liege schlicht daran, "dass vergessen worden ist, Wohnungen zu bauen". Die jüngst im Amt bestätigte Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys beklagte gestern bei einem Forum des Städtetags Baden-Württemberg in Heidelberg, dass jährlich 80 000 Wohnungen im Land gebraucht, aber nur 35 000 gebaut würden.

In der Tagung mit dem Schwerpunkt Flüchtlingshilfe gehe es nicht um einen Austausch unter Politikern, sondern über fachliche Grenzen hinweg, sagte die Hauptgeschäftsführerin des baden-württembergischen Städtetags, Gudrun Heute-Bluhm. Trotz aller Schwierigkeiten schafften es die Städte im Land, die Herausforderung zu meistern. Gleichwohl, so die frühere Lörracher Bürgermeisterin, dürfe "das Thema nicht mehr hin- und hergeschoben werden" und müsse sich in einem Ministerium mit dem Schwerpunkt Wohnen niederschlagen. Trotz aller Erfolge, sagte auch der Heidelberger Sozialbürgermeister Joachim Gerner, seien in der Frage der Flüchtlingsunterbringung bisher "nur Etappenziele erreicht".

Flüchtlingsunterkünfte in ehemaligen Kasernen einzurichten, sei nur eine kurzfristige Lösung, sagte der Dortmunder Stadtplaner und Architekt Franz Pesch. Er forderte ein Konzept für ebenso preiswerten wie bezahlbaren Wohnraum. "Es war ein Fehler, den sozialen Wohnungsbau einzuschränken", sagte Pesch, diese Politik räche sich jetzt. Eine vorläufige schnelle Unterbringung der Flüchtlinge und langfristige Lösungen im Wohnungsbau seien nur schwer unter einen Hut zu bringen, betonte der Freiburger Leitende Stadtrechtsdirektor Matthias Müller. Das gelte für die Städte Freiburg und Heidelberg gleichermaßen, die "Spitzenreiter in teurem Wohnen". Man dürfe die Problematik nicht auf die aktuelle Situation reduzieren, mahnte der Heidelberger Bürgermeister Gerner. "Wenn die Menschen angekommen sind, sind sie keine Flüchtlinge, sondern Neubürger, die bezahlbaren Wohnraum suchen."

Nicht Großzeltlager seien die Lösung, sondern eine dezentrale Unterbringung der Schutzsuchenden. Integration verlange nach neuen Wegen des Wohnungsbaus, sagte Pesch. Würden einzelne Räume jetzt zum Aufstellen von zwei Betten genutzt, müssten die Häuser so angelegt sein, dass daraus ohne größere Umbauten Drei-Zimmer-Wohnungen entstehen können, so der Stadtplaner.

Beatrice Soltys, auch stellvertretende Vorsitzende der baden-württembergischen Architektenkammer, bestätigte, dass das Planungsrecht im Südwesten Zwischenlösungen bedinge. Es sei ein Kampf gegen den Paragrafendschungel. Pesch nannte als preiswerte Möglichkeit die Modulbauweise auch bei Mehrfamilienhäusern. Diese ermöglichte eine weitere Kostensenkung, indem die Gebäude nicht vollendet, sondern von den Bewohnern selbst fertig gebaut würden.

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13.04.2016, 06:00 Uhr

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