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19 Tage

Kassenpatienten warten länger auf Arzttermin

Die Grünen haben den Test gemacht: Privatversicherte müssen bei Fachärzten nicht so lange auf einen Termin warten wie gesetzlich Versicherte.

20.11.2015
  • MARTIN HOFMANN

Im Durchschnitt warten gesetzlich Versicherte 19 Tage länger auf einen Termin bei Augen-, Haut-, HNO-Ärzten, Neurologen, Kardiologen, Radiologen und Orthopäden als privat Krankenversicherte. Dies ist das Ergebnis einer Telefonbefragung der Grünen. Jeweils ein Privatversicherter und ein Kassenpatient riefen im Oktober 350 Arztpraxen am gleichen oder nächsten Tag an und baten um einen Termin. Sie schilderten die gleichen ernsten, aber nicht akuten Beschwerden oder baten um Untersuchungen. Die Praxen wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

In den Regionen Freiburg, Karlsruhe, Friedrichshafen/Ravensburg, Ulm, Heidelberg, Konstanz und Stuttgart müssen sich Kassenpatieten im Schnitt 27 Tage gedulden, bis sie einen Arzt aufsuchen können, privat Versicherte warten 8 Tage. Hautarztpraxen haben mit 37 Tagen die längste Wartezeit für gesetzlich Versicherte, gefolgt von Neurologen (37 Tage) und Augenärzten (29). Nur 14 Tage dauert es, einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu konsultieren. In jeder vierten Facharztpraxis macht es nach Angaben der Grünen fast keinen Unterschied, wie die Anrufer versichert sind.

"Ärgerlich und inakzeptabel" nennt die Reutlinger Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke das Ergebnis der Telefonumfrage unter fast 10 Prozent der baden-württembergischen Arztpraxen dieser sieben Fachbereiche. "Wenn Menschen krank sind, kann es nicht sein, dass sie 19 Tage länger auf einen Termin warten müssen." Die Grünen fordern deshalb eine Bürgerversicherung, um diese "Ungerechtigkeit" zu beseitigen. Da zahlten alle nach ihrer Leistungsfähigkeit in einen Finanztopf.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg erklärt, nach ihrer Erkenntnis sei die Versorgung gesetzlich Versicherter nicht schlechter als die von Privatversicherten. Laut einer Patientenumfrage 2014 erhielten fast zwei Drittel der Patienten innerhalb von drei Tagen einen Termin. Die Nachfrage nach Facharztterminen sei zudem gestiegen. Dazu trage die Politik bei, in dem sie etwa das Recht auf eine Zweitmeinung gewähre. Die Zahl der Kassenärzte dürfe nicht steigen. Die Politik verlange den Abbau der "Überversorgung". Die für Februar vorgeschriebenen Terminservicestellen bei der KV könnten dieses Dilemma nicht beheben.

Eine wesentliche Rolle spielt auch die Vergütung. Für das Behandeln eines Kassenpatienten erhält der Augenarzt eine Quartalspauschale von 18,51 Euro, der Hautarzt 19,04 Euro. Die Rechnung für einen Privatpatienten fällt im Normalfall deutlich höher aus.

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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