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Katalanen provozieren mit System
Provoziert Madrid: der Musiker und Politiker Lluís Llach. Foto: Der katalanische Musiker Lluís Llach. afp
Spanien

Katalanen provozieren mit System

Die Separatisten wollen Aufmerksamkeit für ihr Thema. Manche wünschen, Madrid möge Panzer schicken.

28.04.2017
  • MARTIN DAHMS

Barcelona. Katalonien will noch in diesem Jahr seine Unabhängigkeit von Spanien erklären. Mit Referendum oder ohne Referendum. So hat es sich die separatistische Mehrheit im katalanischen Regionalparlament vorgenommen. Unter großer Geheimhaltung bereitet sie gerade ein entsprechendes Gesetz vor, das spätestens im September in Kraft treten soll. Den Separatisten ist es ernst. Einer ihrer Abgeordneten, der Liedermacher Lluís Llach, hält seit einigen Monaten Vorträge vor Gleichgesinnten, in denen er zur Sache kommt: Wer dem Gesetz über die Abspaltung von Spanien nicht Folge leiste, „wird leiden“, sagt er an die Adresse der katalanischen Beamten. „Die Beamten werden sich fragen müssen: Verdammt, was wird passieren, wenn ich nicht dem katalanischen Gesetz gehorche?“

Der 68-jährige Llach machte sich zu Zeiten der Franco-Diktatur einen Namen als Sänger gegen das Regime, er wurde verfolgt und ging ins Exil nach Frankreich, sein Lied „L'Estaca“ (Der Pfahl) war eine Hymne des Widerstands. Im katalanischen Parlament sitzt er seit 2015, als Unabhängiger in der Mehrheitsfraktion Junts pel Sí (Gemeinsam für das Ja). Doch er ist kein Außenseiter. Im katalanischen Parlament umarmten ihn etliche Fraktionskollegen demonstrativ, unter ihnen die Parlamentspräsidentin Carme Forcadell.

Hinter all dem steckt die Strategie der dauernden Provokation. Außerhalb Spaniens stößt der Unabhängigkeitsprozess vornehmlich auf Desinteresse. Der Traum der Separatisten ist es, dass der spanischen Regierung der Kragen platzt. Am liebsten wäre es ihnen, diese schickte Panzer nach Barcelona, mindestens jedenfalls Guardia-Civil-Polizisten mit Dreispitz. Dann würde die Welt vielleicht endlich aufhorchen.

Im Moment sieht es nicht so aus, als wolle die spanische Regierung diesen Weg beschreiten. Sie zieht die Strategie der „Verrechtlichung“ des Problems vor. Stattdessen beginnen die Separatisten zu drohen: Wer nicht mit ihnen ist, ist gegen sie, und soll dies auch spüren. Der katalanische Abspaltungsprozess ist kein demokratischer Prozess, sondern ein autoritärer. Martin Dahms

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28.04.2017, 06:00 Uhr

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