Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
WM-Baustellen

Katar beutet Arbeiter aus

Auf den Fußball-WM-Baustellen in Katar hat sich wenig geändert. Bauarbeiter werden nach wie vor ausgebeutet, berichtet Amnesty International.

01.04.2016
  • RAINER NOLTE, KNA

Saftiger Rasen, strahlende Tribünen und Millionen freuen sich auf ein packendes Spiel - die schöne Seite des Fußballs. Dafür wird laut Amnesty die hässliche Seite in Kauf genommen. Die Menschenrechtsorganisation prangert in einem aktuellen Bericht die systematische Ausbeutung von Arbeitsmigranten in Katar an, dem Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft 2022.

"Mein Leben hier ist wie ein Gefängnis", erzählte ein Bauarbeiter den Amnesty-Mitarbeitern im Mai 2015. Als er sich das erste Mal beschwerte, habe der Vorgesetzte zu ihm gesagt: "Wenn du in Katar bleiben möchtest, sei still und arbeite weiter." 234 Bauarbeiter und Gärtner wurden für den Bericht interviewt - kein Befragter war im Besitz seines Passes. Die Arbeitgeber wollten so verhindern, dass die Migranten Katar vor Ablauf des Arbeitsvertrags verlassen können.

Wiederholt hatten Menschenrechtler die Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar kritisiert. Seitdem habe die dortige Regierung wenig für eine Verbesserung getan. "Einige der Firmen haben ihren Arbeitern die Pässe zurückgegeben und siedelten sie in bessere Wohnquartiere um", erklärt Regina Spöttl von Amnesty. Außerdem gebe es seit November ein elektronisches Bezahlsystem, bei dem jeder Arbeiter sein Gehalt überwiesen bekomme. Ob diese Neuerung funktioniert, sei noch nicht bekannt. Im Amnesty-Bericht schilderten die Arbeiter noch, dass Löhne mit bis zu sieben Monaten Verspätung ausgezahlt worden seien.

Das Grundübel wurde laut Amnesty bisher nicht in Angriff genommen: die Ausbeutung durch das katarische Sponsorensystem Kafala. "Jeder Arbeitsmigrant in Katar braucht einen Arbeitgeber als Sponsor. Ohne dessen Erlaubnis darf er weder seinen Job wechseln noch das Land verlassen", so Spöttl.

Amnesty fordert den Weltfußballverband Fifa auf, jetzt etwas gegen die Ausbeutung zu unternehmen. "Die Fifa muss sofort den Druck auf die katarische Regierung erhöhen, um eine weitere Ausbeutung zu verhindern. So muss das Sponsorensystem in seiner aktuellen Form abgeschafft werden", sagt die Expertin. Seit der Vergabe der Fußball-WM an Katar 2010 habe die Fifa nicht genug gegen die menschenunwürdigen Bedingungen getan.

Der Fußball-Weltverband unterstreicht seinen Einsatz in Sachen Menschenrechte. Es handle sich um einen laufenden Prozess. Man wolle auch weiterhin die Verantwortlichen in Katar dazu drängen, Standards einzuhalten.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

01.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball