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Notjahre, Gebete, Apfelkuchen

Katholischer Frauenbund Bühl feiert 90-jähriges Bestehen

Der Frauenbund Bühl setzt sich für die Erhaltung von Flurdenkmälern ein, unterstützt die Kernzeitbetreuung im Dorf und die Orgel in der Pankratiuskirche. Heuer blickt die rührige Dorfinitiative auf 90 Jahre Geschichte zurück.

07.09.2011
  • DOROTHEE HERMANN

Bühl. Der Frauenbund Bühl ist im Dorf durch vielerlei Projekte sichtbar. Den Frauen ist es zu verdanken, dass das Feldkreuz an der alten Kilchberger Straße wieder aufgestellt wurde. Seit 1998, seit Christel Stöckel Vorsitzende ist, ist der Verein noch rühriger geworden. „Für mich ist Bühl Heimat“, sagt die gebürtige Hayingerin, die seit 30 Jahren mit ihrer Familie in Bühl lebt. Zuletzt wurde auf Initiative des Frauenbunds auf dem Bühler Friedhof ein Brunnen angelegt.

Die 59-Jährige hat den ursprünglich ausschließlich für Katholikinnen gedachten Frauenbund ökumenisch geöffnet. Ihre Stellvertreterin Monika Stuffler ist evangelisch. Zu den Ausflügen, bei denen lange Jahre der katholische Pfarrer als einziger Mann zugelassen war, dürfen inzwischen auch die Ehemänner der Frauenbündlerinnen, sagt Stöckel in ihrem gemütlichen Wohnzimmer mitten in Bühl.

Das Frauenbund-Ballett ist ein Fixpunkt der Bühler Fasnet. Es gibt Verbindungen zum Gesangverein, dem Stöckel seit 35 Jahren angehört, und zu den Straßenfasnetsweibern. Beim jährlichen Dorffest ist der Frauenbund-Kuchenstand stets umlagert. Die Einnahmen stiften die Frauen am liebsten an soziale Projekte, auch über Bühl hinaus wie an das Frauenhaus Tübingen oder das Haus für Eltern krebskranker Kinder in Tübingen.

Stöckel ist erst die fünfte Vorsitzende in der Vereinsgeschichte. Ihre direkte Vorgängerin war Monika Sailer, die Mutter des früheren Ortsvorstehers Achim Sailer, von 1970 bis 1998. Stolze 42 Jahre lang, von 1928 bis 1970, leitete Marie Hönle den Frauenbund. Vorsitzende von 1921 bis 1928 war Cäzilia Keßler, nach der Pionierin Theresia Lohmüller.

Am 3. Februar 1921 gründeten 45 Bühlerinnen den örtlichen Zweigverein des Katholischen Frauenbundes der Diözese Rottenburg. Das kann man in der historischen Übersicht nachlesen, die die Vereinschronistin Rosa Wutz zusammengestellt hat. Die Frauen im Neckartal knüpften damit an Impulse der Frauenbewegung zu Beginn des 20. Jahrhundert an: Sie forderten „Mitverantwortung und Teilhabe bei der Schaffung einer gerechten Sozialordnung“, zitierte Wutz Motive für die Gründung des Katholischen Deutschen Frauenbunds in Köln 1903.

Der Verband sollte offen sein „für Frauen aller Berufs- und Altersklassen, die der katholischen Kirche angehören“. Das gemeinsame Ziel war, „sich für die Stellung und die Rechte der Frau in der Gesellschaft einzusetzen und alle Bereiche des öffentlichen Lebens aus christlichem Geist mitzugestalten: Familie, Beruf, Kirche und Staat“. Der erste württembergische Zweigverein wurde im Kriegsjahr 1917 in Stuttgart gegründet.

Vom Kochkurs zum großen Herrenessen

Zunächst verfolgten die Bühler Frauen ganz praktische Zwecke: Sie luden zum Kochkurs, zum Näh- und Flickkurs oder zum Backkurs. Am 21. April 1928 trafen die Frauenbund-Frauen sich zum Kaffeekränzchen im Schloss. „Es war sehr gemütlich“, hält die frischgebackene Vorsitzende Marie Hönle im Versammlungsprotokoll vom 15. November 1928 rückblickend fest.

Während eines weiteren Koch-Kurses im Jahr 1930 luden die Frauen zum so genannten Herrenessen „mit 27 Herren“. Die Speisenfolge, für damals 2,80 Reichsmark pro Person, begann mit Suppe (Grießklößchen, Schwamm- oder Butterklößchen). Es folgten russische Eier und Salat als Vorspeise. Als Hauptgericht gab es „junge Gemüse“: „Blumenkohl, Rosenkohl, gelbe Rüben, Bohnen, Erbsen und Kartoffelkugeln“. Zum Nachtisch reichte frau „verschiedene Cremen“ und Apfelkuchen. Einen Backkurs im Dezember 1932 unterstützte „die Zuckerindustrie“ mit 40 Pfund Würfelzucker.

1932 seien die Eintragungen im Protokollbuch abrupt abgerissen. Dass es „über die Zeit danach keine schriftliche Überlieferung gibt, hängt wohl mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der kriegsbedingten Not zusammen“, vermutete Wutz. „Da es die Frauen während des Zweiten Weltkriegs und der wirtschaftlich turbulenten Nachkriegszeit schwer hatten, suchten sie wohl in erster Linie Trost in der Gemeinschaft und im gemeinsamen Gebet.“

Am Mittwoch, 7. September , feiern die aktuell 53 Frauenbund-Frauen in Bühl das 90-jährige Bestehen ihres Vereins mit Schwesterorganisationen aus der Region. Weil der Frauenbund bis heute der christlichen Religion und Ethik verpflichtet ist, macht ein Gottesdienst den Auftakt.

Katholischer Frauenbund Bühl feiert 90-jähriges Bestehen
Als kleines Vergeltsgott an den Revierförster pflanzte der Bühler Frauenbund mit männlicher Unterstützung vor zehn Jahren rund 400 neue Eichenbäumchen in der von Sturm Lothar gelichteten „Beckhalde“ des Rottenburger Stadtwalds. Damit wollten die Frauen das Eichenholz entgelten, das sie für das neue Feldkreuz in Bühl bekamen. Archivbild:Metz

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07.09.2011, 12:00 Uhr

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