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Der sezierte Landkreis

Katrin Kinslers Kunst im Freudenstädter Landratsamt

Ausgangspunkt und Träger ihrer Kunst sind weder das bemalte Tafelbild, noch die Skulptur, die Fotografie oder die Abstraktion. Ausgangspunkt ihrer Kunst ist das Objekt. Am Freitag wurde die ungewöhnliche und vielseitige Ausstellung „Lokalpatrioten und Grenzgänger“ der Horber Künstlerin Katrin Kinsler im Landratsamt eröffnet.

27.11.2011

Von Monika Schwarz

Freudenstadt. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass die Kunst der Horberin das Freudenstädter Amtsgebäude ziert. Katrin Kinsler war Preisträgerin der 10. Ortszeit-Wanderausstellung, die bereits im Sommer für einige Wochen im Landratsamt zu sehen war. Anders als damals sind es jetzt aber ausschließlich ihre eigenen Werke, welche die Besucher des Landratsamtes noch bis zum 5. Januar betrachten und bewundern können.

Im Kreise von Kinslers Familie, einiger Künstler und der zahlreichen Freunde und Kunstfreunde bezeichnete es Landrat Dr. Klaus Michael Rückert als „spannend, wie Sie sich den unterschiedlichen Themen nähern“. Persönlich freue es ihn, dass sich die Künstlerin im Rahmen dieser Ausstellung mit der Region und dem Bundesland auseinandergesetzt habe. Er lade deshalb dazu ein, auf Entdeckungsreise zu gehen und scheinbar Vertrautes neu oder aus einem neuen Blickwinkel heraus zu betrachten.

Eine intensive und vielschichtige Einführung in die Ausstellung samt möglicher Interpretation einzelner Kunstwerke gab es anschließend von Kreisvolkshochschuldirektor Dr. Sascha Falk. Er durchleuchtete dabei zunächst eher allgemein die beiden Begriffe im Ausstellungstitel und setzte diese dann ganz konkret in Bezug zur Künstlerin. „Ihr geht es um die emotionalen, politischen und sozialen Konnotationen, die mit diesen beiden Begriffen verbunden sind und die nicht selten konfliktbehafteten Spannungsfelder, sie sich dabei auftun.“ Jedenfalls berge der Ausstellungstitel einerseits eine wie auch immer geartete Vorstellung von Heimat und Heimatverbundenheit, anderseits den Gedanken, die Grenzen zu überwinden und zu überschreiten.

Persönlich halte er es für eine „höchst interessante und höchst spannende Angelegenheit“, wie die Künstlerin sich mit der Thematik auseinandergesetzt habe. Ausgangspunkt sei das Objekt beziehungsweise ein Gegenstand, den alle kennen – etwa veraltete Landkarten mit allenfalls noch historischem oder künstlerischem Wert. Kinsler kombiniere verschiedene Objekte und Materialien zu Collagen und Assemblagen, die den Betrachter irritierten und möglicherweise sogar provozierten. Obwohl – vielleicht aber auch gerade weil-er mit dem, was er sehe, eigentlich vertraut sei.

Für die dreiteilige Reihe Baden-Württemberg, Horb und Landkreis Freudenstadt habe Kinsler Packpapier buchstäblich in Handarbeit zu den jeweiligen Flächen des Gezeigten zerrissen. „Wie eine Trophäe in der Art eines seltenen Schmetterlings ist unsere Heimat nun mit Nadeln im Schaukasten fixiert.“ Vergleichbar damit sei auch die ausgestellte Serie der kleinen Risse von Baden-Württemberg, bei der kein Blatt dem anderen gleiche, jedes aber den Stempel mit den drei idealisierten Löwen des baden-württembergischen Wappens wie ein Markenzeichen trage.

In weiteren Arbeiten habe Kinsler im Grunde Europa „dekonstruiert“, wiederum andere zeigten, dass sie aus dem Bereich des Grafik-Design kommt. Pfeile werden da beispielsweise als ästhetisches Stilmittel eingesetzt, das dem Werk eine Dynamik verleiht. Imposant sei auch die große Arbeit mit dem Titel „Landesflagge – der Südweststaat“, eine im Grunde augenzwinkernde Hommage an unser Bundesland, so Falk. Die Größe und optische Präsenz des Werkes entspreche wohl dem Selbstbewusstsein, das Baden-Württemberg aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke, seiner geringen Arbeitslosenzahlen und seiner landschaftlichen Schönheit habe. Das Objekt wirke auf ihn deshalb auch wie ein starkes Rückgrat.

Indem Kartin Kinsler mit ihren Assemblagen, Objekten und Installationen unsere Sehgewohnheiten irritiere, würden augenscheinliche Sicherheiten der Wahrnehmung infrage gestellt. Was durchaus in der Absicht der Künstlerin liege. Sie verzichte dabei gänzlich auf Fiktion und Illusion, sondern verwende Gegenstände und Zeichen unseres Alltags.

Die Vernissage, die mit einem gemeinsamen Stehempfang und einem Rundgang endete, wurde von den „Border Pounders“ (Joachim Gartner, René Falk und Mike Burkart) aus Achern sehr ansprechend musikalisch umrahmt.

Kreisvolkshochschuldirektor Dr. Sascha Falk, die Horber Künstlerin Katrin Kinsler und Landrat Dr. Klaus Michael Rückert vor ihrem augenzwinkernden Kunstwerk „Landesflagge – der Südweststaat“. Bild: mos

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Erstellt:
27. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. November 2011, 12:00 Uhr

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