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Mit Leib und Seele Geschäftsmann

Kaufmann Alfred Jeckel starb im Alter von 94 Jahren / Seine Einkaufstouren sorgten für das bekannt breite Sortiment

Schon als Elfjähriger half er gern im elterlichen Geschäft am Rottenburger Marktplatz: Am Mittwoch starb Geschäftsführer Alfred Jeckel im Alter von 94 Jahren. Mit ihm verliert Rottenburg eine weit über die Stadt hinaus bekannte und geschätzte Persönlichkeit, eine Institution.

25.11.2014
  • Ursula Kuttler-Merz

Rottenburg. Ob Krauthobel oder Kindernachthäfelen, Mostkrüge, Milchkannen oder Mausfallen: Beim „Jeckel“ gibt’s alles. Dass dieses legendäre Rottenburger Fachgeschäft in der Bischofsstadt und im ganzen Land als besondere Adresse gilt, ist auch ein Verdienst von Alfred Jeckel: Jahrzehnte lang war er Geschäftsführer der Firma, in der auch seine inzwischen verstorbenen Schwestern Elisabeth und Maria mitarbeiteten.

Am 10. Juli 1920 kam er als ältestes der sieben Kinder des Kupferschmieds Alfred Jeckel und dessen aus der Gärtnerei Knapp stammenden Frau Anna im Haus Marktplatz 4 zur Welt. Großvater Wilhelm Jeckel hatte 1892 in Rottenburg mit der Herstellung von Kupferkesseln und Bettflaschen begonnen. Auch dessen Sohn Alfred fertigte Wasserschiffe für Holz- und Kohlenherde und belieferte Schnapsbrennereien. Seit 1919 gab es zusätzlich den Handel mit Haushaltswaren und Küchenartikeln. Für den Verkauf zuständig war Mutter Anna Jeckel. Schon als Bub half Alfred junior fleißig in Laden und Büro, erledigte den Schriftverkehr, übernahm die Schaufensterdekoration und erlernte Blockschrift für die Warenauszeichnung. Außerdem brachte er den Kunden die Ware nach Hause – für 20 Reichspfennige, die stets in seiner Sparbüchse landeten. Nach dem Besuch der Oberschule absolvierte Alfred Jeckel bei Dinkel in Tübingen seine Kaufmannslehre.

1938 zog die Familie Jeckel um ins traditionsreiche ehemalige Gasthaus zum „Römischen Kaiser“, baute es um und konnte dort ihr Angebot bedeutend erweitern. Später bezog sie den ehemalige Tanzsaal in der Bel Etage für Glas und Porzellanwaren. Bis heute lagern viele Geschirr-Schätze im riesigen mittelalterlichen Gewölbekeller. Ein Familien-Heiligtum ist die barocke St. Antonius-Hauskapelle. Alfred Jeckels Enkel wurden hier von seinem jüngsten Bruder, Pfarrer Hermann Jeckel, getauft.

1940 musste Alfred Jeckel zum Reichsarbeitsdienst, ein halbes Jahr später zur Wehrmacht. Sein Bruder Reinhold fiel 1942 in Russland, Alfred Jeckel kam 1945 wieder nach Hause. Da es wegen der vorgeschriebenen Bezugsscheine im Laden fast nichts zu kaufen gab, half der junge Kriegs-Heimkehrer seinem Vater beim Flicken von Kochtöpfen und Bettflaschen. Mit dem Fahrrad fuhr er zur Warensuche bis Göppingen und Bruchsal, um Waren zu kaufen. Später stieg er um auf ein eingetauschtes Leicht-Motorrad.

Nach der Währungsreform 1948 kamen die Kunden in Scharen zum Einkaufen. Am Rottenburger Güterbahnhof gab es einen eigenen Jeckel-Lagerplatz für die angelieferten Waren. Mit seinem Gutbrod-Kleinlaster und später dem Opel Blitz bereiste Jeckel auf seinen Einkaufsfahrten den Südwesten, Oberfranken und den Westerwald. Er sorgte dafür, dass es bis heute bei Jeckel Dinge zu kaufen gibt, die landesweit nirgends mehr zu bekommen sind.

In seiner knappen Freizeit arbeitete er gern in seinem Garten hinter der Theoderich-Kapelle und kümmerte sich um Äpfel und Most. Noch mit 90 war Alfred Jeckel täglich im Geschäft, bis ihn ein Sturz zur Aufgabe zwang. Besonders wichtig war ihm die tägliche Zeitungslektüre. Bis zuletzt behielt er sein hervorragendes Gedächtnis. An seine Bescheidenheit und Kompetenz, sein strahlendes Lächeln und seinen knitzen Humor werden sich die Rottenburger gern erinnern.

Am Mittwoch um 13 Uhr wird für Alfred Jeckel, Vater von zwei Kindern und Großvater von fünf Enkeln, in der Klausenkirche das Requiem gefeiert. Anschließend wird er auf dem Sülchenfriedhof beigesetzt.

Kaufmann Alfred Jeckel starb im Alter von 94 Jahren / Seine Einkaufstouren sorgten für das bekannt
Alfred Jeckel vor gut vier Jahren in seinem Laden. Archivbild: Mozer

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25.11.2014, 12:00 Uhr

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