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Rebenanbau

Kein Durchkommen für Maschinen

Friedrich Raith bewirtschaftet Weinberge in Mühlhausen. Er hat mit der Steillage zu kämpfen.

24.08.2019

Von LSW

Friedrich Raith repariert die Steinmauern selbst. Foto: Thomas Kienzle/dpa

Stuttgart. Die steilen Südhänge im Stuttgarter Stadtteil Mühlhausen werden seit Jahrhunderten für den Weinbau genutzt. Dort, oberhalb des Max-Eyth-Sees, ist Friedrich Raith tätig. Der 61 Jahre alte Weingärtner bewirtschaftet insgesamt vier Hektar solcher terrassierten Mauerweinberge. Und das geht nur in aufwendiger Handarbeit – vor allem wenn es um die Reparatur der Mauern geht. Raith steht mitten im Weinberg vor einem Stück kaputter Mauer. In der einen Hand hält er ein Spitzeisen und in der anderen Hand einen Fäustel. Mit kräftigen Schlägen demonstriert er die Bearbeitung eines Mauersteins.

Der Schwabe baut zum Großteil Trollinger an. Jetzt, wenige Wochen vor der Traubenlese, ist er bis zu 12 Stunden im Weinberg aktiv. In den Steillagen ist der Einsatz von Maschinen nicht möglich. „Für ein Hektar sind pro Jahr zwischen 1200 bis 1400 Arbeitsstunden notwendig.“ In normalen Lagen komme man mit Maschinen auf 200 bis 400 Arbeitsstunden pro Hektar.

Er schafft die Instandsetzung der Mauern nicht ganz alleine. Manchmal muss er eine Fachfirma beauftragen, die ihm dabei unter die Arme greifen. Das geht aber nur, weil es dafür eine finanzielle Unterstützung vom Land gibt. Laut Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) könnten die hohen Kosten damit zumindest etwas abgefedert werden. Die Steillagen, insbesondere Terrassensteillagen, seien für das Anbaugebiet Württemberg profilgebend und daher unverzichtbar. Im vergangenen Jahr sei mit der Landesbeihilfe „Förderung Handarbeitsweinbau“ in Höhe von 3000 Euro pro Hektar und Jahr ein weiteres Förderinstrument für den Steillagenweinbau geschaffen worden.

Steine vom alten Bahnhof

Im Südwesten gibt es nach Angaben des Ministeriums ungefähr 27 000 Hektar Rebfläche. Rund fünf Prozent davon sind Terrassen- und Steillagen. Das Agrarministerium schätzt, dass es im Land etwa 1000 Kilometer an Trockenmauern gibt. Zwei Drittel davon seien sanierungsbedürftig. Für den Mauerbau setzt Raith vor allem auf die alten vorhandenen Steine. Aber man brauche auch rund 30 Prozent neue Steine. Und da könne es dann schon möglich sein, dass Steine vom Abriss des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs stammten. „Sandstein ist einfacher zu bearbeiten als Muschelkalk“, sagt Winzer Raith.

Der 61-Jährige produziert im Jahr insgesamt 50 000 Liter Wein. Ein Großteil davon wird in der eigenen Besenwirtschaft an die Gäste ausgeschenkt. Ihn treibt die Sorge um, dass es immer schwieriger wird, Winzer zu finden, die die Terrassensteillagen bewirtschaften. Oliver Schmale

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Erstellt:
24. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 06:00 Uhr

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