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Interview

„Kein Grund zur Panik“

Wie die Metall- und Elektroindustrie die Lage auf dem Arbeitsmarkt bewertet, erläutert der Chefökonom von Gesamtmetall, Michael Stahl.

10.09.2019

Von DIETER KELLER

Der Gesamtmetall-Chefvolkswirt Michael Stahl. Foto: Gesamtmetall

Die Arbeitslosigkeit hat sich weitgehend von der Konjunktur entkoppelt. Bestätigt sich das auch in der Metall- und Elektroindustrie?

Michael Stahl: Nur in Grenzen. Da unsere Unternehmen Investitionsgüter herstellen und stark vom Export abhängen, sind sie von den Turbulenzen auf dem Weltmarkt besonders betroffen. Es ist zu sehen, dass der Aufbau von Arbeitsplätzen nach neun Jahren ausläuft. Wir rechnen aber nicht mit einem größeren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Also kein Grund zu Panik.

Welche Rolle spielt, dass Unternehmen Fachkräfte halten, weil sie nach einer Krise kaum zu bekommen sind?

Die Firmen werden auch weiter versuchen, ihre Fachkräfte zu halten. Allerdings bleibt abzuwarten, wie tief die Produktionseinbrüche und der Strukturwandel ausfallen, beispielsweise in der Automobilindustrie. Da wird schon überlegt, welche Art von Beschäftigten weiter gebraucht und gesucht werden.

Der Einbruch 2008/09 war hart, aber kurz. Was passiert, wenn jetzt die Konjunktur längere Zeit schwächelt?

Es gibt derzeit noch keine Anzeichen für eine längere Konjunkturschwäche. Wir müssen aber in den kommenden Jahren den Strukturwandel bewältigen, der durch die Digitalisierung und die veränderte Mobilität ausgelöst wird. Darauf müssen sich Betriebe und Beschäftigte einstellen.

Was sollte jetzt die Politik tun?

Sie sollte die Betriebe bei den Kosten entlasten und zusätzliche Belastungen vermeiden. Das betrifft insbesondere die Abgaben zur Sozialversicherung. Aber auch die Energiekosten sind am Standort Deutschland ein wichtiges Thema. Die Politik sollte auch über Entlastungen bei den Steuern nachdenken. Wichtig ist zudem, dass die Flexibilität am Arbeitsmarkt erhalten bleibt. die Pläne der Bundesregierung zur Einschränkung der befristeten Beschäftigung sind in der jetzigen Konjunkturlage ganz sicher der falsche Weg.

Und was sollten die Gewerkschaften tun?

Unsere nächste Tarifrunde mit der IG Metall startet in einem halben Jahr. Da wird die konjunkturelle Situation eine wichtige Rolle spielen. Denn die Tarifpartner tragen gemeinsam Verantwortung für die Arbeitskosten und damit auch für die Arbeitsplätze in der M+E-Industrie. Dieter Keller

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Erstellt:
10. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 06:00 Uhr

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