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Kommentar · Neckargalerie

Kein Luxus, kein Ramsch

Die Katze ist aus dem Sack: Die „Neckargalerie“ wird nicht wie geplant realisiert. Sie wird flächenmäßig kleiner, nicht so hoch und nicht rot. Kritiker des von ihnen als „riesigen Klotz“ empfundenen Einkaufszentrums wird’s freuen. Zumindest die, die nicht ganz gegen das Projekt sind.

30.09.2014
  • Rita Ott

Manche werden sicher mehr oder weniger hämisch feststellen: „Ich hab‘s ja gleich gewusst“. Auch wenn‘s die Stadtverwaltung jetzt schön redet: So richtig gut ist es auch bei diesem erneuten Anlauf, in Horb ein Einkaufszentrum zu installieren, bisher nicht gelaufen. Wenn auch Oberbürgermeister Peter Rosenberger nach wie vor davon ausgeht, dass dieses Mal „ein Knopf dran gemacht“ werden könnte. Seit 1993 sei ein Einkaufszentrum Thema, mehrere Investoren abgesprungen, erinnert der OB. Er selbst sei 2009 „eingestiegen“, als die Stadt das Postareal ausgeschrieben hatte. Das sei damals allen vier Interessenten zu klein gewesen.

Jetzt sind für 10 000 Quadratmeter keine Mieter zu finden. Die Zeiten haben sich geändert, das Internet prägt mehr und mehr das Einkaufsverhalten, was laut Investor vor allem den Elektro-Bereich betrifft. Einen Elektronik-Fachmarkt wird es also nicht geben, dabei hätten sich die Horber gerade einen solchen gewünscht. Ob „Media-Markt“ oder „Saturn“ überhaupt nach Horb gekommen wären? Auch ohne die Entwicklung, dass immer mehr Leute immer mehr im Internet kaufen? Und wie sieht es diesbezüglich mit der Bekleidung aus? Stadtplaner Peter Klein beruhigt: Bekleidung laufe in den Geschäften immer noch gut. Doch welche Kette setzt auf Horb? Viele bezweifeln, dass das „H & M“ oder „C & A“ sein werden, deren Logos der Investor – damals allerdings noch Sepa-Activ – immer wieder auf Bildern zeigte. „Unsere Forderung ist: Nicht das Niedrigpreisige, sondern mittlere bis gehobene Qualität. Keinen Luxus, aber auch keinen Ramsch“, stellte der OB klar. Dies im Mix für die ganze Familie. „Das kriegt man über qualifizierte Fachmärkte hin“, ist Joachim Patig, Leiter Zentraler Steuerungsdienst der Stadt, sicher. Immer wieder betont die Stadtverwaltung, wie sehr doch die meisten Horber – auch Gemeinderäte – dieses Einkaufszentrum wollen. Redet man mit den Leuten, spürt man allerdings auch immer mehr Skepsis. Vor allem bezüglich dem, was kommen wird, wenn dann einmal die „Neckargalerie“ steht.

„Wir wollen weiter auf einen Branchenmix drängen“, betont der OB. In den Ladenflächen sollen sich „Wunschprodukte“ des Gemeinderats abbilden. Ein Vollsortimenter bringe zwar laut Investor Frequenz, „aber uns ist der Bereich Lebensmittel nicht wichtig“, dürfe aber stattfinden. Und der Drogeriemarkt Müller, dessen „Umzug“ viele mit Bedenken sehen? „Müller“ suche seit langem neue Ladenflächen in Horb, finde er die nicht, werde er ganz gehen, erklärte Rosenberger. „Es muss darum gehen, wie wir den Müller-Standort in Horb sichern können“, betonte auch Patig. Steht damit der erste Mieter fest? – was die Stadtverwaltung gestern vermittelte, legt diese Spekulation nahe. Doch über die Mieter gibt der Investor nichts Preis. Vielleicht sind die jetzt aber leichter ins Horber Einkaufszentrum zu bewegen: Die Nebenkosten, die sie hätten für eine Mall im Gebäude-Inneren zahlen müssen, fallen weg.

Den als gestalterisches Glanzstück dargestellten „Bug“ wird’s nicht geben. Das Runde wird eckig an der Zufahrt von Nordstetten her. Dafür wird das Erdgeschoss fast komplett verglast, was Transparenz schaffe, „die einen Fortschritt bringt“, lobt der Stadtplaner. Und der OB wirbt: „Das Neue wäre kein Rückschritt“, und es komme dem Optischen der bisherigen Planung sehr nahe. Doch es werde jetzt weniger um die „fast ausdiskutierte Gestaltung“ gehen. „Die Diskussion wird sich um Inhalte drehen, um das, was verkauft werden soll“, so Rosenberger.

Dadurch, dass die Kreissparkasse nicht mehr umziehen muss, braucht sie auch keine Container auf das „Fruchtkasten“-Areal zu stellen – immerhin ein Lichtblick für alle, die sich an den schönen freien Platz gewöhnt haben. Der könnte jetzt, so Klein, früher als gedacht „entwickelt“ werden. Nur, ob‘s mit dem Neckarsteg was wird, ist nun wieder die Frage.

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30.09.2014, 12:00 Uhr

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