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Kommentar

Kein McDonald's am Marktplatz

Das amtliche Sitz-Verbot in manchen Altstadt-Läden hat in den vergangenen Monaten zu teils hitzigen Diskussionen geführt: Hunderte unterschrieben eine von betroffenen Händlern ausgelegte Protestnote an die Stadtverwaltung, die WUT-Fraktion brachte das Thema in den Gemeinderat. Dort wird demnächst über die von der Verwaltung vorgelegte Ausnahmeregel entschieden werden müssen.

01.10.2010

Für Fausto Vona ist klar: „Die Altstadtsatzung muss gelockert werden.“ Der Feinkostladen-Inhaber findet ohnehin: „Menschen mit Ideen werden in Tübingen ausgebremst.“ Vor allem, wenn sie ein Café oder einen Imbiss in der Altstadt eröffnen wollen. Die Gegenposition: „Ich bin froh, dass wir auf dem Marktplatz keinen McDonald’s haben“, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke. Werde die 1989 vom Rat beschlossene Altstadtsatzung vollends beerdigt, wäre der Vormarsch der Imbiss- und Café-Ketten – und die Verdrängung der ansässigen Gastronomie und Läden – wohl nicht mehr zu stoppen.

Wer die geplante Ausnahme vom Sitz-Verbot für zu bürokratisch und überreguliert hält (ein Sitzplatz pro Quadratmeter, höchstens 15 pro Geschäft, dort nur auf einem Viertel der Fläche…), dem hält Soehlke entgegen: „Man kann auch den italienischen Weg gehen.“ Aber dann „mit allen Folgen, die das für die Altstadt haben wird“: Die Gewerbe-Vielfalt wäre bedroht, wie auch das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten, Einkaufen und Feiern.

Die beschränkte Sitzplatz-Erlaubnis für „Gaststättenähnliche Betriebe“ in der Altstadt ist deshalb ein guter Kompromiss: Die Altstadtsatzung bleibt bestehen, doch zugleich wird dem veränderten (Konsum-)Verhalten der Bevölkerung Rechnung getragen.

Und klar ist ja längst, dass die grundsätzlich positiven Ziele der Altstadtsatzung nicht von ein paar Fensterbank-Sitzplätzen bei Il Dolce, Zuckerbäcker und Co. gefährdet werden. Zumal hier nur tagsüber Getränke und Snacks gereicht werden, die Altstadtbewohner keine nächtlichen Sauforgien befürchten müssen. Zudem tragen gerade solche Läden eindeutig zu der allseits gewollten Angebots-Vielfalt und der „Qualität der Altstadt“ (Soehlke) bei. Was man von den immer zahlreicher werdenden Handy-Läden, Back-Filialen, Optikern nicht unbedingt sagen kann.

Und: Imbisse wie Kichererbse oder Asien-Haus (die bei allzu strenger Auslegung der Altstadtsatzung ebenfalls gefährdet wären) sind eben nicht „McDonald’s am Marktplatz“ – sondern bedeuten (kulinarische) Vielfalt. Sie verändern den Charakter des Quartiers jedenfalls sehr viel weniger, als die seit Jahren zunehmenden und von der Stadt gewollten Markt-Spektakel mit Menschenmassen in der engen Altstadt.

Volker Rekittke

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01.10.2010, 12:00 Uhr

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