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Kein Platz mehr für Gabriel
Ihm steht nach der Regierungsbildung der offizielle Abgang bevor: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. Foto: Hans Christian Plambeck/laif
SPD

Kein Platz mehr für Gabriel

Heute kommt die Kabinettsliste der Sozialdemokraten auf den Markt. Doch klar ist: Der bisherige Außenminister wird auf alle Fälle ausgewechselt. Heiko Maas ist auf dem Sprung.

09.03.2018
  • MATHIAS PUDDIG

Berlin. So schnell kann's gehen. Noch am Dienstagabend hatten Sigmar Gabriel und die SPD-Bundestagsfraktion nach Wismar geladen. Im Bürgerschaftssaal des Rathauses, direkt am putzigen, Unesco-Weltkulturerbe-zertifizierten Marktplatz gelegen, redete der 58-Jährige über die Herausforderungen der Außenpolitik. Als würde er noch ewig Außenminister bleiben, sprach Gabriel über den Nahen Osten, Russland, die USA und Nordkorea. Und er sprach darüber, wie rasant sich die Welt wandelt. Gabriel mag das Außenamt. Das hat er nie verheimlicht.

Doch für den wohl begabtesten sozialdemokratischen Politiker seiner Generation ist kein Platz mehr im neuen Kabinett. Außenminister wird vermutlich Heiko Maas, Gabriel muss raus. Sein Name werde, so Gabriel selbst, nicht auf der Kabinettsliste stehen, die Olaf Scholz und Andrea Nahles heute vorstellen wollen. Für viele Bürger dürfte das Aus für den Mann aus Goslar überraschend kommen. Doch gab es an der Parteispitze zuletzt keinen mehr, der sich für ihn einsetzen wollte.

Gabriels Abgang markiert das Ende einer wechselhaften Zeit. Nach Willy Brandt war er die längste Zeit Parteichef vom November 2009 bis März 2017. Gabriel konnte die Partei mitreißen wie kein Zweiter. Er konnte sein Schaffen mit wenigen Sätzen und Manövern wieder einreißen.

Seine Karriere begann mit einer Niederlage. Als Nachfolger von Gerhard Glogowski kam er als junger Ministerpräsident von Niedersachsen ins Amt. Doch die Wähler fegten ihn aus dem Amt, entschieden sich lieber für den CDU-Herausforderer Christian Wulff. Das setzte ihm zu und ist wohl auch einer der Gründe, weshalb er zweimal darauf verzichtete als SPD-Kanzlerkandidat anzutreten.

Es ist eine bittere Ironie, dass er am Ende seiner politischen Laufbahn so beliebt bei den Deutschen ist wie nie zuvor. Während die SPD in Umfragen seit Wochen immer neue Negativrekorde aufstellt, ist Gabriels Popularität enorm gewachsen. Zuletzt zeigten sich im ARD-Deutschlandtrend zwei Drittel der Befragten mit ihm zufrieden.

Er selbst erinnerte in seinem Abschiedsschreiben ganz unbescheiden an seine Erfolge: die Rettung tausender Arbeitsplätze bei Kaiser's/Tengelmann, die Durchsetzung Joachim Gaucks und Frank-Walter Steinmeiers als Bundespräsidenten, die Befreiung des Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Haft.

Die Sache mit seiner Tochter

Dass der kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz und seine designierte Nachfolgerin Andrea Nahles im Kabinett für ihn keinen Platz haben, überrascht nicht. Sie galten schon länger als Gabriel-Gegner. Nahles hatte bereits als Generalsekretärin unter Gabriels Sprunghaftigkeit gelitten. „Sigmar, ich schmeiß' die Brocken hin“, hatte sie ihm wegen seiner unberechenbaren Alleingänge mehrfach angedroht. Nach Angaben aus ihrem Umfeld wurden Scholz und auch Nahles gleich mehrfach von Gabriel getäuscht und hintergangen.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz litt unter Gabriels Illoyalität. Immer wieder schaltete sich Gabriel im Sommer 2017 in den Wahlkampf ein und trat in Konkurrenz zu Schulz. Nach der Wahl meldete er sich mit einem Essay zu Wort und warb dafür, Begriffe wie „Heimat“ und „Leitkultur“ positiv zu fassen. Die Parteilinke kochte.

Vollends unmöglich machte Gabriel sich vor einem Monat. Nachdem Martin Schulz erklärt hatte, das Außenministerium zu übernehmen und folglich Gabriel vom Kabinettstisch verdrängte, fühlte dieser sich abserviert. Beleidigt konterte er mit einem Zeitungsinterview: „Meine kleine Tochter Marie hat mir heute früh gesagt: ,Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht‘.“

Das fand nicht einmal der politische Gegner in Ordnung. „Eine Tochter in der innerparteilichen Auseinandersetzung zu instrumentalisieren – das ist inakzeptabel“, empörte sich CSU-Chef Horst Seehofer. „Das ist völlig daneben. Ich glaub, das hat's so auch noch nie gegeben.“

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09.03.2018, 06:00 Uhr

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