Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ganz unten

Kein Scherz über den Kopfschmerz!

Im Schädel wummert ein Presslufthammer. Sekündlich sticht es hinter den Schläfen. Sterne flimmern, wenn ich die Augen zukneife. Eins der vielen Viertele im Reutlinger Weindorf muss schlecht gewesen sein – beliebter Zecherscherz.

05.09.2012

Doch mit Kopfschmerz ist nicht zu spaßen. 22,5 Millionen Deutsche, nahezu jede/r Dritte, leiden regelmäßig oder ständig unter Kopfschmerzen, annähernd jeder zehnte Bundesbürger hat Migräneanfälle. Auch Kinder: Jedes fünfte hat häufig Kopfschmerzen. Die Kur ist oft schlimmer als die Krankheit. 3,75 Milliarden Mal nehmen die Deutschen im Jahr Schmerzmittel. Vor allzu häufigem Konsum wird indes gewarnt. Wer zu oft solche Mittel nimmt, mahnt der Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe zum deutschen Kopfschmerztag am heutigen Mittwoch, riskiert „medikamenteninduzierten Kopfschmerz“.

Dennoch: Ein Königreich für eine Tablette. Die Arbeit ist heute zäh wie ein Filet vom hundertjährigen Albbüffel. Der Schädel brummt wie ein Braunbär auf Sommerausflug über die Schwäbische Alb. Imaginäre Hornissen schwirren durch meine Gehirnwindungen. Nie mehr einen Tropfen Alkohol – fast glaube ich selbst daran.

Kopfschmerzen bereitet auch die Zuordnung des Kopfschmerztages. Abweichend vom offiziellen Termin wird der Tag in Deutschland heuer auch für den 7. September ausgeschrieben. Und um die Verwirrung komplett zu machen, ist der Europäische Kopfschmerztag auf den 12. September datiert.

Im Internet kursieren gut gemeinte Tipps und Tricks zur Linderung. Wikipedia rät, bei ständigen Spannungskopfschmerzen ein Schmerztagebuch zu führen. Das stelle ich mir lustig vor: „Liebes Tagebuch, heute habe ich einen mordsmäßigen Kater. Aber das ist es mir wert: Denn meinen Nachbarn habe ich gestern Abend locker unter den Tisch gesoffen.“

Ansonsten sind die Einträge bei der Online-Enzyklopädie nicht wirklich hilfreich. „Die genaue Pathophysiologie ist bis dato nicht geklärt. Es wird ein multifaktorielles Geschehen vermutet“, heißt es da. Schade eigentlich. Ich hätte in meinem Fall eher monokausal auf eine überproportionale Alkohol-Intoxikation getippt.

Im Netz raten Ärzte zur Akupunktur. Die könne zumindest beim episodischen Spannungskopfschmerz zum Einsatz kommen, heißt es. Einen Einfluss auf die Häufigkeit der Episoden habe sie aber nicht. Schade. Meine Kur steht indes fest: Strikte Abstinenz außerhalb des Weindorfs. So bleibt der Katerkopfschmerz hoffentlich eine einmalige Episode. Sonst würde mir das Studium der Packungsbeilagen von Aspirin, Paracetamol, Spalt, Dolormin und wie die einschlägigen Medikamente alle heißen irgendwann selbst Kopfschmerzen bereiten. Oder soll ich es lieber mit dem Schüssler-Salz „Heiße Sieben“ probieren, gerührt und nicht geschüttelt? Wohlmeinende Kollegen schwören auf dieses Magnesium phosphoricum.

Genug recherchiert. Schon brummt mein Schädel von den vielen Fachausdrücken, Therapien und Zahlen. Genug vom Kopfschmerz gelesen. Ich lege mich jetzt mit pochenden Schläfen ins Bett und ziehe die Decke über den maladen Schädel. Manchmal ist die Kur eben schlimmer als die Krankheit.

Matthias Reichert

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.09.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball