Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Leitartikel zum VfB Stuttgart

Kein Selbstläufer

19.12.2016
  • Wolfgang Scheerer

Stuttgart. Wer als Fußballtrainer von sich sagen kann, dass Jürgen Klopp ihn entdeckt hat, darf sich darauf was einbilden. Hannes Wolf mag stolz sein, aber er gibt damit nicht an. Konzentriert arbeitet er auf das große Ziel hin: direkter Wiederaufstieg mit dem VfB. Der 35-Jährige gilt nicht nur wie „Kloppo“ als Kommunikationstalent, als Chefcoach hat er den angeschlagenen Bundesliga-Absteiger auch sportlich wieder auf Kurs gebracht. Dennoch wird es jetzt viel zu bereden geben, weil sich die Stuttgarter mit zwei Niederlagen in Serie in die Winterpause verabschiedet haben – nur auf Platz drei statt als Tabellenführer. Kein Grund zu Panik: Für Wolf war schon der Start ein gewagter Sprung ins kalte, aufgewühlte Wasser gewesen. Nach zahlreichen Erfolgen mit den Jugendteams der Dortmunder Borussia ist Stuttgart seine erste Station im Profifußball.

Wegen all der Turbulenzen und Zäsuren, die der Absturz des VfB mit sich brachte, wusste Wolf um das Risiko. Präsident Bernd Wahler war zurückgetreten, der Verein trennte sich von Sportvorstand Robin Dutt. Nach nur vier Monaten und Meinungsverschiedenheiten mit Dutts Nachfolger Jan Schindelmeiser kam auch noch das Aus für Trainer Jos Luhukay. Die Zweitliga-Saison hatte kaum begonnen, da drohte der VfB vollends im Chaos zu versinken.

Mit Wolf kam die Wende. Im Hintergrund: Schindelmeiser und der neue Präsident Wolfgang Dietrich. Die von vielen erhoffte reinigende Wirkung des Abstiegs scheint doch noch zu greifen. Mit frischen Kräften auf und neben dem Rasen und bekanntem Potenzial aus treu gebliebenen Großsponsoren tüfteln die Stuttgarter daran, den größten anzunehmenden Unfall zu beheben. 47 000 Mitglieder machen den VfB zu einem der größten deutschen Vereine. Die Profimannschaft spielt in einem der schönsten deutschen Stadien. Der Traditionsklub war deutscher Meister 1950 und 1952, außerdem in der Bundesliga 1984, 1992 und 2007. Der VfB ist wer. Im Stuttgarter Kessel und weit darüber hinaus hat sich nun nicht nur bei den Fans das gute Gefühl verfestigt, dass das auch so bleiben wird.

Die sofortige Rückkehr in die erste Liga ist alternativlos. Nur: Garantieren wird das Wolf und Co. niemand. Gerade die 0:3-Pleite gestern in Würzburg zeigt: Die Saison ist kein Selbstläufer.

Vor allem im Abwehrbereich bleibt die Mannschaft anfällig. Spielertransfers in der Winterpause sind auch deshalb ein Thema. Auf dem Weg zurück darf so wenig wie möglich dem Zufall überlassen werden. Denn nur der Tabellenerste und -zweite steigen ohne Umweg über Relegationsspiele auf. Deshalb soll die Mannschaft weiter an Dominanz gewinnen, um etwa Spiele wie zuletzt daheim gegen Konkurrent Hannover 96 und nun in Würzburg nicht durch Unkonzentriertheiten zu vergeigen.

Für Hannes Wolf wäre der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga der größte Triumph seiner bisherigen Karriere. Beim VfB ist er dabei, sich einen guten Namen zu machen. Das konnten hier zuletzt wenige von sich sagen.

leitartikel@swp.de

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.12.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball