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Kommentar · Terror

Kein Zurückweichen

Die Attentäter von Paris haben sich ihre Anschlagsziele mit Bedacht ausgewählt: Es waren Orte, die unsere westliche, unsere europäische Kultur ausmachen. Ein Fußballstadion, wo Zehntausende Wochenende für Wochenende - zumeist friedlich - ihren Idolen zujubeln.

16.11.2015
  • ULRICH BECKER

Ein Konzertsaal, in dem Bands auftreten, die jenseits vermeintlicher moralischer und politischer Korrektheit kulturelle Vielfalt leben. Und jene Freiheit der Bars und Kneipen, in denen Menschen ganz einfach zusammenkommen - ohne, dass nach Religion, Geschlecht oder Herkunft gefragt wird.

Dieses Vorgehen gibt der Nacht des 13. Novembers eine neue Qualität. Die Killerbanden des IS und zuvor von Al-Kaida begnügen sich nicht mehr mit den Angriffen auf Schauplätze, die symbolisch für die westliche Lebensart stehen. Sie feuern buchstäblich mitten in unser tägliches Leben, hinein in jene Kultur, die sich nicht zuletzt aus den Werten der französischen Revolution speist.

Der Feldzug des IS ist nicht nur grausam und barbarisch, er ist zugleich perfide. Denn er bringt Regierende und Gesellschaft in ein Dilemma, das kaum lösbar erscheint. Frankreichs Staatspräsident Hollande sprach kurz nach den Attentaten von einem "Kriegsakt", Bundespräsident Gauck nannte sie eine "neue Art von Krieg". Es ist richtig: Wir müssen uns verteidigen und unmissverständlich klar machen, dass der Westen wehrhaft ist. Dazu gehört auch, dass wir in Europa endlich zu einer geordneten Flüchtlingsregistrierung kommen. Wir müssen wissen, wer zu uns kommt.

Genauso richtig ist aber: Nein, wir leben nicht im Krieg. Und der 13. November darf auch nicht, wie so oft in den letzten Tagen behauptet, das Ende des Europas sein, wie wir es bisher kennen. Er muss ganz im Gegenteil der Beginn einer Neuentdeckung dieser Idee sein, die in den vergangenen Jahren zu oft im kleingeistigen Streit unterzugehen schien. Das bedeutet: Kein Zurückweichen, keine Änderung unseres Lebensstils, keine Einschränkung der Freiheit. Vor allem aber bedeutet es keine Ausgrenzung der Menschen, die zu uns kommen und keine Vorverurteilung, egal, welcher Religion sie angehören. Alles andere wäre ein Sieg der IS-Mörder, weil sie damit ihrem unheiligen Krieg neue Nahrung geben könnten und noch mehr Anhänger fänden.

Mit der Gefahr von Anschlägen muss eine offene Gesellschaft leben. Sie ist aber die einzige Antwort auf die Taten des 13. November. Damit Paris immer die Stadt der Freiheit und der Lust auf das Leben bleibt - und nicht ein Ort des Terrors.

Siehe auch Terror in Paris: Eine mögliche Spur führt nach Bayern 16.11.2015 Dokumentation: Angela Merkel: "Wir weinen mit Ihnen" 16.11.2015 Anschlagsziel Europa: Hunderte Menschen starben im vergangenen Jahrzehnt bei Attentaten - Durch IS-Auslandskämpfer steigt die Gefahr 16.11.2015 Wie groß ist die Gefahr in Deutschland?: Polizei verstärkt Präsenz an Grenzen, Bahnhöfen und Flughäfen - Besonderes Augenmerk auf Dschihadisten 16.11.2015 Der entschlossene Krisenmanager: Frankreichs Präsident François Hollande demonstriert Härte und droht den Terroristen gnadenlose Verfolgung an 16.11.2015 Wer tut so etwas?: Ermittlungen zu den Tätern laufen - Festnahmen in Belgien - Mindestens ein Angreifer flüchtig 16.11.2015 "Überall war Blut, überall lagen Leichen": Der Schrecken erreicht eine neue Dimension: An den Tatorten der Horrornacht pulsiert im Alltag das Leben 16.11.2015 Kommentar · Terror: Kein Zurückweichen 16.11.2015 Eiffelturm des Friedens: Symbole und praktische Hilfe: Das Internet zeigt seine Kraft 16.11.2015 Staatschefs wollen IS Finanzströme kappen: G-20-Gipfel kündigt Initiative an 16.11.2015 Leitartikel · IS : Mehr Härte zeigen 16.11.2015 Solidarität mit Frankreich: Politiker weltweit reagieren entsetzt auf die Terrornacht 16.11.2015 Die freundliche Gesellschaft verteidigen / IHK: Antwort auf Terror ist mehr Freiheit: Bischof Fürst: Muslime nicht unter Generalverdacht stellen 15.11.2015 Objektschutz an französischen Einrichtungen wird überprüft / Trauerbeflaggung angeordnet: Terror in Paris: Gall sieht keine Gefährdungslage für Südwesten 14.11.2015 Mahnwache für die Opfer auf dem Holzmarkt: Mehr als 100 Tote bei Terroranschlägen in Paris 14.11.2015

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16.11.2015, 12:00 Uhr

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