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Justiz

Kein neues Mannheimer Loch

Bundesgerichtshof entscheidet, dass die Installation „HHole“ in der Kunsthalle dem Neubau weichen durfte.

22.02.2019

Von DPA

Vorbei: das „HHole“ in Mannheim. Foto: Ronald Wittek/dpa

Mannheim. Es ist Kunst – trotzdem durfte es weggemacht werden: Die Kunsthalle Mannheim muss die Installation „Mannheimer Loch“ nicht wieder aufbauen und der Künstlerin auch keinen Schadenersatz zahlen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. Das Gesetz schütze den Urheber zwar vor der Vernichtung seines Werkes. In diesem Fall aber überwiege das Interesse der Stadt am Um- und Neubau der Kunsthalle und die Installation dafür zu zerstören. (Az. I ZR 98/17 u.a.)

Die Installation, die „HHole“ heißt, hatte sich im Athene-Trakt des Ausstellungshauses durch kreisrunde Öffnungen in Boden und Decken über alle sieben Geschosse gezogen. Für die große Neueröffnung im Juni 2018 ließen die Architekten den Gebäudeteil komplett entkernen, er ist heute offen bis unters Dach. Das „Hhole“ passte nicht ins Konzept.

Zum Entsetzen der Künstlerin, Nathalie Braun Barends. „Man hat sie blind gehalten und hinter ihrem Rücken einfach Fakten geschaffen“, sagt ihr Anwalt, Andreas Zumschlinge. Eine weitere Arbeit Braun Barends, die Lichtinstallation „PHaradise“ in der Kuppel des Billing-Baus, wurde bei einer Dachsanierung entfernt.

Vor Gericht ging es um Schadenersatz-Forderungen. Aber an erster Stelle wollte Braun Barends ihre Werke in der neuen Kunsthalle wieder aufbauen.

Das Urhebergesetz schützt Werke vor Entstellung oder „anderer Beeinträchtigung“. Was das bedeutet, war umstritten. Der BGH hat nun klargestellt, dass auch die Vernichtung als „intensivste Form der Beeinträchtigung“ gemeint ist.

Er hat aber auch die andere Seite im Blick. Die Interessen von Urheber und Eigentümer müssen laut Urteil umfassend gegeneinander abgewogen werden. Ist die Kunst – wie in Mannheim – Teil eines Bauwerks, wird die Neugestaltung in aller Regel Vorrang haben. dpa

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Erstellt:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2019, 06:00 Uhr

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