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Keine Lust auf Stau
Das Fahrrad als Dienstfahrzeug ist vor allem in Großstädten immer beliebter. Foto: dpa
Arbeitgeber stellen Mitarbeitern verstärkt Firmenfahrräder zur Verfügung

Keine Lust auf Stau

Viele Firmen stellen ihren Mitarbeitern ein Auto zur Verfügung. Die Bedeutung des Firmenwagens nimmt aber ab. Dafür werden Firmenfahrräder, zumindest in Großstädten, immer beliebter.

22.04.2016
  • PETER ILG

Berlin. Lesson Nine ist ein junges Unternehmen, das mit einer innovativen Idee den Markt fürs Sprachenlernen revolutioniert. Über eine App bietet das Start-up Sprachkurse im Web, auf Smartphone Tablets und Apple Watch. Babbel heißt die Sprachlernmethode. Lesson Nine ist auch darin kreativ, seine Mitarbeiter zu motivieren - und gleichzeitig damit Werbung fürs Unternehmen zu betreiben: Jeder Mitarbeiter bekommt auf Wunsch ein eigenes Babbel-Fahrrad.

Es ist in der Firmenfarbe orange lackiert und mit Firmenlogo versehen. Die Fahrräder sind von bester Qualität, dürfen privat benutzt werden und werden regelmäßig auf Firmenkosten gewartet. Für Babbel-Mitbegründer Markus Witte sind die Räder Anerkennung und Dankeschön an die Mitarbeiter. Und sie passen zur Unternehmensphilosophie, die auf Flexibilität und Engagement der Beschäftigten setzt. Auf die Idee kam Witte, als er sah, wie viele mit dem Fahrrad ins Büro kamen. Mit dem Auto fährt in der Hauptstadt fast niemand zur Arbeit: zu viel Verkehr, kaum Parkplätze.

"Es sind vor allem junge Medienunternehmen und Kreative, die ihren Mitarbeitern Firmenfahrräder anbieten", sagt Karriereberaterin Svenja Hofert. In etablierten Firmen und Konzernen herrscht noch immer der Firmenwagen vor. Allerdings nehme dessen Bedeutung ab. Die jüngere Generation verzichtet gerne auf das Statussymbol Auto, zeige sich lieber ökologisch und fahre mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Job. "Ständig im Stau stehen motiviert niemanden", sagt Hofert.

Unternehmen locken potenzielle Mitarbeiter eher mit zwei Heimflügen pro Monat. "Solche Ideen kommen aber von den Bewerbern, nicht vom Unternehmen." Die gehen nach ihrer Erfahrung wenig kreativ mit dem Thema Mobilität und Arbeitsplatz um.

Eine Studie kommt zu dem Schluss: Kaum eine Nebenleistung in Deutschland ist stärker mit Emotionen verknüpft als Firmenwagen. Anders ausgedrückt: "Sag mir, was du fährst und ich sag dir, was du arbeitest." Der Firmenwagen ist Sinnbild für Macht und Einfluss seines Fahrers und Ausdruck dafür, wie ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiter wertschätzt.

Der Arbeitnehmer muss das Firmenauto als so genannten geldwerten Vorteil versteuern. Die Höhe beträgt 1 Prozent des Brutto-Listenpreises monatlich. Man spricht von Gehaltsumwandlung. Denn faktisch ist es eine Gehaltserhöhung. Für beide Seiten ist es ein lukratives Geschäft: Das Unternehmen zahlt weniger Lohnnebenkosten, der Mitarbeiter spart Lohnsteuer und Sozialabgaben, anderseits muss er keinen Privatwagen unterhalten.

Seit 2012 gilt dieses Dienstwagenprivileg auch für Fahrräder. Diensträder und Dienstautos werden seither steuerlich gleich behandelt. Das nutzen tausende Mitarbeiter, weil viele Firmen Diensträder anbieten: Bayer, Telekom und Allianz zum Beispiel. Und immer öfters sind Firmenräder E-Bikes.

"Leider ist die Regelung nicht auf alle Arbeitnehmergruppen anwendbar", sagt Werner Wölfle, Bürgermeister der Stadt Stuttgart und zuständig für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser. "Die Entgeltumwandlung ist für Beamte nicht zulässig." Rund 18 000 Mitarbeiter hat die Stadt Stuttgart. Die Bürgermeister und manche Geschäftsführer städtischer Gesellschaften haben einen Dienstwagen. Alle anderen Beschäftigten können aus der Autoflotte von 220 Dienstwagen ein Fahrzeug für Dienstfahrten nutzen. Außerdem hat die Stadt ebenso viele Dienstfahrräder. "Allein etwa 100 im weitläufigen städtischen Klärwerk."

Auch Wölfle weiß, dass der Wunsch nach einem Dienstwagen abnimmt. Flexible Arbeitszeiten und ein gutes Arbeitsklima seien heute viel wichtiger. Bei der Stadt Stuttgart sind aber weder das Auto noch das Fahrrad ein Mittel, um die Mobilität der Mitarbeiter zu fördern. "Unser zentrales Instrument ist das Job-Ticket." 60 bis 70 Prozent haben eine Jahreskarte des öffentlichen Verkehrsverbunds - die Stadt zahlt davon 28 EUR pro Monat.

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22.04.2016, 06:00 Uhr

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