Video-Caht

Datenschutz: Keine Party bleibt privat

„Houseparty“ ist in der Corona-Krise eine beliebte App für Video-Chats. Der Datenschutz wird dabei aber vernachlässigt.

22.05.2020

Von Laura Liboschik

Trotz Corona-Beschränkungen zusammen trinken mit der „Houseparty“-App. Die Entwickler verlangen dafür eine Menge persönlicher Daten. Foto: Olivier Douliery/afp

Kennen wir uns? Zu einer richtigen Hausparty gehören ungeladene Gäste einfach dazu. Irgendjemand bringt Freunde mit, ein anderer hat von der Party gehört – und schnell ist der Raum voll. Diesem Prinzip der Spontaneität und Unberechenbarkeit folgt der Entwickler Life on Air mit der App Houseparty. Einer startet einen virtuellen Partyraum, und wenn er nicht mit dem kleinen Schloss-Symbol abriegelt wird, können auch Freunde von Freunden mit einem Klick beitreten.

Zoom, Skype, Hangouts, sogar WhatsApp: Die meisten Chatrooms bieten die Möglichkeit für Videoanrufe an. In Zeiten von „Social Distancing“ durch die Corona-Krise bekommen diese Anwendungen einen ganz neuen Stellenwert.

Houseparty ist momentan besonders beliebt, stand kurzzeitig in den App-Stores sogar vor WhatsApp und Zoom. Entwickelt wurde die App 2016 vom US-Unternehmen Life on Air für Smartphones, Laptops und Computer. Während der Video-Gespräche können bis zu acht Teilnehmer nebenbei Spiele spielen. Die Klassiker sind Quiz- und Ratespiele wie „Wer bin ich?“. Die App ist bislang allerdings nur auf Englisch verfügbar. Bei „Wer bin ich?“ wird es schwer, den zugeordneten Promi zu erraten, wenn man kein Kenner der amerikanischen Unterhaltungsbranche ist. Der Umsatz wird durch In-App-Käufe gemacht, zum Beispiel von neuen Quiz-Kategorien.

Ohne vorheriges Anklingeln kann eine Party gestartet werden, indem man den Kontakt in seiner Freundesliste anklickt. Schließt man den Partyraum nicht ab, können selbst Freunde von Freunden ungefragt an der Party teilnehmen. Dies kann umgangen werden, indem man das kleine Schloss-Symbol aktiviert und den Raum schließt. Wer denkt, Fremde seien dadurch ausgeschlossen, täuscht sich allerdings: Life on Air feiert mit.

Bereits beim Installieren der App weist der Betreiber auf Englisch darauf hin, dass man Folgendes akzeptieren muss: Houseparty darf auf das Telefon zugreifen, auf die Kamera (Fotos und Videos aufnehmen), die Kontakte einsehen, auf das Mikrophon zugreifen und den Ton aufzeichnen. Zudem möchten die App-Betreiber alle gespeicherten Dateien einsehen und diese sogar verändern oder löschen können. Auch Geräte-ID und Anrufinformationen sowie die eigene Telefonnummer sollen gespeichert werden.

Unter „Sonstiges“ verlangt der Betreiber unter anderem die Berechtigung, Dateien ohne Mitteilung an den User herunterladen zu dürfen, Internetdaten zu empfangen, Audioeinstellungen zu verändern und das Smartphone eigenständig mit anderen Bluetooth-Geräten zu verbinden – und „full network access“, also den vollen Zugang zum Netzwerk.

Bis vor kurzem stand in der „Privacy Policy“ zudem wörtlich: „You agree that Life on Air is free to use the content of any communications“ – „including any ideas, inventions, concepts, techniques, or know-how.“ Dadurch könnte der Entwickler nicht nur mithören, er hätte auch das Recht, jeden Gedanken, jede Idee oder sogar Erfindung, die in den Gesprächen aufkommt, für sich zu verwenden. Im April wurde der entsprechende Absatz jedoch aus der „Privacy Policy“ entfernt und durch einen anderen ersetzt, indem das Gegenteil steht. Nun heißt es dort, die Firma beanspruche keinerlei Eigentumsrechte an Nutzerinhalten. Auf die Anfrage, weshalb der Absatz entfernt und ersetzt wurde, gab Life on Air keine Rückmeldung.

Bedenken der Datenschützer

Im Netz äußern Datenschutzexperten auf verschiedenen Portalen wie „e-Recht24“ oder „Datenschutzbeauftragter“ ihre Bedenken. Auch Mike Kuketz, tätig für die Datenschutzbehörde Baden-Württemberg, hat die App auf seinem Blog analysiert. Er bezeichnet den Zugriff auf Facebook-Daten als „unverantwortlich“.

Kontinuierlich übermittle die App während der Verwendung unbemerkt Daten an Facebook. Dass die Betreiber schon bei der Anmeldung nach der Telefonnummer fragen, bezeichnet der Experte als „reine Datensammelei“, da gewöhnlich auch die Mailadresse reiche, um festzustellen, ob es sich um eine reale Person handelt. Die Experten sind sich einig, dass User-Daten nicht ausreichend geschützt werden. Ob das vom Download abhält, ist eine andere Frage. Sicher ist nur, dass keine Houseparty privat bleibt. Ob der virtuelle Raum nun mit dem Schloss-Symbol verriegelt wurde oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Erfolgreich in den App-Stores

Ranking Auf Platz eins der am häufigsten heruntergeladenen Apps von Apple und Google ist momentan Zoom. Vom Büro in den privaten Raum hat es die ursprünglich für Telefonkonferenzen programmierte App durch die Corona-Pandemie geschafft. Bis vor kurzem stand auch Zoom in der Kritik, weil die Betreiber ungefragt personenbezogene Daten an Facebook übermittelt haben. Kurz darauf teilte Zoom mit, dass die Weitergabe der Daten mit dem neuesten Update eingestellt worden sei.

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Erstellt:
22. Mai 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Mai 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2020, 06:00 Uhr

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