Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Keine Spur von den Brandstiftern
Markus Nierth trat nach dem Brandanschlag als Bürgermeister zurück. Noch wohnt er in Tröglitz. Foto: Getty
Tröglitz auch ein Jahr nach Anschlag auf Flüchtlingsheim zerrissener Ort

Keine Spur von den Brandstiftern

Bilder des ausgebrannten Tröglitzer Hauses gingen um die Welt: 40 Flüchtlinge sollten dort unterkommen. Die Fahndung nach den Brandstiftern hat auch ein Jahr später keine heiße Spur gebracht.

02.04.2016
  • FRANZISKA HÖHNL, DPA

Tröglitz. In der Nacht zum 4. April steht ein Haus im kleinen Tröglitz im Süden Sachsen-Anhalts in Flammen. 40 Flüchtlinge sollten dort einziehen. Wochenlang gibt es in dem Ort von NPD-Mitgliedern organisierte Proteste gegen die Unterkunft - zum Schutz seiner Familie tritt der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth nach Anfeindungen zurück. Dann wird das Haus in Brand gesteckt. Ein Jahr ist das nun her.

Was wurde aus den Ermittlungen? Bisher gibt es keine heiße Spur. Die Polizei hat nach dem Anschlag die Soko "Kanister" gegründet. Bis zu 22 Beamte ermitteln. Sie seien zuversichtlich, die Brandstifter zu finden, heißt es zunächst aus dem Landeskriminalamt. Im Oktober wird zwar ein Mann festgenommen, kommt mangels ausreichendem Verdacht aber bald wieder frei. Heute sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle: Es gibt keinen konkreten Verdacht.

"Die Ermittlungen sind schwierig", bilanziert ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA). Die Beweisstücke und Zeugenaussagen hätten nicht den erhofften Erfolg gebracht. Die Soko hat nur noch drei Mitarbeiter und führt letzte Ermittlungen. In wenigen Wochen kommt die Akte zur Staatsanwaltschaft. Dann wird entschieden: Verfahren einstellen oder weiterermitteln.

40 Flüchtlinge sollten in die bezugsfertige Asylunterkunft einziehen. 23 sind gekommen, die meisten aus Afghanistan, drei sind Inder. Sie wurden auf Wohnungen im Ort verteilt. Keiner von ihnen sei bisher weiter- oder weggezogen, erzählt Landrat Götz Ulrich (CDU). Alle Familien haben Paten aus dem Ort, die sich kümmern. "Vorbildlich" sei dieses Engagement, sagt Ulrich. Die schweigende Mehrheit beäuge die Neuankömmlinge jedoch immer noch skeptisch.

Markus Nierth nennt das Jahr nach seinem Rücktritt und dem Brandanschlag "eines der schwersten" für seine Familie. Sie musste mit Ablehnung, Morddrohungen und offenem Hass umgehen, langjährige Freundschaften zerbrachen. Er als Trauerredner und seine Frau mit ihrer Tanzschule müssen bis heute mit Einbußen leben, weil Kunden wegbleiben.

Doch die Nierths geben nicht auf, übernehmen Patenschaften für Flüchtlinge. Er würde alles wieder so machen, auch das mit dem Rücktritt, bilanziert der 47-Jährige. Trotz der Verwurzelung nehme sich seine Familie aber auch die Freiheit, über einen Wegzug nachzudenken. Der Familienrat werde bald abstimmen.

Die Brandruine ist bis heute nicht saniert. Ein behelfsmäßiges Notdach schützt das Mehrfamilienhaus vor Wetterschäden. Der Eigentümer schätzt den Schaden auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Die Versicherung habe bisher ein Drittel bezahlt, verweise auf die laufenden Ermittlungen, erzählt er.

Der Ort ist zerrissen. Viele der 2700 Tröglitzer lehnen Flüchtlinge ab. Bei der Landtagswahl Mitte März wurde die rechtspopulistische AfD in Elsteraue - der Gemeinde, zu der Tröglitz gehört - mit mehr als 30 Prozent stärkste Kraft vor der CDU.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

02.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball