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Hinweise auf zweites Fürstengrab

Keltensitz in Baisingen?

Eine archäologische Sensation deutet sich beim Baisinger Bühl an. Durch geophysikalische Messungen haben sich dort Hinweise auf ein zweites keltisches Fürstengrab ergeben.

21.07.2012
  • Werner Bauknecht

Baisingen. Im Baisinger Bühl wurden 1893 von Roland Miller keltische Kunstgegenstände ausgegraben, welche die Existenz eines Fürstengrabes unter dem Hügel nahelegen. Der Bernsteinring, der bronzene Kessel, Arm-, Hals- und Fingerringe sind nur noch als Fotos vorhanden, die Originale gingen in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren. Die Hauptgrabkammer ist noch unerforscht, gegraben werden darf dort erst, wenn die vor über hundert Jahren gepflanzten Bäume auf dem etwa vier Meter hohen Hügel altersschwach geworden sind.

Erdfeldmessungen im Abstand von 2 Metern

Neben dem bereits bekannten und erforschten keltischen „Fürstengrabhügel“ im Baisinger Bühl konnte nun durch geophysikalische Messungen eine weitere, nur wenige hundert Meter entfernte, zweite Grabstätte nachgewiesen werden. Frieder Klein vom Landesdenkmalamt Tübingen und Martin Waldhör, Geophysiker des Forschungsinstituts „Terrana Geophysik“, berichteten am Donnerstag im Baisinger Schlosssaal vor etwa 80 Zuhörern von den Ergebnissen.

Pünktlich zum Keltenjahr 2012 erbrachten Waldhörs Messungen Ergebnisse, die „Kollegen, denen wir sie zeigten, ganz baff machten“, wie Klein stolz erzählte. Geomagnetische Prospektionen, also Messungen der Erdmagnetik, zeigten deutlich das Vorhandensein einer Grabstätte nicht weit vom Baisinger Bühl. Dabei wurden Gradiometer zur Messung von Anomalien im Magnetfeld der Erde in gerader Linie nebeneinander mit einem Abstand von etwa zwei Metern angebracht. Die dadurch erhaltenen Rohdaten ermöglichen die Sichtbarmachung dessen, was sich unter der Erde befindet. Das können Holzreste, Tonscherben oder Eisenteile sein. Das Gebiet, auf dem vermessen wurde, ist zweieinhalb Hektar groß, gemessen wurde in einem Meter Tiefe.

Ganz überraschend zeigte sich ein längsseitig etwa 50 Meter großes Viereck, in dessen Mitte sich, als dunkler Fleck mit weißem Rand erkennbar, eine Grabkammer identifizieren ließ. „Eine quadratische Form ist sehr ungewöhnlich“, sagte Klein. Was genau sich in der Kammer befindet, kann so nicht festgestellt werden. „Dazu müsste man graben.“

Die Neuentdeckung des zweiten mutmaßlichen Fürstengrabes zeigte, dass dieses ursprünglich von Steinen eingefasst war. Dass das Grab etwas Besonderes ist, könne man allein an seiner Größe erkennen, sagte Klein. Weil andere im Oberen Gäu gefundene Gräber eine Seitenlänge von 15 Metern haben, seien mehr als 50 Meter Seitenlänge in Baisingen ungewöhnlich, ja über ganz Baden-Württemberg hinaus einzigartig. Auch die Grabanlage im Rottenburger Lindele weise eine ähnliche Struktur auf. Allerdings gebe es dort ein Ensemble von Kleingräbern.

Erinnert an Keltengrab in Hochdorf/Enz

Durch die Untersuchungen Waldhörs könne man die „radiale Struktur“ der Baisinger Anlage erkennen. „Diese Segmentbauweise erinnert an ein Korbgeflecht und könnte als Schutz gegen Korrosion errichtet worden sein.“ Als Vergleich führte Klein das Keltengrab in Hochdorf/Enz an, das eine ähnliche Struktur aufweise. Allerdings wurde dieses 1987 neu aufgeschüttet.

Zum Baisinger Bühl, dem Hochgrab, gebe es die Legende, dass bei der Graberrichtung jeder Krieger der Siedlung Erde aus einem gefüllten Helm beigetragen hätte.

Aus den archäologischen Erkenntnissen würden sich neue Fragen ergeben, sagte Klein. Zum Beispiel danach, wo sich die Siedlungen der Kelten befunden hätten. Reste wurden bisher keine davon entdeckt. Aber es sei zu vermuten, dass sich die Siedlungen in der Nähe der Gräber befunden hätten. Die große Zeit der Kelten war in den Jahren 700 bis 200 vor Christus. Beim nachfolgenden Ortstermin bei den Gräbern erzählte eine Baisinger Einwohnerin, dass man vor 40 Jahren noch Aufschüttungen des heute flachen Grabes erkennen konnte. „Für uns ist das keine Überraschung.“ Ortsvorsteher Horst Schuh regte an, eine kleine Fläche des neuen Grabes aufzugraben. „Ja, das wäre was“, sagte Klein lachend, „eine chirurgisch kleine Schnittstelle, um etwas mehr über das unter der Erde liegende Grab herauszufinden.“ Mehr lohne sich nicht, dadurch würde man nur das Grab als Ganzes gefährden.

Keltensitz in Baisingen?
Im vergangenen Winter untersuchte Martin Waldhör vom Institut „Terrana Geophysik“ die Umgebung des Baisinger Bühls. Dabei stieß er auf Spuren eines zweiten Fürstengrabes. Über die Forschungsergebnisse berichteten er und Frieder Klein vom Landesdenkmalamt Tübingen am Donnerstagabend in der Baisinger Schlossscheuer. Privatbild

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21.07.2012, 12:00 Uhr

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