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Kick der Neuzeit
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Leitartikel Fußball

Kick der Neuzeit

Die Profis des FC Bayern sind im Heimspiel gegen Hoffenheim in besonderen Outfits aufgelaufen. Es handelte sich um Trikots, die vom Hersteller Adidas zu hundert Prozent aus Plastikmüll hergestellt worden waren. Eine noble Geste der Münchner, die auf diese Weise auf die dramatische Lage in den vom Menschen verschmutzten Meeren aufmerksam machten. Als Plastikklub möchte der Rekordmeister, bei aller Liebe, aber keinesfalls wahrgenommen werden.

17.11.2016
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm. Plastikklub, das ist im bezahlten Fußball der Moderne das schlimmste Schimpfwort. Plastikklub, das heißt keineswegs nur im Sprachgebrauch der mies gelaunten Traditionalisten so viel wie: neureich und emotionslos, arrogant bis überheblich, nur wenig sympathisch und reichlich arm an Geschichte. Der Blick auf die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga belegt jedoch, dass die sogenannten Plastikklubs sich im deutschen Spitzenfußball etabliert haben. RB Leipzig und die Hoffenheimer sind die schärfsten Verfolger der Bayern, die sich von den höchst ambitionierten Emporkömmlingen ernsthaft bedroht fühlen.

Wenn an diesem Freitag Leverkusen die Leipziger empfängt, scheint der Fall klar: Bayer gegen Red Bull. Werksklub gegen Brauseklub. Plastik gegen Plastik. Oder, sportlich betrachtet: Königsklasse. Mehr als ein Dutzend Nationalspieler aus ganz Europa und dem Rest der Welt, die den attraktiven Kick der Neuzeit zelebrieren. Wie genau und differenziert diese Vereine, die von Konzernen oder milliardenschweren Mäzenen unterstützt werden, zu betrachten sind, wird erst auf den zweiten Blick deutlich.

Bayer Leverkusen ist die Mutter aller Plastikklubs und eine hundertprozentige Tochter des weltweit agierenden Industriegiganten. Der 1904 gegründete Klub war gut 70 Jahre lang eine bessere Betriebssportgruppe. Seit mehr als drei Jahrzenten spielen die Leverkusener in der Bundesliga, sie waren ein paar Mal Vizemeister und, ja, vor 14 Jahren standen sie im Champions-League-Finale gegen Real Madrid, das sie unglücklich verloren. Der Werksklub schreibt seine eigene Geschichte, das bundesweite Interesse hält sich freilich in Grenzen.

Dagegen steht der Rasenballsport Leipzig, wie der Klub tatsächlich heißt. Gegründet 2009, geschaffen und kontrolliert von dem österreichischen Milliardär Dietrich Mateschitz und seinem Imperium Red Bull. Die Bullen, wie sie im Fachjargon genannt werden, sind mit Brachialgewalt in den Spielbetrieb eingestiegen. Null Tradition, hundert Prozent Einsatz. Es gibt eine klare Strategie und geschäftliche Interessen. Der Ball rollt im hohen Tempo. Neues Stadion, neue Jugendakademie, neue Akteure. Die Spielphilosophie, mit der die ungeschlagenen Leipziger gerade die Liga erobern, passt perfekt zu dem Ruf des Klubs. Schnell, direkt und erfolgreich.

Geld schießt keine Tore, behaupten die Fußballweisen. Tradition allerdings auch nicht. Es gehört weit mehr dazu. Der klare Blick, die Ruhe, Rückgrat und der Zusammenhalt in den eigenen Reihen. Diese Grundelemente, die im Fußball und anderswo seit jeher zählen. Der selbstbewusste Gewinner hat kein Problem mit Plastik.

leitartikel@swp.de

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17.11.2016, 06:00 Uhr

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