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Kicken überbrückt Kulturunterschiede
Fußball verbindet: Gemeinsam haben die Kicker des peruanischen Vereins und das Flüchtlingsteam Spaß am Sport. Rolando Hurtado (rechts) gewinnt immer wieder neue Mitspieler für die Freizeitmannschaften. Foto: leif@lichtgut
Fußball

Kicken überbrückt Kulturunterschiede

Der Verein Asociación Peruana Los Inkas richtet einmal im Monat Freundschaftsspiele mit Flüchtlingen aus. Der Vorsitzende kam vor 25 Jahren als Asylbewerber nach Stuttgart.

14.06.2018
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Die Schlüsselszene ist ein junger Mann, der sich allein mit einem Ball beschäftigt. Rolando Hurtado konnte nicht verstehen konnte, warum der Mann lieber mit dem Ball im Flüchtlingsheim in Stuttgart-Neugereut hockt, als auf dem Fußballplatz direkt vor der Tür ein bisschen zu kicken. Er erinnert sich, wie der junge Mann abgewinkt hat. Und Rolando Hurtado hat dann einen Plan gefasst hat. Zwei Jahre ist das her.

Heute ist einmal im Monat Matchtag auf eben diesem Sportplatz des TSV Steinhaldenfeld. Sechs bis acht Mannschaften kicken in Freundschaftsspielen gegeneinander. Menschen von überall her. Nord- und Schwarzafrikaner, Asiaten, Deutsche. Organisiert wird das von Rolando Hurtados deutsch-peruanischem Verein Asociación Peruana Los Inkas. Er, gebürtiger Peruaner, hat den Klub 1995 gegründet.

Die Vereinigung treibt gemeinsam Sport, widmet sich der südamerikanischen Kultur und bewirtet mit Spezialitäten aus dem Anden-Staat. Beim Stuttgarter Sommerfestival der Kulturen vom 17. bis 22. Juli wird der Verein vertreten sein. Um die 30 Mitglieder hat Los Inkas. Darunter auch: zwei Afghanen, ein Iraker, zwei Nigerianer und ein Pakistaner. Junge Männer. „Diese Leute machen den Verein aktiv. Sie haben Energie“, sagt er.

Der 56-Jährige engagiert sich nicht von ungefähr. 1993 kam er als politischer Flüchtling nach Deutschland, landete mit seiner Frau und zwei Kindern in einem Asylheim. Kein Wort Deutsch, kein Englisch. „Bei uns daheim war es sehr familiär. In Deutschland war plötzlich keiner da“, sagt er. „Ich weiß, was das bedeutet.“ Rolando Hurtados Geschichte steht auf zwölf vergilbten Seiten. Anerkennungsverfahren, Anhörungsniederschrift heißt es dort in Schreibmaschinenschrift. 1982 war er in die Partei Alianza Popular Revolucionaria Americana eingetreten und hatte sich rasch zum Chef der Jugendorganisation hochgearbeitet. Als es unter dem diktatorischen Präsidenten Alberto Fujimori in Peru zur Krise kommt und zahlreiche Politiker inhaftiert werden, werden auch Rolando Hurtado und seine Angehörigen mit dem Tod bedroht. Nach mehreren Überfällen fliehen sie.

Seit 25 Jahren lebt die Familie in Stuttgart, einer Stadt, vor der sie zuvor noch nie etwas gehört hatte. Das dritte der inzwischen erwachsenen Kinder ist hier geboren. Rolando Hurtado weiß, wie wichtig Kontakt ist, eine Beschäftigung, Ansprache. Manchmal, sagt er, wenn er einen Afrikaner allein auf einer Bank sieht, setzt er sich dazu und spricht ihn an. „Hallo, wie geht es dir?“ So hat der Staplerfahrer viele Ausländer kennengelernt und zum Kicken motiviert. Manche sind so gut, das Fußballvereine sie abgeworben haben. Talentsucher gesellen sich zu den Zuschauern.

Bei Kickern begehrt

Die Los-Inkas-Matches sind bei Freizeitspielern derart begehrt, dass die Veranstalter die Teilnehmerzahl begrenzen müssen, sonst kommt keiner mehr dran. „Wir bräuchten drei Plätze“, sagt Rolando Hurtado.

Sport verbindet eben. Rolando Hurtado liebt Fußball, und er liebt Peru. Stolz trägt er das weiß-rote Nationaltrikot. Nach 35 Jahren haben sich seine Landsleute wieder für die WM qualifiziert. Fürs Auftaktspiel gegen Dänemark haben er und seine Vereinskollegen extra einen Saal gemietet, um gemeinsam zu schauen. Und er weiß: Nicht nur Peruaner werden für die Weiß-Roten fiebern.

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14.06.2018, 06:00 Uhr

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