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Viele Fahrer machen kehrt

Kilchberger Händler ärgern sich über Beschilderung der L370-Umleitung

Solang die Bühler Ortsdurchfahrt gesperrt ist, leitet die Stadt den überörtlichen Verkehr aus Rottenburg und Herrenberg in Richtung Tübingen großräumig jenseits des Neckars um. Kilchberger Händler fühlen sich abgehängt. Jetzt gibt es wegen der Beschilderung böses Blut.

23.08.2015
  • Renate Angstmann-Koch

Kilchberg/Bühl. Hans Schaible ist sauer. Seit die Bühler Ortsdurchfahrt gesperrt ist, weil die Brücke über den Talbach saniert wird, verzeichnet er nur noch die halbe Kundenfrequenz. „Wir sind eben abhängig vom Gelegenheitsverkehr“, sagt er. Was den Inhaber des Korbhauses an der L370 in Kilchberg vor allem nervt, ist eine aus seiner Sicht chaotische Beschilderung. Kilchberg werde nirgends erwähnt. Selbst Kunden aus Rottenburg, die gezielt zu ihm kommen wollten und die Umleitung über Wurmlingen und Hirschau benutzten, seien ratlos an der Ampel gestanden und dann in Weilheim gestrandet. Und das, obwohl Autos im Gegensatz zu Lastwagen durchaus auf der innerörtlichen Umleitung durch Bühl fahren dürfen. Sie ist allerdings nicht ausgeschildert und wird nur von Ortskundigen benutzt.

Auch Eddy Hironimus klagt über Umsatzeinbußen von „bestimmt 25 oder 30 Prozent“ in seinem Imbiss am Kilchberger Bahnhof. „Die Leute fragen sich, ob man überhaupt durchfahren kann – dabei ist es erlaubt“, sagt er, während er den Salat für drei Männer anrichtet, die hier Mittagspause machen. Durch die Beschilderung würden die Autofahrer hinters Licht geführt.

Hans Schaible vom Korbhaus griff vor gut einer Woche zur Selbsthilfe und brachte in Weilheim und Kiebingen Schilder mit dem Hinweis an, dass die Durchfahrt für PKWs erlaubt ist. Doch der Hinweis wurde übersprüht (siehe Bild unten). Dafür hat Schaible kein Verständnis. Zwar sehe jeder ein, dass die Anwohner der Umleitungsstrecke in Bühl extrem belastet seien – aber deren Lage werde nicht besser, „wenn unsere Verwaltung und Politik mit untauglichen Anordnungen tausende Autofahrer täglich schikaniert oder ich mein Einkommen verliere“.

Behelfsampel vor Schule schon zweimal zerstört

Von Schikane will Gerhard Neth nichts hören. Geduldig versucht der Ortsvorsteher zu erklären, was es mit der Sperrung und Umleitung auf sich hat. Die Beschilderung sei „schwierig, aber nicht katastrophal“. Klar versuche man, den überörtlichen Verkehr von der Autobahn frühzeitig mit dem Hinweis auf die gesperrte Ortsdurchfahrt nach Unterjesingen und Hirschau zu lenken: „Eine offzilelle Umleitung durch die Weilberburgstraße wäre für Bühl katastrophal, was die Verkehrssicherheit angeht.“ Auch so rolle viel Verkehr aus Kiebingen, Weiler oder Hirrlingen durch den Ort.

Lastwagen über 3,5 Tonnen dürfen die innerörtliche Umleitung definitiv nicht benutzen. Das werde auch kontrolliert. Es hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Unterbau und der Belag der parallel zur L 370 verlaufenden Straße nicht auf so schwere Fahrzeuge ausgelegt. Zum anderen ist sie so schmal, dass keine zwei Laster aneinander vorbeipassen. Die Durchfahrt muss aber für den Busverkehr offen bleiben. Außerdem: In der Weilerburgstraße gibt es zwei Verengungen, die den Überweg zur Schule sichern.

Dort ist eine Behelfsampel installiert. Es ärgert Neth, dass sie schon zum zweiten Mal von „irgendwelchen Vollidioten aus Vandalismus“ zerstört wurde. Auch sonst sorgt sich der Ortsvorsteher: „Es gibt einen bestimmten Prozentsatz von Autofahrern, die sich an nichts halten und rücksichtslos sind“ – etwa ohne nachzudenken ihrem Navi folgen, bis sie irgendwo in der Baustelle feststecken, oder auf den Gehweg ausweichen, obwohl dort Kinder unterwegs sind. Außerdem bretterten Motorradfahrer über die hölzerne Fußgängerbrücke über den Talbach – oder ließen morgens um fünf im Wohngebiet ihre Maschinen aufheulen nach dem Motto „da seht ihr, was ihr von eurer Sperrung habt“.

Auch die Gewerbetreibenden in Bühl selbst machen weniger Umsatz – der Nettomarkt ebenso wie die beiden Filialen der Bäckerei Schneck. Am stärksten habe Ali Kiraz mit seinem Kebab-Verkauf zu leiden, sagt Ortsvorsteher Neth. Er mache gerade drei Wochen Ferien, doch danach werde er wieder den fehlenden Durchgangsverkehr spüren.

Die Stadtverwaltung hätte den Anwohnern und den Gewerbetreibenden die Unannehmlichkeiten gern erspart, heißt es bei der Abteilung Verkehrsrecht. Doch es gebe keine Alternativen. Zum Glück lägen die Bauarbeiten im Zeitplan.

Kilchberger Händler ärgern sich über Beschilderung der L370-Umleitung
„Kilchberg ist seit vier Wochen nicht mehr legal mit dem Fahrzeug erreichbar“, sagt Hans Schaible vom örtlichen Korbhaus. So und nicht anders interpretierten die meisten Verkehrsteilnehmer den Hinweis an der Ortseinfahrt aus Richtung Weilheim. Dabei dürfen Autos durchaus weiterfahren. Bild: Sommer

Kilchberger Händler ärgern sich über Beschilderung der L370-Umleitung
Unbekannte übersprühten den Hinweis auf die Zufahrt nach Kilchberg für PKWs auf einem Werbeschild am Straßenrand zwischen Rottenburg und Kiebingen.

Die L 370 durch Bühl gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen der Region. Sie musste gesperrt werden, um die Talbachbrücke, Teil der Ortsdurchfahrt, nach 66 Jahren zu erneuern. „Besser eine geplante Sanierung als eine ungeplante, weil ein Bus oder Lastwagen einbricht“, so der Tenor der Verwaltung.

Die alte Brücke hatte eine Traglast von 24 Tonnen, die neue ist auf 60 Tonnen ausgelegt. Sie kostet rund 340 000 Euro. Die Stadt nutzt die dreimonatige Bauzeit bis Mitte Oktober für weitere Sanierungen: Die Stadtwerke wollen Versorgungsleitungen erneuern, und der westliche Teil der Ortsdurchfahrt erhält eine neue Straßendecke für rund 107 000 Euro.

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23.08.2015, 12:00 Uhr

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