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Killer-Virus rafft Amseln dahin
Seit der Hitzewelle Anfang September sterben wieder mehr Amseln am Usutu-Virus. Foto: Getty Images
Stuttgart

Killer-Virus rafft Amseln dahin

Nach fünf Jahren Pause ist das südafrikanische Usutu-Virus wieder ausgebrochen. Infizierte Stechmücken übertragen die Krankheit auf Vögel. Vor allem Amseln und Stare sterben daran.

07.10.2016
  • PETRA WALHEIM

Stuttgart. Es ist zu befürchten, dass das kommende Frühjahr in der Rheinebene, in Nordrhein-Westfalen und im Raum Leipzig stiller verlaufen wird als in den vergangenen Jahren. Im allmorgendlichen Vogelkonzert werden die Stimmen vieler Amseln fehlen, die sonst in der Brutzeit mit am lautesten und schönsten jubilieren.

Die Ursache für die ungewohnte Stille ist das südafrikanische Usutu-Virus. Das ist Ende September im Rheintal und weit darüber hinaus erneut ausgebrochen und wird, so schätzt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu), viele Amseln und Stare das Leben kosten. Bis gestern sind beim Nabu-Bundesverband in Berlin 611 Meldungen von toten oder kranken Amseln und anderen Vögeln eingegangen. „Die meisten Meldungen stammen aus Nordrhein-Westfalen und dort aus dem Raum Aachen und vom Niederrhein“, sagt der Vogelexperte Lars Lachmann vom Bundesverband. Dort und auch rund um Leipzig grassiere das Virus besonders stark, weil es in diesen Gebieten neu auftrete und die Vögel noch nicht immun seien.

Viele aus Baden-Württemberg

Vom letzten Ausbruch 2011 war vor allem Baden-Württemberg betroffen. „Gut ein Viertel der Vögel, die in Deutschland seit dem letzten Auftreten 2011 nachweislich durch das Virus zu Tode gekommen sind, stammte aus Baden-Württemberg“, sagt der Vogelexperte Stefan Bosch vom Nabu Baden-Württemberg. Vor allem die warmen Regionen entlang der Rheinebene seien von der Infektion stark betroffen gewesen. Dass das Virus erneut ausgebrochen ist, liege an der Hitzewelle Anfang September.

Infiziert werden die Vögel von Stechmücken, die das Virus beim Stich übertragen. „Der Übertragungsweg geht eindeutig über Stechmücken. In ihnen entwickelt sich das Virus, und bei warmen Temperaturen ist das für beide günstig. Viren wie Mücken vermehren sich rasant. Damit kommen mehr Viren in Umlauf.“ Für den Menschen bestehe keine Gefahr.

Warum vor allem Drosseln – dazu zählen die Amseln – sowie Stare an dem Usuntu-Virus sterben, ist noch nicht genau erforscht. Die Vögel reagieren auf die Infektion offenbar empfindlicher als andere Vogelarten.

Die Symptome eines infizierten Vogels sind immer dieselben: Er hat ein aufgeplustertes Gefieder, einen müden Blick und ist apathisch. „Der Fluchtreflex fehlt“, sagt Bosch. Vogelfreunde, die so einem kranken Tier helfen möchten, haben keine Chance. „Der Vogel wird innerhalb weniger Tage sterben.“

Wer solch einen Vogel findet, der kann ihn in ein Gebüsch setzen oder mit nach Hause nehmen. „Aber er ist nicht mehr zu retten.“ Der Nabu hat Vogelfreunde dazu aufgerufen, kranke oder tote Vögel zu melden. Die Meldungen sind für die Vogelschützer wertvoll, weil so die Ausbruchsgebiete abgegrenzt werden können und sie einen Überblick bekommen, wo das Virus aktiv ist.

Bestand wird abnehmen

Aktuell seien auch Frankreich, Holland und Belgien betroffen, sagt Bosch. Beim ersten Ausbruch 2011 war das Dreiländereck Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz „von einem Massensterben bei Amseln und anderen Vogelarten betroffen“. Davon habe sich der Bestand gerade etwas erholt. Flackert die Infektion immer wieder auf, muss davon ausgegangen werden, dass der Amselbestand mittelfristig um etwa 30 Prozent abnimmt.

Wie der Erreger von Südafrika hierher kam, ist nicht genau bekannt. Bosch vermutet, dass das im Zuge des weltweiten Handels geschah. Der erste „bekannte und erkannte Ausbruch in Mitteleuropa“ war 2001 in Wien.

Gegen den Erreger gibt es keine Impfung. „Um Übertragungen zu verhindern, muss man die Stechmücken bekämpfen“, betont Bosch. Er appelliert an Garten- und Balkonbesitzer, den Insekten keine Möglichkeit zur Vermehrung zu bieten. Sie sollten keine wassergefüllten Blumentopf-Untersetzer, Eimer und Töpfe herumstehen lassen. Regen-Sammelbehälter sollten abgedeckt werden. „In diesen Mini-Feuchtbiotopen vermehren sich Stechmücken sehr gerne.“

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07.10.2016, 06:00 Uhr

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