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Kiloweise Drogen bestellt
Als Bezahlung gab es auch Kokain, sagte ein Angeklagter gestern in Heidelberg. Foto: Di Studio - Fotolia
Inhaber eines Fitnessstudios gesteht vor Heidelberger Landgericht

Kiloweise Drogen bestellt

Cannabis, Amphetamin und Kokain: Im "Darknet" hat ein Unternehmer auf verschlüsselten Wegen mehrfach online Drogen geordert. Das gestand der 31-Jährige gestern in Heidelberg.

01.04.2016
  • ULRICH WILLENBERG

Heidelberg. Wegen Drogengeschäften muss sich der Inhaber eines Fitnessstudios seit gestern vor dem Heidelberger Landgericht verantworten. Mitangeklagt ist ein mutmaßlicher Kurier aus den Niederlanden. Der Stoff soll im "Darknet" bestellt und zum Teil mit "Bitcoins" bezahlt worden sein. Insgesamt geht es um mehrere Kilo Cannabis sowie Amphetamin und Kokain. Der mutmaßliche Kurier äußerte sich am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen. Dagegen legte der gleichaltrige 31-jährige Sportwissenschaftler ein umfassendes Geständnis ab. "Er bedauert sein Fehlverhalten zutiefst", sagte sein Verteidiger .

Der Mandant sagte, die Drogengeschäfte seien auf Initiative eines "Hintermannes" erfolgt. Der habe das Ganze auch finanziert. Dessen Namen wolle er aus Angst jedoch nicht nennen. "Er gehört einer Gruppierung an, gegen die man nicht aussagen sollte." Nach dessen "Drängen" habe er im "Darknet" zunächst ein Kilo Cannabis bestellt. In diesem "verschlüsselten Internet", gebe es "Marktplätze" mit mehreren Anbietern von Drogen. Der Kauf sei "problemlos machbar", berichtete der Angeklagte. Laut Anklage wurde die erste Lieferung mittels 26,5 Bitcoins vorab bezahlt, was etwa 5300 Euro entspricht.

Der holländische Dealer lieferte prompt. Jedoch wurde das Paket von der DHL abgefangen, bevor es an den 31-Jährigen ausgeliefert werden konnte. Auch beim zweiten Mal lief es schief: Diesmal beschlagnahmte das Hauptzollamt zwei Kilo Cannabis. Auch in diesem Fall war der Stoff vorab mit Bitcoins für rund 10 000 Euro bezahlt worden. Das Geld war nun weg. Der "Hintermann" habe ihn dafür verantwortlich gemacht, behauptete der Angeklagte. Um die angeblichen "Schulden" bei ihm abzutragen, habe er sich auf weitere Deals eingelassen.

Da der Postweg nicht funktionierte, schmuggelte fortan ein Kurier die Drogen nach Deutschland. Dreimal habe ihm der mitangeklagte Holländer mehrere Kilo Cannabis in das Fitnessstudio im Rhein-Neckar-Kreis geliefert, sagte dessen Inhaber. Der Kaufpreis wurde in bar übergeben. Der Stoff sei dann von dem "Hintermann" abgeholt worden. Der habe ihm bei jeder Transaktion 500 Euro seiner "Schulden" erlassen. Zudem bekam er von diesem angeblich einige Gramm Kokain für den Eigenbedarf, sagte der Angeklagte. Das Aus kam im Oktober 2015. Auf einem Parkplatz nahe Heidelberg stoppte die Polizei das Auto des mutmaßlichen Kuriers. Im Kofferraum fand man vier Kilo Cannabis, ein Kilo Amphetamin sowie etwas Kokain.

Die Existenz des Hintermanns ist fraglich. "Möglicherweise gibt es ihn oder auch nicht", sagte ein Kripobeamter. Den Namen will der Angeklagte zwar nicht nennen. Er bietet aber an, einen "Kontakt im Darknet aufzunehmen, um ein Scheingeschäft durchzuführen", sagte sein Verteidiger. Darauf sei die Polizei aber nicht eingegangen. Das Urteil soll am 18. April verkündet werden.

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01.04.2016, 06:00 Uhr

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