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Wirbel und Flecken

Kinder beobachteten bei der Führung auf der Sternwarte die Sonne

„Der Weltraum ist einfach spannend“, fand nicht nur der zehnjährige Julian Medrow. Hobby-Astronom Wolfgang Wettlaufer gewährte am Donnerstag interessante Einblicke in kosmische Phänomene.

29.08.2015
  • Philipp Koebnik

Tübingen. Die Sonne sieht aus wie ein großer roter Ball. Auf ihrer rechten Seite sind dunkle Flecken zu erkennen, am linken Rand kleine Verwirbelungen. Beim Blick durchs Fernrohr auf der Sternwarte sieht das Zentralgestirn ganz anders aus als gewohnt.

„Die Flecken auf der Sonne sind Galileo Galilei schon vor vier Jahrhunderten aufgefallen“, warf Wolfgang Wettlaufer einen Blick in die Geschichte der Astronomie. Den Namen des 1642 verstorbenen italienischen Wissenschaftlers hatten die meisten der neun Kinder, die am Donnerstag an Wettlaufers Sonnenführung teilnahmen, schon einmal gehört. Das Tagesgestirn einmal selbst durch ein Fernrohr zu beobachten, war jedoch neu für sie, auch wenn nicht alle zum ersten Mal die Tübinger Sternwarte besuchten.

Aufgefordert dabeizubleiben, erlebten einige Eltern den sonnigen Nachmittag im Rahmen des städtischen Sommerferienprogramms zusammen mit ihren Kindern. Wettlaufer nahm sie mit hinauf zur Kuppel, wo die großen Fernrohre stehen. „Die Bedingungen sind heute leider nicht optimal, wegen der leichten Bewölkung“, sagte der Diplom-Biologe, der regelmäßig Führungen der Astronomischen Vereinigung Tübingen ausrichtet und die Sternwarte wie seine Westentasche kennt.

Gebündeltes Licht verbrennt Papier

Plötzlich ruckelte es – das Fernrohr schien sich bewegt zu haben. Doch weit gefehlt. „Ich habe nur die Kuppel etwas gedreht“, erklärte Wettlaufer. So kann man den offenen Teil der Kuppel und anschließend das Fernrohr auf den Himmelskörper ausrichten, den man beobachten möchte. Mit einem speziellen Okular zeigte Wettlaufer, wie sich in dessen Brennpunkt durch Licht Wärme erzeugen lässt. In ein Blatt Papier unter dem Okular war binnen weniger Sekunden ein Loch hineingebrannt. „Das kommt nur von einem einzigen Stern – und es gibt Sterne, die sogar tausend Mal stärker leuchten als unsere Sonne.“

Nacheinander betrachteten die Kinder die Sonne durch ein spezielles Fernrohr, ein „H-alpha-Teleskop“. Um Vorgänge auf der Oberfläche und am Rand des Tagesgestirns sichtbar zu machen, die mit normalen Optiken nicht zu sehen sind, wird ein Teil des roten Bereichs des solaren Spektrums ausgefiltert – die Sonne erscheint als rote Kugel. Die dunklen Regionen sind Sonnenflecken: Gebiete, die kälter sind als die restliche Oberfläche und deshalb weniger Licht aussenden. Die Wirbel entstehen, wenn instabile Magnetfelder auf der Sonnenoberfläche kollabieren und dabei spontan heiße Gasmassen samt energiereicher Strahlung hochschleudern.

„Im Laufe der Zeit werden Sterne immer größer, dabei ändern sie auch ihre Farbe.“ So spricht man von orangen Sternen, wenn sie schon etwas älter sind. Später werden sie zu sogenannten roten Riesen – bevor sie in sich zusammenfallen und schwarze Löcher bilden. „Ihr könnt solche Sterne selber nachts beobachten. Arktur ist zum Beispiel ein oranger Stern, der bereits etwas aufgeplustert ist.“ Es handelt sich dabei um den hellsten Stern, der am Nordhimmel sichtbar ist. „Man sieht ihn, wenn man sich die Deichselkrümmung des Großen Wagens etwas verlängert denkt.“ Auch ein roter Riese ist des Nachts zu erkennen: „Antares erscheint nach der Dämmerung im Süden, nur etwas über dem Horizont.“ Dort ist er das hellste Objekt am Nachthimmel.

Mit Planetenmodellen veranschaulichte Wettlaufer die Größenverhältnisse und Entfernungen in unserem Sonnensystem. Außerdem erklärte er ein Phänomen, das neulich in Form eines Meteorschauers zu beobachten war. „Wenn ein Komet sich auf seiner Bahn der Sonne nähert, so tauen die Gase in ihm auf. Dadurch lösen sich Gesteinspartikel ab.“ Wenn die Erde durch den Schweif des Kometen fliegt, verglühen diese Brocken und erscheinen als Sternschnuppen.

Mit eigenen Augen sehen statt nur Bücher lesen

Zwei Stunden dauerte die Führung. „Da habt ihr ja gut durchgehalten“, freute sich Wettlaufer. „Als ich mal ein Buch über den Kosmos entdeckt habe, wollte ich es unbedingt haben“, sagte der elfjährige Benjamin Schreiber, der sich schon seit Längerem für Astronomie interessiert. Die Führung hat ihm gut gefallen. „Ich habe einiges Neues gelernt.“ So ging es auch Julian Medrow. „Ich war vor ein paar Tagen zum ersten Mal auf der Sternwarte, da habe ich den Saturn gesehen“, erzählte der Zehnjährige. Auch er hat schon ein Buch über Astronomie gelesen. „Der Weltraum ist einfach spannend.“

Kinder beobachteten bei der Führung auf der Sternwarte die Sonne

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29.08.2015, 12:00 Uhr

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