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Massiv gesammelt

Kinderpornos: viereinhalb Jahre für 29-Jährigen

Zu viereinhalb Jahren Haft verurteilte das Landgericht Tübingen am Dienstag einen 29-jährigen Bad Uracher wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften. In die Gesamtstrafe floss eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs ein.

02.09.2014

Reutlingen. Im November 2012 war der Bad Uracher vom Landgericht Erfurt wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt worden. In einem Kinder- und Jugendinternetforum hatte er sich als 17-jähriger ausgegeben und gezielt Mädchen angesprochen. Eine Elfjährige aus dem Weimarer Land traf sich daraufhin mehrmals mit dem Bad Uracher. Angeblich kam es zu einvernehmlichen sexuellen Kontakten.

Bei den Anklagen, die gestern verhandelt wurden, ging es um 34 Fotos und 20 Videos kinderpornografischen Inhalts, die der Mann 2011 über einen Chatdienst an einen gesondert verfolgten Chatpartner verschickte. Diese Dateien, wie auch jene 440 Fotos, die sich 2012 auf seiner Festplatte fanden, hatten „grob aufdringliche“ Sexualpraktiken auch an Kleinkindern zum Inhalt, wie Staatsanwalt Nicolaus Wegele festhielt.

Wie schon während des Erfurter Prozesses räumte der Angeklagte auch in Tübingen die Vorwürfe ein. Über seinen Anwalt Steffen Kazmaier bestätigte er eine „massive Sammelleidenschaft“, der er in einschlägigen Internet-Tauschbörsen nachgegangen sei. Mit Blick auf das bereits ergangene Urteil war es nun an der 1. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Christoph Sandberger, den Besitz und die Weitergabe des kinderpornografischen Materials in eine Gesamtstrafe einzubeziehen: Mit viereinhalb Jahren Haft kam das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach. Die Verteidigung wollte drei Monate weniger.

Der Sohn italienischer Einwanderer gab an, in der Schule gemobbt worden zu sein. Aus seinem Rückzug habe sich die Angst entwickelt, Frauen anzusprechen. Stattdessen suchte er den Kontakt zu Kindern: „Vielleicht weil ich mich bei jungen Mädchen eher getraut hatte.“ Daraus hätten sich Fantasien und eine regelrechte Sucht entwickelt, gab er an. Bereits 2010 wurde er vom Amtsgericht Bad Urach wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material zu einer Geldstrafe verurteilt. Aus Scham habe er damals keine professionelle Hilfe gerufen, obwohl ihm klar gewesen sei, dass es „krank“ sei, „sowas“ anzuschauen.

Nach eigenen Angaben beansprucht er diese Hilfe nun während seines Haftaufenthalts. „Ich arbeite an meinen Defiziten, um nie mehr straffällig zu werden“, beteuerte er. Richter Sandberger betonte mit Blick auf die „Zeit der Versuchung“ nach der Haft: „Sie müssen lernen damit umzugehen.“ Nach dem Verzicht auf Rechtsmittel ist das Urteil rechtskräftig.wag

Info: Vorsitzender Richter: Christoph Sandberger; Schöffen: Berthold Ulrich Höschle, Dr. Frank Rühle; Staatsanwalt: Nicolaus Wegele, Verteidiger: Steffen Kazmaier.

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02.09.2014, 12:00 Uhr

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