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Ein Mann mit großem Herzen

Kinobetreiber Volker Lamm bekam das Bundesverdienstkreuz

Eigentlich ist er der Mann der ganz großen Leinwand, aber im Rampenlicht steht er selber gar nicht gern: Volker Lamm, Chef der Vereinigten Lichtspiele, bekam am Mittwoch von Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer das Bundesverdienstkreuz überreicht.

06.08.2014
  • Ulla Steuernagel

Tübingen. „Eine Laudatio dient dazu, dem Geehrten sein eigenes Lebenswerk zu erklären“, schickte Boris Palmer seiner Rede voraus. Doch diese Lobrede schien ihn zu freuen, denn der Tübinger Kinobetreiber Volker Lamm ist bekannt als ein Mann mit großen Herzen und zupackender Art. Einer, der schnell dort einspringt, wo öffentliche Mittel fehlen. „Er macht“, so Palmer, „unser Kulturleben auch in wirtschaftlich schweren Zeiten reicher.“

Palmer zählte auf, wofür sich Lamm schon ehrenamtlich und als Sponsor engagiert hat, und die Liste war lang: das Deutsch-Amerikanische Institut, das Stadtmuseum, Sportvereine wie der Ruderverein oder der SV 03, Clowns im Dienst, Terre des Femmes – sie alle profitieren von Lamms „offenem Ohr und offenem Geldbeutel“, so Palmer.

Wie sehr Lamm aber auch die Mitarbeiter des eigenen Unternehmens am Herzen liegen, das sah man daran, wie viele von ihnen zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gekommen waren. Auch der Konkurrent, der andere Tübinger Kinobesitzer Stefan Paul, ist mehr Freund als Gegner und nahm an der Ehrung teil. Als Chef der größeren Häuser hätte Lamm, so Palmer, der Konkurrenz „die Schlüssel längst umdrehen können“. Doch er tat es nicht, sondern half auch hier immer wieder aus. „Würde mein Vater noch leben, würde er sich im Grab rumdrehen“, sagte Volker Lamm später schmunzelnd in Pauls Richtung. Denn Kurt Lamm hätte diese friedliche Allianz niemals gebilligt.

Was seine eigene berufliche Tätigkeit anbelangt, hatte Volker Lamm ursprünglich auch ganz andere Vorstellungen als sein Vater gehabt. Nach der Fotografenlehre wollte er eigentlich als Fotograf oder Kameramann arbeiten. Doch dann aber musste er den Vater in den Kinobetrieben entlasten. Aus dem Einspringen wurden über vier Jahrzehnte.

Vor allem in der zweite Hälfte dieser Zeit war das Kino kein leichtes Geschäft. Da war zunächst die Bedrohung durch die Multiplexe. „Ich bin froh,“ sagte der OB, „dass uns das in Tübingen erspart geblieben ist.“ Nicht nur weil es Riesenklötze sind, sondern auch weil das Programm überall gleich sei. Dagegen komme es Tübingen zugute, dass Lamm selber Filmliebhaber ist. Seine liebste Gattung, so hatte Palmer herausgefunden, sei „das Genre ,Easy Rider‘.“ Schließlich brause Lamm auch gerne „auf zwei Rädern durch die Landschaft“.

Nicht nur Schäfchen ins Trockene bringen

Lamm kann aber auch ruhige Filme ab. Einer seiner Lieblingsfilme ist Nanni Morettis „Stilles Chaos“ (2008), ein Film über einen Mann, der nach einem Schicksalsschlag sein Leben anhält und daraus ganz neue Kraft zieht.

In einem Alter, in dem andere nur noch daran denken, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, trotzte Lamm der Internet-Konkurrenz, investierte kräftig ins Blaue Brücke-Kino und machte es 3 D-fit. Die Tür seiner „Museum“-Kinos hält er offen für alle möglichen Festivals. Darunter die Mutter aller Tübinger Filmfestivals: die Französischen Filmtage, die Palmer „ein Highlight im Tübinger Kulturleben“ nannte. Lamm stellt nicht nur die Räume zur Verfügung, sondern stiftet seit Jahren den Tübinger Filmpreis und den Preis der Schülerjury. Bei der Eröffnung lässt er sich nicht im großen Saal nieder, sondern feiert lieber im Kabuff gegenüber im kleinen Kreis aus Filmtage- und Kino-Mitarbeitern die erste getane Arbeitsetappe. Vom Team der Filmtage kam auch die Initiative, Lamm fürs Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen.

Er selber, von schwerer Krankheit genesen und um einige Kilo leichter, fasste sich wie immer kurz: „Ich freue mich unheimlich“, sagte Lamm. Und sandte an der Prominenz vorbei einen Gruß und Dank an seine Mitarbeiter: „Die jungen Leute, die mir auch mal sagen: Das ist jetzt Mist.“

Kinobetreiber Volker Lamm bekam das Bundesverdienstkreuz
Volker Lamm (rechts) bekam das Bundesverdienstkreuz. Hier stößt er mit seiner Frau Bettina und Oberbürgermeister Boris Palmer darauf an.Bild: Steuernagel

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06.08.2014, 12:00 Uhr

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