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Ein poetisches Festmahl

Kirchentreppenlesung auf den Stufen von Peter und Paul

Speiselust, Frauenleben, Sprachspiele – wie passt das zusammen? Bei den Mössinger Abendgeschichten auf den Treppen von Peter und Paul zeigte sich, wie die Literatur ineinander übergehen kann.

31.07.2012

Mössingen. Jeder körperlich gesunde Mensch könne sich des Essens wohl zwei Tag lang enthalten, der Poesie niemals. Sagt der Dichter. Poesie-Vorrat gab es – für Mössingen – am Wochenende reichlich. Wie immer zum Ferienbeginn: an drei Tagen ein abendliches Lesefest auf den Treppen der Peter- und Pauls-Kirche. Der Förderverein für die Stadtbücherei lädt dazu ein, Dieter Schmidt, der unermüdliche Vorsitzende, konnte auf den Treppenstufen wieder über zweihundert Gast-Ohren begrüßen.

Für den Freitag hatte man, nach langer Sichtung und sorgfältiger Auswahl, das Thema „Speiselust“ bestimmt. Ingo Nestmann trug sehr einfühlsam einen Auszug aus dem Roman „Eine Geschichte von Liebe und Leidenschaften“ von Amos Oz vor. Erzählt wird, wie ein Junge (Oz selbst) mit seinem Vater den Versuch unternimmt, in der Hitze Jerusalems einen Gemüsegarten anzulegen, der allerdings nur etwas größer als die Weltkarte ist, die daheim im Zimmer an der Wand hängt. Die verdorrte Erde urbar zu machen erscheint als der groteske Versuch, die Mauern der Stadt Jericho mit einem Bratpfännchen zum Einsturz zu bringen.

Heinrich Böll hat beschrieben, wie „Ein Pfirsichbaum in seinem Garten stand“, eine lustige kleine Geschichte um die unvergängliche Ballade von Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, die Theodor Fontane einst schrieb.Ingrid Schmidt gab ihr die Stimme.

Eine Hörbuch-Aufnahme wert gewesen wäre der Vortrag eines kleinen Einblicks in die „Forsyte-Saga“ durch den Tübinger Wolfgang Müller-Schauenburg. Das gewaltige Werk des britischen Autors John Galsworthy wurde 1932 des Literaturnobelspreises für würdig befunden. Das geschilderte Hammelrückenessen bei Swithin Forsyte brachte die noble Schilderungskunst des Romans wie auf einem Tablett daher.

Nahrhaft und schmackhaft. Äußerst anziehend das Auftreten der Irene Forsyte mit ihren goldbraunen Augen, in all ihrer lockenden Fremdartigkeit. Musik gehört zur Lesung: Hans-Jörg Lund spielte auf der Melodica ein eigenes Stück namens „Yildiz“ und lud die Hörer dazu ein, zu Nat Adderlys „Worksong“ die Hände klatschend zu bewegen. Ein paar Tropfen Regenwasser sorgten in der Hitze zusätzlich für eine kleine willkommene Abkühlung.

Am Samstagabend sechsköpfiges „Frauenleben“: Elke Heidenreich, Elisabeth Arnim und Djuna Barnes, gelesen von Klara Dittrich-Rommel, Renate Hasler und Monika Müller-Schauenburg. Hans Rommel begleitete die samstägliche Abendstunde mit Gitarre und Mundharmonika.

Am Sonntagabend Sprachspiele mit Karel Capeks „Dichter“ (Ingeborg Bornhak) und dem Hebelschen „Unverhofften Wiedersehen“ (Margit Liebe). Gabriele Dreher-Reeß trug ein Kapitel aus Annett Gröschners „Walpurgistag“ vor, direkt aus dem Schulalltag. Joachim Rieger schließlich las aus Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“. Die Dichter gaben, die Hörer nahmen gern.jon

Kirchentreppenlesung auf den Stufen von Peter und Paul
Gut besetzte Kirchentreppe: Ingo Nestmann (vorne) liest, Dieter Schmidt (hinten) und viele andere lauschen. Bild: Rippmann

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31.07.2012, 12:00 Uhr

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