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Macht Dach Krach?

Kirchenweg-Anwohner sind sauer

Überdachung eines Buswartehäuschens – dieses Thema, eins von acht im Gomaringer Bau- und Umweltausschuss, scheint zunächst wenig geeignet für einen Konflikt. Die einfachste Sache aber birgt manchmal den meisten Zündstoff. Und so kam es, dass Bürgermeister Steffen Heß zum ersten Mal in seiner nun dreieinhalbmonatigen Amtszeit von seinem Hausrecht redete, von dem er auch Gebrauch machen würde – was übersetzt soviel bedeutet wie: Zuhörer rausschmeißen. Er dürfe niemanden aus dem Publikum zu Wort kommen lassen, sonst sei der Beschluss nicht rechtsgültig.

20.09.2012

„Nicht dass Sie sich abgevespert vorkommen“, meinte Heß zum Schluss versöhnlich. „So komm’ ich mir aber vor!“, konterte ein Zuhörer, der, zusammen mit zwei weiteren, in die Sitzung gekommen war, um dem Gemeinderat aufs Dach zu steigen. Und dort gesagt bekam, er hätte sich eben vorher auf dem Rathaus melden müssen. Stimmt schon, im Gemeinderat und – wie am Dienstag – im Bau- und Umweltausschuss dürfen tatsächlich nur die Gemeinderäte reden. Mit einer kleinen Ausnahme, so regelt es die Hauptsatzung der Gemeinde: Demnach ist der Bürgermeister zuständig für die „Zuziehung sachkundiger Einwohner und Sachverständiger zu den Beratungen einzelner Angelegenheiten im Gemeinderat und in beschließenden Ausschüssen“. Was am Dienstag, wie gesagt, nicht passiert ist.

Ganz ahnungslos war das Gremium allerdings nicht: Geo Pflumm, Vizebürgermeister und Sprecher der Freien Wähler, wusste sogar ziemlich genau, um was es den Besuchern ging: Sie fürchten, wenn das Buswartehäuschen beim Gustav-Schwab-Stift erst einmal überdacht sei, werde es auch von Leuten genutzt, die nicht auf den Bus warten, sondern sich einen netten Abend machen, Scherben hinterlassen, laut reden. Dass junge Menschen den Abend nicht strickend vorm Fernseher verbringen, ist ja klar. Allerdings, Susanne Horn (Grüne Liste) betonte es: „Die Cliquen wandern“ und mit ihnen auch die Treffpunkte. Das Eiscafé, die Schule und den Zentralomnibusbahnhof zählte sie auf.

„Wir kommen gar nicht mehr zur Ruhe“, klagten drei Anwohner aus dem Kirchenweg, direkt bei der Haltestelle, nach der Sitzung dem TAGBLATT. Jugendliche hinterließen jetzt schon jede Menge Müll, säßen auf den Quadersteinen, die einen Privatgarten umfassen, machten Lärm. Viel mehr Krach macht allerdings das neue Baugebiet Jakobstraße („wir haben Risse an unseren Häusern bekommen“); und sowieso: Ständig kämen Leute mit dem Auto vorgefahren, die ihre Kinder zur Schule zu bringen, Angehörige im Gustav-Schwab-Stift besuchen oder dort arbeiten.

Nun denn – da würde eine Bushaltestelle doch Abhilfe schaffen? „Die wird aber nicht benutzt!“ konterte eine Kirchenweg-Bewohnerin. Sie verbringt den ganzen Tag zu Hause, weiß von insgesamt vier Fahrgästen über den Tag verteilt. In der Gemeinderatsvorlage ist davon die Rede, dass dort mehr Leute ein- als aussteigen (daher auch die Überdachung) – genaue Zahlen lägen aber nicht vor.

An dem Dach fürs Buswartehäuschen wollte der Bau- und Umweltausschuss nicht rütteln – er darf, weil’s eine kleinere Sache ist, ohne Gemeinderat entscheiden. Bürgermeister Steffen Heß versuchte es diplomatisch: Es sei halt wie so oft im Leben – die einen freuen sich (weil sie beim Warten nicht nass werden), die anderen nicht. Natürlich sei die Gefahr da, dass das Wartehäuschen dann auch von Menschen genutzt werde, die gar nicht auf den Bus wollen. Aber für solche Fälle gebe es bald den „Gemeindevollzugsdienst“.

Vor wenigen Wochen hat Gomaringen zusammen mit den Nachbargemeinden eine entsprechende Annonce aufgegeben – zwei Bewerber haben sich bisher gemeldet. Gesucht wird eine Person „mit Durchsetzungsvermögen und Entscheidungsfreude“, „sicherem und bestimmtem Auftreten“, und der Bereitschaft, nachts und am Wochenende zu arbeiten. Fünf Stunden in Gomaringen – dort soll er Falschparker ausfindig machen und die bekannten Jugendtreffs abklappern. Jeweils zweieinhalb in Nehren und Dußlingen – dort ist er nur fürs Knöllchen-Verteilen zuständig. Die man übrigens nicht kriegt, wenn man mit dem Bus fährt. Und das ist mit Dach nunmal sehr viel angenehmer. Gabi Schweizer

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20.09.2012, 12:00 Uhr

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