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Keine Angst vor Klagewelle

Kita-Bedarfsplanung sieht Tübingen auf einem guten Weg

Tübingen bietet jedem zweiten Kleinkind einen Betreuungsplatz an – womit der Bedarf noch nicht voll gedeckt ist. Die Verwaltung rechnet, bis zur Einführung des Rechtsanspruchs 2013 das Soll erfüllt zu haben.

12.07.2012
  • Fabian Ziehe

Tübingen. „Weiter so“, lautete im Sozialausschuss das Fazit von Sozialplanerin Iris Sadlowski. Sie hat die 140 Seiten starke Bedarfsplanung erarbeitet, die auf dem Treffen der Stadt mit den Einrichtungs-Trägern basiert. Bei der Quantität stimme die Richtung: Gab es 2011 noch für 45,3 Prozent aller Kinder zwischen zwei Monaten und drei Jahren (U3) einen Betreuungsplatz, sind es heute 51 Prozent (1138 Plätze). Ziel ist, mit 63 Prozent knapp zwei Dritteln der Kleinkinder einen Platz zu bieten.

„Bei der strategischen Dimension zählt weiter Qualität “, mahnte Sadlowski. In Tübingen gebe es viele Akademiker, die an Kleinkinderbetreuung hohe Ansprüche haben. Zum anderen fordere die demografische Entwicklung, den Nachwuchs sozial schwächerer Familien bestmöglich zu betreuen – etwa durch flexiblere Betreuungszeiten.

Sadlowski setzt auf „sozialräumliche Planung“: Familien in der Innenstadt brauchen andere Angebote als in ländlicheren Teilorten. „Schon jetzt gibt es in urbaneren Stadtteilen mehr Betreuungsplätze, die auch mehr nachgefragt werden.“

Sadlowski rechnet nicht überall in Tübingen mit demselben Bedarf: In Stadtteilen oder Teilorten mit „urbanem Charakter“ rechnet sie, dass 69 Prozent der Kleinkinder einen Betreuungsplatz brauchen und – die Über-Dreijährigen (Ü3) einbezogen – jede zweite Betreuung den ganzen Tag abdecken muss. In „nicht-urbanen“ Gebieten müsse das nur jeder dritte Platz bieten. Und nur 52 Prozent der Kleinkinder brauchen überhaupt einen Betreuungsplatz.

Die Betreuungsquote ist schon fast erreicht

Der Ausschuss empfahl dem Gemeinderat einstimmig, der Bedarfsplanung zuzustimmen. Zusätzlich zu schon beschlossenen 47 U3-Plätzen sollen zwei weitere in Hirschau entstehen. Angedacht, doch nicht beschlussreif sind je zehn Plätze in Weilheim und im Waldorfkindergarten. Wird das umgesetzt, sei Tübingen zu 60 Prozent abgedeckt. Blieben noch drei Zähler zum Zielwert.

Bei der Ü3-Betreuung hat 2011 ein Sofortprogramm die sprunghaft gestiegene Nachfrage aufgefangen: 137 Ganztagesplätze wurde geschaffen. Bis 2014/15 sind 163 neue Ganztagesplätze beschlossen, 17 weiteren soll nun der Gemeinderat zustimmen. Allerdings fallen auch zwölf Ganztagsplätze in Hirschau weg, da dafür die Nachfrage fehlte. Ein Schritt, den Manuela Heffner (SPD) als verfrüht ansieht: „Wir haben dort nicht umsonst Geld ausgegeben.“

Albrecht Kühn (CDU) merkte an, dass die Bedarfsschätzungen nicht zwangsläufig stimmen müssen – etwa wenn die Arbeitslosigkeit steigt. Oder Berlin ließe sich wieder etwas Neues einfallen: „Wir wissen ja nie, was die Politik uns einbrockt.“ Uta Schwarz-Österreicher, Leiterin des Fachbereichs Familie, Schule, Sport und Soziales, widersprach: „Dahinter stecken reale Zahlen.“

Diese Zahlen sprechen dafür, dass Tübingen bis zum Stichtag 1. August 2013 genügend U3-Betreuung bietet. Von da an gilt der Rechtsanspruch. „Alle Kommunen beschäftigen sich mit den drohenden Klagen – wir nicht“, sagte Schwarz-Österreicher. Probleme sehe sie lediglich in wohnortnahen Angeboten. Weiteres Problem sei der Mangel an Erzieherinnen. „Wir spüren den bereits“, sagte Steffi Mühlhäuser, Leiterin der Fachabteilung Kindertagesbetreuung. Die Stadt will nun ein Konzept erarbeiten, wie Erzieherinnen zu halten sind. Schon jetzt versuche man, befristete Stellen zu entfristen, sagt Schwarz-Österreicher.

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Der Ausbau der Kleinkinder- und Kinderbetreuung in Tübingen geht voran – auch wenn wie hier der neue Kindergarten Neckarbogen zunächst nur in Containern einen Unterschlupf gefunden hat.

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12.07.2012, 12:00 Uhr

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