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Konzerte

Klänge aus unheilschwangeren Zeiten

Die Berliner Philharmoniker gehen mit Schlüsselwerken der Moderne auf Amerika-Tournee.

10.11.2016
  • DIETRICH BRETZ

Berlin. Mit einem vielgestaltigen Repertoire starten die Berliner Philharmoniker unter ihrem Chef Simon Rattle heute die Konzertreise in die Musikzentren Nordamerikas. Im Gepäck für die Konzerte in New York, dann in Boston, Ann Arbor, Toronto, Los Angeles und San Francisco haben sie Werke, die einen programmatischen Bogen schlagen von Brahms und Mahler über die Komponisten der Zweiten Wiener Schule bis zu Pierre Boulez.

Da war es naheliegend, das Tournee-Programm zuvor in der heimischen Philharmonie zu präsentieren. Und dort war der Abend mit den nur wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen Orchesterstücken Arnold Schönbergs sowie seiner Schüler Anton Webern und Alban Berg in der Tat ein herausragendes musikalisches Ereignis. Wann kann man schon mal Schönbergs „Fünf Orchesterstücke“ op. 16 und die von den verehrten Meister angeregten, gleichwohl eigene Wege suchenden Kompositionen Weberns und Bergs – die „Sechs Stücke für Orchester“ op. 6 b sowie die „Drei Orchesterstücke“ op. 6 – in einer Folge erleben?

In Rattles Deutung von Schönbergs Schlüsselwerk des Wiener Expressionismus' wurden die noch in der Romantik wurzelnden stilistischen Wesensmerkmale ebenso offenbar wie die in die freie Tonalität vorstoßenden Passagen. Faszinierend trotz aphoristischer Formgebung war die Vielfalt an differenzierten Klang- und Ausdruckscharakteren.

Geradezu suggestiv wirkte da der Farbenwechsel der Akkorde, der das zentrale dritte Stück prägte. So nahm Schönbergs Idee der Klangfarbenmelodie tönende Gestalt an. Gleichfalls fesselnd gestaltete Rattle das zweite Stück. In der „Vergangenes“ genannten Komposition beeindruckte die weltentrückte Reglosigkeit. Das vierte Stück „Peripetie“ kontrastierte das mit einem geradezu spukhaften Duktus.

Expressionistische Verdichtung der Ausdrucks bestimmt auch Weberns sensiblen Klangkosmos. Subtil leuchteten die Philharmoniker die verletzlichen Klanggesten des Zyklus' aus. Die Nachgestaltung des vierten Satzes war überwältigend. In dem Stück erheben sich über einem Geräuschuntergrund der Schlaginstrumente Klänge von beklemmender Wirkung, gewiss ein Ausdruck einer unheilschwangeren Zeitgeschehens.

Von bedrückender Intensität erfüllt waren auch Bergs Orchesterstücke, betont das Marsch-Finale mit seinem Hammerschlag, der an Mahlers 6. Sinfonie erinnerte. Beeindruckend, wie eindringlich die Musiker die bedrohlichen Klangprozesse ausloteten.

In eine Klangwelt ganz anderer Art führte dann Johannes Brahms' 2. Sinfonie. Des Tondichters Pastorale, bei der die Philharmoniker trotz all der naturhaften Hörnerklänge und beseelten Streicherkantilenen die melancholischen, herben Schlagschatten des Werks jedoch nicht unterschlugen. Dietrich Bretz

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10.11.2016, 06:00 Uhr

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