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Kommentar

Klangkörper statt Körperwelten

Noch 94 Tage, dann geht es los. Ein Blick in den Internet-Auftritt www.stadthallereutlingen.de verrät nicht nur die Stunden, Tage, Minuten, Sekunden bis zur Hallen-Eröffnung an Silvester, sondern jede Menge Wissenswertes für Veranstalter und Besucher und natürlich das Programm, so weit es feststeht.

02.10.2012
  • Uschi Kurz

Der Vorgänger von Interims-Hallen-Geschäftsführer Klaus Krumrey hatte es bis zum Frühsommer noch nicht einmal zu einer eigenen Internetseite gebracht.

An sogenannten „Highlights“ ist so ziemlich alles dabei, was in der Listhalle auch schon auftrat und noch ein wenig mehr. Stark vertreten sind vor allem Musicals und Musikshows – von ABBA über Bee Gees bis zum Sissi-Revival – vom Beatles-Musical über „Phantom der Oper“ bis zur „Queen-Night“.

Der Schwerpunkt liegt also wie bisher auf dem seichteren Genre, was sicher auch dem Zeitdruck geschuldet war, unter dem das Team um Krumrey Veranstaltungen an Land ziehen musste. Ein kulturelles Profil wie es für die neue Stadthalle zwingend notwendig wäre, lässt sich bislang jedenfalls leider (noch) nicht erkennen.

Ob sich daran mit Petra Roser etwas ändern wird, die im Januar die Geschäftsführung von Krumrey übernimmt? Man darf gespannt sein. In Ludwigsburg war sie als Leiterin für Marketing und Vertrieb im Forum und in der Großhalle Arena dem Fachbereich Kunst und Kultur unterstellt. Ihr größtes Verdienst, die Arena mit von Hagens‘ umstrittener Anatomie-Schau „Körperwelten“ aus dem Besucher-Tief zu führen, war sicher ein geschickter Marketing-Schachzug – ein kulturelles Glanzlicht war das freilich nicht.

Genau das, kulturelle Leuchttürme zu bauen, ist in Reutlingen moment vielleicht aber auch gar nicht erwünscht. Je hochkarätiger die Kultur-Veranstaltungen, desto größer ist der zu erwartende Abmangel. Und nichts fürchtet die Stadt momentan mehr, als einen unkalkulierbaren Verlust. Kein Wunder, dass Oberbürgermeisterin Barbara Bosch gestern leicht unwirsch reagierte, als das Thema Hallendefizit angesprochen wurde. Gleichwohl sollte man nicht den Fehler machen und die neue Reutlinger Stadthalle mit einem Einheitsbrei zu bespielen wie er in jeder anderen Halle – vielleicht sogar billiger – zu haben ist.

Die neue Reutlinger Stadthalle wurde von Architekt Max Dudler vor allem als Konzerthaus konzipiert, auch wenn man sie in der Stadthallen GmbH und bei der Projektgruppe nicht explizit bei diesem Namen nennt. Und mit der guten Akustik wird sie hoffentlich auch punkten. Schon in der Kulturkonzeption wurde Reutlingens Qualität als Musikstadt hervorgehoben, jetzt hat der gute Klang eine Hülle bekommen. Was liegt da näher, als sie entsprechend mit Leben zu füllen?

Immerhin hat Roser gestern anders als ihr Vor-Vor-Gänger Volker Schmidtke (dessen Vertrag zum 30. September endlich aufgelöst wurde) die Verantwortung für das kulturelle Profil des Hauses nicht gänzlich von sich gewiesen. Jetzt sollte man ihr die Zeit geben, die es braucht. „Zwei bis drei Jahre dauert es, bis es rund läuft“, so die Erfahrung der künftigen Stadthallen-Geschäftsführerin. Nur noch 94 Tage, dann geht es los. Auch für Petra Roser.

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02.10.2012, 12:00 Uhr

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