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Klappbett und Kotelett
Schwarzer Schmerzensmann: Ismael Ivo. Foto: Judith Lutz
Theaterhaus

Klappbett und Kotelett

Ismael Ivo packt zur Staatsgalerie-Ausstellung nochmal Johann Kresniks „Bacon“-Tanzabend aus.

11.10.2016
  • WILHELM TRIEBOLD

Stuttgart. Die Idee stammte von der Staatsgalerie-Chefin Christiane Lange und ist eigentlich bestechend. Weil zur Zeit in Stuttgart die große Ausstellung „Bacon – unsichtbare Räume“ läuft, eine Bilderschau mit dem höchsten Versicherungswert, den das Museum je aufbringen musste, garniert das Theaterhaus diese Megaschau mit einem Tanzabend, der dort vor 21 Jahren herauskam, damals verstörend und aufregend wirkte, von seiner Wucht und Wut allerdings einiges eingebüßt hat.

Ismael Ivo, der schwarze Schmerzensmann des Ausdruckstanzes in den 90er Jahren, brachte damals im Theaterhaus ein paar solcher Abende hervor – und fast wäre ihm damals geglückt, was Eric Gauthier viel später gelang: dort dauerhaft eine eigene Truppe zu installieren. Ivo war praktisch der Prophet, der Ursprung für die Tanzsparte im Theaterhaus.

Günstigerweise kam die gut abgehangene „Bacon“-Arbeit vor vier Jahren auf Ivos Wiener „ImPulsTanz“-Festival nochmal heraus – gut weichgeklopft und von drei auf vier Leute aufgestockt, „Reenactment“ heißt das auf Neudeutsch. Ismael Ivo röchelt eingangs gottserbärmlich (Vorbild Francis Bacon litt schließlich an Asthma), strampelt sich nackt und bloß frei aus jeder Menge Stoff. Setzt zu den eingefrorenen Schreien an, die uns vor allem von Bacons Papst-Porträts entgegenbrüllen. Hängt sich gewalttätig rein, auch mal kopfüber wie eine Rinderhälfte im Schlachthaus, wie es die Welt für den Maler Bacon ja auch war. Begibt sich in den Schwulen-Clinch mit Tanzpartner Rönni Maciel oder stemmt mit ihm zusammen die zum Bacon-Torso verschnürte Ivo-Assistentin Valentina Schisa in die Höhe.

Der „Bacon“-Choreograph Johann Kresnik galt im vergangenen Jahrhundert als Wüterich der Tanz-Szene und versuchte, den Ruf vor allem mit vertanzten rebellischen Frauenbiografien von Rosa Luxemburg über Ulrike Meinhof bis, jawohl, Hannelore Kohl zu verteidigen. Mit einem Abstand betrachtet man erstaunt, wie begrenzt Kresniks Tanzsprache und wie obsessiv seine Suche nach starken Bildern geblieben ist.

Penelope Wehrlis Blechwandbühne ist eine letztlich nutzlos leere Schreckenskammer, in die vor drei Klappbett-Elementen auf blutigen Kotelett-Sohlen mehr gerungen als getanzt wird. Die Vierte im Bunde ist übrigens Ivos andere Assistentin Elisabetta Violante. Der hinterher sichtlich gerührte Heimkehrer Ismael Ivo wurde nach der Premiere vom Publikum gebührend gefeiert. Wilhelm Triebold

Info Weitere Aufführungen vom 13. bis 15. Oktober, 20 Uhr. Wegen der verlegten Premiere ist für Sonntag eine Zusatzvorstellung um 18 Uhr angesetzt.

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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