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Medizin

Klarsicht dank Laser und Linse

Wer auf eine Brille als Sehhilfe angewiesen ist, möchte sie vielleicht gerne loswerden. Das kann funktionieren, aber nicht in jedem Fall.

20.01.2017
  • IRIS HUMPENÖDER

Ulm. Die Telefone klingelten ununterbrochen: Die Brille loswerden – das scheint ein Traum vieler zu sein. Doch die Augenärzte mussten die Anrufer oftmals enttäuschen: Die Augen zu lasern, um wieder ohne Brille scharf zu sehen, macht vor allem in jüngeren Jahren Sinn.

Meine Tochter ist 17 und will ihre Brille mit –2,5 Dioptrien loswerden. Soll ich zustimmen, dass sie sich lasern lassen kann?

Zunächst: Kurz-, Weit oder Stabsichtigkeit werden erst gelasert, wenn Betroffene mindestens 18 Jahre alt sind. Und auch dann sollte sich die Brillenstärke mindestens zwei Jahre lang nicht verändert haben. Ihre Tochter sollte sich gut überlegen, ob sie eine Brille oder Kontaktlinsen tatsächlich sehr beeinträchtigen oder ob sie den Eingriff lediglich aus kosmetischen Gründen möchte. Wir raten in der Regel zu einer Laserbehandlung, wenn Patienten einen gewissen Leidensdruck haben, also im Beruf oder Sport durch eine Sehhilfe eingeschränkt sind.

Gibt es sonst noch Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen?

Ja, die operative Behandlung mit dem Laser wird bei Kurzsichtigkeit bis –8 Dioptrien empfohlen und bei Weitsichtigkeit bis +3 Dioptrien. Darüber hinaus ist mit schlechteren Ergebnissen und häufigeren Nebenwirkungen zu rechnen, es könnte beispielsweise eine Restfehlsichtigkeit bleiben. Ganz wichtig sind auch die Beschaffenheit und Dicke der Hornhaut. Nur wenn bestimmte Werte erreicht werden, sollte überhaupt gelasert werden.

Ich bin 33 und war bereits zur Vorbesprechung in einem Laserzentrum. Dort hat man mir gesagt, meine Hornhaut sei zwar sehr dünn, aber man könne dennoch lasern.

Scheuen Sie sich nicht, eine Zweitmeinung einzuholen. Wenn die Hornhaut sehr dünn ist, kann das eine absolute Kontraindikation für eine Laserkorrektur sein.

Wie riskant ist ein solcher Eingriff und was kostet er?

Schwerwiegende Komplikationen treten sehr selten auf, Risiken birgt aber natürlich jeder operative Eingriff. Die Kosten variieren je nach Anbieter und Technik. Ein Mittelwert wäre etwa 2000 Euro pro Auge. Es kann auch mal das Dreifache sein. Und um einer weiteren Frage zuvorzukommen: Die Kosten werden von der Krankenkasse nicht übernommen.

Wenn ich mich zum Lasern entschließe, wie lange falle ich aus?

Der ambulante Eingriff dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten. Leichte Schmerzen mit Lichtempfindlichkeit können etwa 24 Stunden anhalten. Wenn Sie sich am Donnerstag lasern lassen, können Sie aber in der Regel am Montag wieder arbeiten.

Ich bin 40 und habe –3 Dioptrien. Das Brillentragen nervt mich zunehmend. Kann ich mich lasern lassen?

Das würde ich mir gut überlegen. Ab 40 beginnt die Altersweitsichtigkeit. Durchs Lasern tauschen Sie möglicherweise nur eine Fern- gegen eine Nahbrille aus.

Ich habe eine Star-OP vor mir. Kann man die mit dem Laser machen?

Ein Eingriff nur mittels Laser ist nicht möglich, es gibt aber Laser, die den Chirurgen bei der OP unterstützen. Studien konnten jedoch bisher keine Überlegenheit gegenüber der herkömmlichen Vorgehensweise belegen. Es bleibt also Ihnen überlassen, ob Sie die entsprechenden Kosten für den Laser tragen möchten. Die herkömmliche Operation des Grauen Stars wird von der Krankenkasse übernommen.

Ich hatte vor vier Monaten eine Star-OP. Jetzt sehe ich noch schlechter.

Wenn Sie trotz optimaler Brillenanpassung mal besser, mal schlechter sehen, kann das an fehlender Tränenflüssigkeit liegen. Die Tränenproduktion kann sich durch die Operation verändern. Es kann aber auch an einer Schwellung der Netzhaut oder Eintrübung der Hornhaut liegen. Lassen Sie das von Ihrem Augenarzt abklären.

Ich habe eine Hornhautverkrümmung. Kann man die mit dem Laser korrigieren?

Ja, die so genannte Stabsichtigkeit lässt sich mit dem Laser korrigieren – bei unter 5 Dioptrien und wenn die Verkrümmung regelmäßig ist.

Ich habe –12 Dioptrien und möchte meine Fehlsichtigkeit verringern lassen, damit ich morgens wieder aufstehen kann ohne herumzutasten. Was halten Sie davon?

Sie werden nicht brillenfrei und vermutlich immer noch unzufrieden sein. Ich würde mir an Ihrer Stelle das dominante Auge auf Normalsichtigkeit korrigieren lassen, bei ihrer hohen Kurzsichtigkeit wahrscheinlich durch eine Linsenimplantation. Das nichtdominante Auge kann etwas kurzsichtig bleiben. Sie können das vorab aber mit entsprechenden Kontaktlinsen ausprobieren.

Ich bin 54, treibe viel Sport und habe seit Jahren eine leicht korrigierende Gleitsichtbrille. Mein Arzt rät mir vom Lasern ab.

Da würde ich ihm zustimmen. Sie haben mit 54 Jahren keine funktionierende Naheinstellung mehr, mit den Jahren verliert die Augenlinse ihre Elastizität. Das ist ganz normal. Wir können Ihre Sicht zwar auf die Ferne korrigieren, dann können Sie ohne Brille Tennis spielen. Aber Sie können keine Speisekarte mehr lesen. Sie werden also vermutlich nicht glücklicher sein.

Und was ist mit einer Multifokallinse?

Diese Linsen haben zwei oder mehr Brennpunkte – in der Ferne, im dazwischen liegenden so genannten Intermediärbereich und im Leseabstand. Allerdings haben sie auch Nachteile: Sie können blendungsempflindlicher werden und Sie sollten bei bestimmten Lichtverhältnissen mit Einschränkungen rechnen. Das bedeutet: Die Linse ist im Prinzip auch ein Kompromiss.

Ich muss den Grauen Star operieren lassen und will mir dabei eine Multifokallinse einsetzen lassen. Was kostet mich das?

Die Staroperation selbst ist eine Kassenleistung, pro eingesetzter Multifokallinse müssen Sie mit einem Eigenbetrag von etwa 600 bis 1200 Euro rechnen.

Ich habe mir vor fünf Jahren eine Multifokallinse einsetzen lassen. Man sagte mir, die Blendemfindlichkeit lege sich nach einem halben Jahr. Auch die Reflexe sind noch da.

Konstruktionsbedingt sieht man bei Multifokallinsen häufig die Übergangszonen. Man bemerkt diese als Sicheln oder Ringe. Manche Patienten fühlen sich dadurch gestört, andere nicht.

Am Telefon waren Dr. Hans Jürgen Buchwald, Leitender Oberarzt an der Uni-Augenklinik Ulm, Dr. Sebastian Kupferschmid, Oberarzt an der Uni-Augenklinik Ulm und PD Martin Leitritz, Leiter der Sektion Experimentelle Ophtalmochirurgie und Refraktive Chirurgie an der Uni-Augenklinik Tübingen.

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20.01.2017, 06:00 Uhr

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