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Der Mössinger Tofu-Pionier

Klaus Gaiser mischt in Europa ganz vorne mit

Eine ganz und gar ungewöhnliche Karriere. Ein Steve Jobs des Ernährungswesens: Aus kleinen Anfängen im Belsener Milchhäusle stieg Klaus Gaiser, 60, zum Tofu-Pionier hierzulande auf. Jetzt setzt er voll auf Seitan – Weizeneiweißprodukte, biologisch und vegan. Seine Firma Topas wächst jedes Jahr um 20 bis 25 Prozent.

06.08.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. Die Firmengeschichte ist vor allem seine Geschichte: In Tübingen hat Gaiser einst Sinologie und Japanologie studiert. Mit zehn „handverlesenen“ Studenten durfte er „noch in der Steinzeit des Maoismus“ – Mao war gerade gestorben – nach China; später hat er in Japan ein Stipendium bekommen. „Das war für mich das Paradies.“ Bei einem Tofu-Meister hat er in der Nähe von Tokio gelernt, was aus Sojabohnenteig alles gemacht werden kann.

Zunächst hat er dann nur „hobbymäßig“ mit Freunden hier seine eigene kleine Tofuproduktion aufgezogen; „etwas blauäugig“, wie er sagt, habe er gedacht, er könne beides unter einen Hut bringen: Studium und Firma. „Ich war zunächst mal allein auf weiter Flur.“ 1980 hat er losgelegt, mit einem Schulkumpel im alten Milchhäusle in Mössingen-Belsen. Das Unternehmen nannten sie „Tofuhaus Belsen“, 1984 wurde eine GmbH daraus: Yamato Tofuhaus, ein Geheimtipp. „Ich habe in Deutschland angefangen als Pionier.“ Plötzlich gab es dann aber viele Mitbewerber, in Freiburg, Mannheim, Hamburg. „Es gab so etwas wie eine Tofuwelle.“ Gaiser zog von Öschingen, wo er inzwischen produzierte und auch wohnt, nach Hirschau. „Eine große Firma kam auf uns zu und hat so viel geboten, dass ich nicht Nein sagen konnte.“

Er hat sein Tofuhaus verkauft – und 1993 die Topas GmbH gegründet. „Ab da begann eine neue Epoche.“ Seine Frau Sunni, 61, gebürtige Finnin, arbeitete von da an mit, sorgte dafür, „dass die Waren auch wirklich zum Kunden kommen“.

Topas wuchs ungeahnt und hat inzwischen 20 Festangestellte und 55 Teilzeitkräfte. In den letzten fünf Jahren spürt Gaiser „zunehmend Rückenwind – Veganes ist sehr gefragt, die Zeit ist mit uns“, hat er festgestellt. Denn Topas hat sich völlig umgestellt – auf Weizeneiweißprodukte, „Seitan“, die zweite große vegetarische Tradition Ostasiens, wie der Firmenchef sagt. Daraus macht er ganz gezielt „Fleisch-Ersatzprodukte“, Würste, von denen selbst Engländer schwärmen. „Viele fragen: Was soll das? Ich sage ganz einfach: Damit’s die Leute essen!“ Deshalb macht er Schnitzel, Aufschnitt, Döner aus Bio-Weizeneiweiß.

Und was ist aus seinen Plänen für eine vegane Metzgerei in Belsen geworden? Nicht vergessen. Aber „wir sind dabei, in Tübingen was zu machen“ – da will Gaiser demnächst einen Laden mit Imbiss eröffnen, in der Mühlstraße, und das geht vor.

Als jetzt eine kleine Grünen-Delegation bei ihm im Haus war – und wie die meisten Besucher Tofuklötze staunte – kam er freilich auch auf die Probleme seines Firmenjuwels zu sprechen, führend bei vegetarischen Lebensmitteln, europaweit: „Uns fehlt der Rohstoff für Bioprodukte!“ Die Weizenpreise sind weltweit explodiert. Und immer mehr Ackerflächen werden für den Maisanbau genutzt, obwohl oft gar nicht geeignet – für die Produktion von „Biosprit“.

Eine „unsinnige Entwicklung“, finden auch Stephan Brandmeier, Verkaufsleiter von Topas, und Betriebsleiter Cord-Jens Grzeschik. Gaiser: „Wenn wir nicht diesen Rückenwind hätten, könnten wir es nicht so durchhalten!“ Der Umsatz lag zuletzt bei sechs Millionen Euro.

Klaus Gaiser mischt in Europa ganz vorne mit
Aus dem Milchhäusle zu den Sternen: der neue Firmensitz von Topas in der Nähe des Mössinger Bahnhofs, früher Sitz der Firma Merk.Bild: Bauer

Klaus Gaiser mischt in Europa ganz vorne mit
Im Kühlraum, wo „Wheaty“, „Veggyness“ und andere vegane Topas-Schätze lagern: Firmenchef Klaus Gaiser.Bild: Bauer

1980 begann das Tofuhaus Mössingen mit der Herstellung der Sojaspezialität im größeren Stil. Die Produktion fand im Belsener „Milchhäusle“ statt, einer ehemaligen Molkerei. 1984 wurde dort die Yamato Tofuhaus GmbH gegründet. Die Sojabohnen bezog das Tofuhaus von einem Biobauern in Kilchberg.
1987 wurde die Firma, die bald Tofu und Tofu-Produkte in ganz Deutschland vertrieb, in größere Räume nach Tübingen verlegt, ab 1989 beteiligte sich eine andere, im Gesundkostbereich engagierte Firma, die große Pläne für eine Tofurei hatte, an Yamato. Dieses Joint Venture verließ Klaus Gaiser 1992.
Als Ergebnis einer radikalen Neuorientierung gründete er 1993 die Topas GmbH. Der Name ist die Abkürzung für „Tofu-Pasta-Seitan“. Sie hat heute 75 Beschäftigte.

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06.08.2012, 12:00 Uhr

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