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Stadtteile drängen nicht auf Ausbau der L 371

Kleeblatt an Autobahnanschluss soll eingespart werden

Als „ernüchternd“ empfanden die Mitglieder im Planungsausschuss des Regionalverbands, was das Land als Mittel für Bau und Reparatur bei den Landesstraßen vorsieht. In Wendelsheim, Seebronn oder Baisingen ist man gar nicht so unglücklich.

17.10.2012
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Wie am Donnerstag bereits gemeldet, fällt für die Raumschaft Rottenburg in den nächsten zehn Jahren ebenfalls wenig Geld ab. Die Straße zwischen Wurmlingen und Wendelsheim, die L 371, kann nicht ausgebaut werden, soll allenfalls bei Bedarf repariert werden. Dieser Verzicht auf Ausbau wird vom Land als „dauerhaft“ klassifiziert. Lediglich zurückgestellt ist der Ausbau der L 371 im weiteren Verlauf zwischen Wendelsheim und Seebronn – solange, bis wieder Geld da ist.

Das Bedauern darüber hält sich in Wendelsheim in Grenzen. Immerhin hatten sich die Bewohner zur Jahrtausendwende ganz massiv gegen den damals vorgesehenen Ausbau gewehrt – mit Erfolg. Einige Wendelsheimer gründeten sogar den Alleenverein, machten den umstrittenen Abschnitt zum Teil der deutschen Alleenstraße und pflanzten Bäume. Das Grün soll, wenn es mal stämmig ist, künftigen Straßenverbreiterungswünschen Einhalt gebieten. Ortsvorsteher Joachim Maul ist mit der Straßensituation, wie sie sich zurzeit darstellt, sehr zufrieden. Denn der Belag wurde gerade erneuert. Die Aquaplaning-Gefahr sei somit beseitigt. Breiter müsse die Fahrbahn nicht sein, sagt Maul. Gut ausgebaut soll die Straße sein, aber keineswegs breiter, weil sie dann womöglich mehr Verkehr anzöge.

Wendelsheim drängt nicht auf Ausbau

Maul beschreibt die Meinungslage im Ort als geteilt: „Viele sagen, eine richtige Straße wäre schon gut. Aber Viele sagen auch, so wie sie ist, tut sie es.“ Jetzt, nachdem die neue Bitumendecke aufgelegt ist, schätzt der Ortsvorsteher den Anteil der mit der aktuellen Situation zufriedenen Wendelsheimer auf zwei Drittel.

„Es passiert auch so gut wie gar nichts“, sagt Maul über Verkehrsunfälle auf der schmalen Straße. Das andere Beispiel habe Wendelsheim am westlichen Ortsrand. Seit die Kreisstraße zwischen Rottenburg und Oberndorf ausgebaut wurde, seien schon zwei Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben.

Was die Fortsetzung der L 370 Richtung Seebronn angeht, spürt Joachim Maul ebenfalls keinen Bedarf für einen Ausbau. Er wohne selbst an der Ortsdurchfahrt, deshalb könne er Befürchtungen nachvollziehen, dass ein Schleichweg zur Autobahn entstehen könnte. Schon jetzt verirre sich mancher große Lastzug auf das Sträßchen zwischen Seebronn und Wendelsheim, wenn die L 361 Richtung Rottenburg aus irgendwelchen Gründen nicht frei ist. Eng werde es zwischen Wendelsheim und Seebronn auch, wenn ein Bus dort fährt. Omnibus und Personenwagen kämen aneinander vorbei. Zwei Busse oder entsprechend zwei Lastwagen schafften das nicht, ohne die Fahrbahn zu verlassen.

Autobahn-Kleeblatt aus Kostengründen gekappt

Am anderen Straßenende, in Seebronn, ist ein Ausbau der an den Heuberger Höfen vorbei führenden L 371 kein Thema. Ortsvorsteher Ludwig Wellhäuser sagt: „Ich hab’ da keine Meinung. Politisch haben wir das gar nie besprochen in den zwölf Jahren, seit ich Ortsvorsteher bin.“ Die Fahrbahn sei in den vergangenen 30 Jahren immer geflickt und dabei nach und nach auch etwas breiter geworden. Wellhäuser hat den Eindruck, dass der Verkehr auf der L 371 nachgelassen hat, seit der Sülchenknoten bei Rottenburg ausgebaut wurde.

„Was uns ärger ärgert“, sagt Wellhäuser, sei, dass der Autobahnknoten Ergenzingen immer noch nicht zum vollen Kleeblatt ausgebaut ist. Es gebe Hinweise, dass er derzeit nicht ausgebaut werden soll. Der Appell von Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, den geplanten Vollknoten endlich zu realisieren, kommt nach Wellhäusers Einschätzung „nicht von ungefähr“.

Seine Befürchtungen sind richtig. Es liege, sagt Baubürgermeister Thomas Weigel, ein Schreiben vom federführenden Regierungspräsidium Stuttgart vor, dass das Kleeblatt aus Kostengründen nicht vervollständigt werden soll. Mit weiteren Ampeln für 120 000 Euro lasse sich die gleiche Wirkung erreichen wie mit dem Vollausbau für 5,5 Millionen Euro. Rottenburg, das immerhin schon die Grundstücke gekauft hat, und auch die Gemeinde Bondorf sind schon politisch initiativ geworden, um doch noch den kreuzungsfreien Ausbau zu bekommen.

Das vorhandene halbe Kleeblatt und die Verkehrsregelung mit Ampeln, wie sie jetzt gestaltet ist, führt in Stoßzeiten zu längeren Warteschlangen. Um die Ampelstaus zu umfahren, nutzten Autofahrer der West-Ost-Richtung gern den Weg über Seebronn, sagt Wellhäuser.

Positiv überrascht war Baisingens Ortsvorsteher Horst Schuh vom Maßnahmenplan Landesstraßen. Denn die L 360 zwischen Baisingen und der Bundesstraße 14, Einmündung Flugplatzkreuzung, ist als Ausbaumaßnahme berücksichtigt. Ein wenig irritiert Schuh nur der relativ geringe Kostenansatz von 600 000 Euro. Per Mail habe er Rottenburgs Baubürgermeister Thomas Weigel gebeten, sich nähere Informationen zu beschaffen.

Baisingen denkt schon ans Gewerbegebiet

Schuh hält den Ausbau der Straße für sehr notwendig, obwohl die Ortsumfahrung Ergenzingen inzwischen gebaut ist. Die L 360 ist Teil der Verbindung von und nach Göttelfingen. Zudem führt sie direkt zum Bahnhof Eutingen. Ein Ausbauplan sei schon im früheren Verkehrsplan enthalten gewesen. Als neue Notwendigkeit für die Straße komme hinzu, dass das Gelände zwischen Baisingen und Flugplatz Eutingen im neuen Regionalplan als Gewerbestandort vorgesehen werden soll.

Der jetzige Zustand der L 360 ist nach Schuhs Worten gefährlich, es gebe „ständig Unfälle“. Links-Rechts-Kurven und der Wechsel zwischen Senken und Hügeln bei schmaler Fahrbahn seien die Ursache. Seit die Ergenzinger Ortsumfahrung fertig ist, habe sich die Situation ein wenig entschärft.

Schuh geht davon aus, dass die L 360 im normalen Standard einer Landesstraße ausgebaut wird. Er sieht deshalb auch Chancen auf einen begleitenden Radweg. Die gerade begonnene Flurbereinigung Baisingen-Süd schaffe gute Voraussetzungen, um die Straße ordentlich auszubauen.

Kleeblatt an Autobahnanschluss soll eingespart werden
Landesstraßen, die Ausflugsstimmung verbreiten. Links die L371 zwischen Seebronn und Wendelsheim (ganz links duckt sich im Dunst die Wurmlinger Kapelle auf die Bergkuppe). Rechts die L360 vor der Ortseinfahrt nach Baisingen.

Der „Maßnahmenplan Landesstraßen“, den die grün-rote Landesregierung, genauer das von Winfried Hermann (Grüne) geführte Verkehrsministerium, vorgelegt und in die Anhörung gegeben hat, ist sozusagen ein Unterplan des Generalverkehrsplans (GVP). Der aktuelle GVP wurde Ende 2010 noch von der schwarz-gelben Landesregierung verabschiedet.

Der jüngste Generalverkehrsplan enthält im Gegensatz zu früheren GVPs keine Maßnahmenpläne, die konkret darstellen, welche Straßenprojekte das Land initiiert und finanziert. Maßnahmenpläne sollen künftig im Nachgang zum GVP erstellt und in kürzeren Abständen als der GVP fortgeschrieben werden, teilt der Regionalverband in seiner Sitzungsvorlage mit. Die Aufnahme eines Projekts in den Maßnahmenplan stelle aber keine Finanzierungszusage dar und auch keinen Zeitplan.

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17.10.2012, 12:00 Uhr

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