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Kleider und Gemetzel auf der Bühne
Miniröcke als Uniform: Elfriede Jelineks neues Stück in Düsseldorf. Foto: A4700/_Sebastian Hoppe
Theater

Kleider und Gemetzel auf der Bühne

Mode als Sinnbild der Vergänglichkeit. In Düsseldorf wurde Elfriede Jelineks neues Stück uraufgeführt.

17.01.2017
  • DPA

Düsseldorf. „Der Tod erkennt einen immer, auch wenn man sich gerade neu eingekleidet hat und denkt, er erkennt einen nicht mehr.“ Damit ist eigentlich alles gesagt. Aber Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek begnügt sich nicht mit kurzen Antworten. So hat die scharfzüngige Österreicherin (70) in „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ einen 90 Seiten langen Endlos-Sprachteppich gewoben, der sich ganz um Mode dreht und die Sucht nach immer Neuem an der eigenen Vergänglichkeit spiegelt. Die Uraufführung, so verfügte Jelinek, sollte in Düsseldorf stattfinden. Logisch, gilt Düsseldorf doch immer noch als Hauptstadt des Bling-Bling.

Die Premiere in der beengten Ersatzspielstätte Central – das Schauspielhaus ist wegen Sanierung geschlossen – war denn auch ein großer Erfolg. Das ist zunächst dem 35-jährigen Opern- und Schauspielregisseur Jan Philipp Gloger, der mehrfach Jelinek-Texte inszeniert hat, und seinem Team zu verdanken. Gloger schaffte es bravourös, eine dramatische Bresche durch den ermüdenden Fließtext zu schlagen, den Jelinek als Vorlage geliefert hatte. Er kürzte den Wortbrei auf zwei Stunden und verteilte den Text auf sieben Schauspielerinnen.

Die sind mal einheitlich in Trenchcoats, mal in gleichen roten Röcken gekleidet, stolpern anfangs mit Einkaufstüten durch ein struppiges Walddickicht. Sie feuern als vielstimmiger Chor spöttische Textsalven auf die modebewussten Zuschauer ab. Später erscheint ein Bungalow hinter dem Gestrüpp, in den ein Paketdienst Berge von Paketen liefert. In den Schlafzimmern geben sich die Frauen der Mode hin (Bühne: Marie Roth). Doch unter die Oberfläche des modischen Scheins webt Jelinek die existenziellen Fragen des Lebens nach Sein, Nichtsein und Tod. Kant und Heidegger dürfen sich auf der Bühne zum philosophischen Disput in Form eines Tennisspiels treffen. dpa

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17.01.2017, 06:00 Uhr

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