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Klicks und Umsatz beim Gassigang

„Petfluencer“ nutzen Vierbeiner als Werbeträger in Sozialen Medien - und werden selbst zum Produkt.

25.11.2019

Von DPA

Erfolgreich: Nicole Lenhardt mit ihrem Wolfshund Milo. Foto: Marijan Murat/dpa

Stuttgart. Etwas Besseres als Milchreis an kalten Tagen gibt es nicht. In eine warme Decke gehüllt hält Frauchen Nicole die warme Schüssel mit der Werbebotschaft in die Kamera und strahlt ihre mehr als 54 000 Instagram-Follower an. Milo, ihr pelziger Wolfshund, sitzt brav zum Kuscheln bereit. Er hat bestimmt schon das getreidefreie Hundefutter in seinen Napf bekommen, das „Nici“ zwei Tage zuvor bei Instagram angepriesen hat.

Mit Hilfe ihres Vierbeiners, mit täglichen Fotos, Filmchen und natürlich mit Werbepartnern ist die 27-jährige Stuttgarterin über Internet-Plattformen so erfolgreich geworden, dass sie vor Kurzem ihren Job als Finanzbuchhalterin aufgegeben und sich selbstständig gemacht hat.

Als „Petfluencer“ (Pet: englisch für Haustier) unterhalten Katzen und Hunde, aber auch Pferde, Hasen und sogar Igel und Insekten Millionen sogenannter Follower weltweit. „Menschen wollen ihren Alltag positiv aufladen. Sie suchen Zerstreuung und einen Zeitvertreib“, sagt Jonas Wolf von Pulse, einer Hamburger Agentur für Influencer-Marketing.

Nicht immer aber sind die Fotos so artgerecht wie bei Lenhardt und ihrem Wolfshund, meistens sind die Tiere in Szene gesetzt – sehr zum Ärger der Tierschützer: „Es ist eine Grenze erreicht, wenn man Tiere vermenschlicht, wenn man sie verkleidet und das auch zur Belustigung macht“, sagt Tierärztin Moira Gerlach vom Tierschutzbund. In vielen Fällen seien Tiere aus Qualzuchten und vergleichsweise hässliche Tiere bei Instagram erfolgreich: „Diese Tiere leiden unter vorstehenden Zähnen oder starren Blicken, sie kriegen schlecht Luft und normal kauen können sie auch nicht mehr.“

Dennoch macht der Erfolg bei den Followern sie als Werbeträger so begehrt, dass sich eine ganze Branche aus Agenturen und Beratern etabliert hat. Während Lenhardt und Milo zu den größeren Petfluencern auf dem deutschen Markt gehören, stellt in den USA der Zwergspitz Jiffpom mit 9,6 Millionen Followern alles in den Schatten. Nach Schätzungen kann sein Frauchen mit jedem Instagram-Post zwischen umgerechnet 41 000 und 135 000 Euro umsetzen.

Ähnliche Summen sind in Deutschland nicht annähernd zu machen. „Das ist kein Markt, auf dem sich schnell Geld verdienen lässt“, sagt André Karkalis, Gründer der Petfluencer-Marketing-Agentur Tony. Aber die Szene wächst. dpa

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Erstellt:
25. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 06:00 Uhr

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