Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Mehr als 400 für eine bessere Pflege

Klinik-Mitarbeiter demonstrierten für 518 zusätzliche Personalstellen

An der bundesweiten Verdi-Protestaktion haben sich am Mittwoch auch Tübinger Kliniken beteiligt. In einem Aufruf an die Gesundheitsminister der Länder forderten sie ein Ende der Sparpolitik an Krankenhäusern.

24.06.2015
  • Benedikt Reder

Tübingen. Transparente und Plakate verkündeten am Platz vor dem Casino der Schnarrenbergkliniken unmissverständlich die Kernforderung der Belegschaft. „Mehr von uns – besser für alle“ und „Wann kommt mehr Personal?“ war in großen Lettern zu lesen. Über 400 Beschäftigte aller Abteilungen und Teilbereiche des Universitätsklinikums hatten sich versammelt, um ihrem Protest gegen die Unterfinanzierung des Klinikbetriebs und den damit verbundenen Personalnotstand anzuklagen.

Anlässlich einer jährlichen Tagung der Gesundheitsminister in Bad Dürkheim hatte die Gewerkschaft ver.di zu einer bundesweiten Protest-Aktion aufgerufen. Bei dieser Aktion wurden am UKT wie auch an anderen Kliniken des Landes, insgesamt 162 000 Nummerntafeln in die Höhe gehalten. Sie sollten die Anzahl der fehlenden Stellen in den Pflegeeinrichtungen der Bundesrepublik, 70 000 davon in der Pflege selbst, symbolisch darstellen. Allein am Tübinger Uni-Klinikum seien demnach 518 Mitarbeiter zu wenig beschäftigt.

Angela Hauser, Personalratsvorsitzende der Klinik, zeigte sich mit dem Protest zufrieden. „Die Situation in den Pflegeberufen ist angespannt“, stellte sie fest. „Die Stationen sind mit ihrem Personal an der Grenze des Leistbaren. Am UKT beläuft sich die Zahl der Überstunden auf 125 000 im Jahr. An einen Abbau ist wegen der dünnen Personallage nicht zu denken.“ Für sie ist hier in erster Linie die Politik in der Pflicht. Die steigenden Fallzahlen, also die Anzahl der stationär in Krankenhäusern behandelten Patienten, werden von den Krankenkasse durch Pauschalen vergütet. Diese seien zu niedrig um den Kliniken den finanziellen Spielraum zu gewähren, der für ausreichend Personal nötig wäre.

„Es muss mehr Geld ins System“, sagte auch Pflegedirektor und Vorstandsmitglied Klaus Tischler. Die Finanzierung der Krankenhäuser sei ausgereizt. Jährlich stocke das UKT den Betrag aus den Fallpauschalen zusätzlich um etwa 6 Millionen Euro auf, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Bis 2020 sei bundesweit mit 100 000 fehlenden Mitarbeitern in Pflegeberufen zu rechnen. „Der bekannte Spruch Qualität hat ihren Preis gilt auch in der Pflege“, so Tischler.

Auch am Paul-Lechner-Krankenhaus und der BG-Unfallklinik wurde der Aufruf von Verdi zum Protest genutzt. Letztere entsandte ihre 118 Nummerntafeln an Luftballons in den Himmel über den Schnarrenberg. Rolf Schmied, Betriebsratsvorsitzender der BG-Unfallklinik, sprach die Belastungen für die Belegschaft an, die mit dem hohen Arbeitspensum einher gingen. „Die vielen Krankheitsfälle sorgen für Bedrängnis beim Personal“, sagte er hierzu. „Burn-out und Wirbelsäulenerkrankungen durch die schwere körperliche Arbeit setzten den Leuten zu.“

Als Gewerkschaftssekretärin des Bezirks Fils–Neckar–Alb hatte auch Yvonne Baumann an der Veranstaltung teilgenommen. Bundesweit habe die Aktion eine breite Zustimmung gehabt, so Baumann im Gespräch. In Deutschland seien über 1400 Krankenhäuser dem Aufruf gefolgt. Sie hoffe auf einen Umschwung bei der Tagung in Bad Dürkheim. Es müssten bessere Mindeststandards im Hinblick auf die Personaldichte gefunden werden. Von den Bürgerinnen und Bürgern wünscht sie sich ein größeres Interesse und eine stärkere Beteiligung an dem Thema. „Letztendlich betrifft es jeden Einzelnen von uns“, sagte Baumann.

Die Auseinandersetzung auf politischer Ebene ist für Verdi, wie auch für die Belegschaft der Kliniken der erste und wichtigste Schritt, um eine Verbesserung der Lage zu erzielen. Sollte man zu keinem positiven Ergebnis gelangen, will man aber auch zum Mittel des Streiks greifen. Die gegenwärtige Arbeitsniederlegung an der Berliner Charité sei hierbei ein Präzedenzfall, so Baumann. Die Mitarbeiter des Berliner Klinikums traten Anfang der Woche in den Arbeitskampf. Ziel ist es, 1000 Betten durch den Streik unbesetzt zu halten.

Klinik-Mitarbeiter demonstrierten für 518 zusätzliche Personalstellen
Dem Ruf „Die Nummern hoch“, als Symbol für fehlende Stellen in der Krankenpflege, folgten am Tübinger Uni–Klinikum gestern etwa 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.Bild: Sommer

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.06.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball