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Wirtschaftsförderung

Klinken putzen beim Mittelstand

Eine Million Euro für die ersten Projekte: Wie der Technologiebeauftragte der Landesregierung Unternehmen helfen will, innovativer zu sein.

09.08.2017

Von AXEL HABERMEHL

Der Technologiebeauftragte Bauer und Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut. Foto: dpa Foto: dpa

Stuttgart. Der Technologiebeauftragte der Landesregierung, Wilhelm Bauer, will die Unternehmen im Südwesten zu mehr Innovationen anregen. Ein knappes Jahr nach seiner Berufung hat Bauer gestern gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sein Arbeitsprogramm vorgelegt. Bauers Ziel: das „Innovationssystem in Baden-Württemberg verbessern“, damit hiesige Unternehmen internationale Spitze im Bereich Technologie blieben.

Kurzfristig stößt Bauer das Projekt „Innovationswerkstatt“ an. Dazu gehört eine Art aufsuchende Beratung für Unternehmen, besonders auf dem Land, Bauer nennt es „Klinken putzen“. Da kleinere Unternehmen häufig keine großen Abteilungen für Forschung und Entwicklung hätten und derzeit zudem – oft dank voller Auftragsbücher – wenig Zeit, sich mit der Zukunft ihrer Geschäftsmodelle in einer sich schnell wandelnden Welt zu befassen, komme das Land eben mit Beratern zu den Unternehmen – und nicht andersherum.

Experten, beispielsweise Wissenschaftler, sollen aktiv auf Unternehmen zugehen, Beratung anbieten und Kooperationen mit geeigneten Partnern auf den Weg bringen, erklärte Bauer. So sollen Wirtschaftskapitäne angeregt werden, über den Tellerrand ihrer Produktion zu schauen und Kooperationen einzugehen. Für die Unternehmen ist das kostenlos, das Land stellt für ein Jahr 580?000 EUR zur Verfügung, die Umsetzung koordinieren Steinbeis Beratungszentren.

Außerdem setzt Bauer auf „Pop-up-Innovationslabore“, also „zeitlich begrenzte Lern- und Experimentierräume“, in denen Unternehmen miteinander und „mit Themen des Innovationsmanagements und der Digitalisierung in Kontakt kommen“. Sie will das Land in noch zu findenden Räumlichkeiten einrichten, denkbar seien Industriebrachen. Für dieses Format stellt das Land 420?000?EUR zur Verfügung. Das Projekt startet demnächst in Ostwürttemberg und der Ortenau.

Darüber hinaus entwickelt Bauer eine „Technologietransfer-Landkarte“. Eingezeichnet seien rund 1500 einschlägig tätige Einrichtungen. Denn die Vielzahl der Angebote mache es schwer, den Überblick zu behalten. Längerfristig will Bauer auch die Innovationsstrategie des Landes überarbeiten, denn die bisherige stammt aus dem Jahr 2013. Außerdem plant er eine „Online-Academy“, die Kurse und ähnliches im Internet anbietet.

Das unterstützende Eingreifen der Politik sei nötig, befand die Wirtschaftsministerin. „Die Welt stellt sich auf und die Asiaten geben mächtig Gas“, sagte Hoffmeister-Kraut. „Baden-Württemberg liegt mit seiner Innovationsfähigkeit zwar vorn, aber andere holen kontinuierlich auf.“ Daher forderten sie und Bauer auch, der Bund solle Ausgaben für Forschung und Entwicklung steuerlich fördern. „Eine solche Förderung sollte sich am Volumen des gesamten Forschungs- und Entwicklungs-Budgets eines Unternehmens orientieren, allen Unternehmen offenstehen, auch die Auftragsforschung umfassen und in Ergänzung zur bestehenden Projektförderung erfolgen“, riet Bauer.

Der Arbeitgeberverband Baden-Württemberg nannte das Arbeitsprogramm einen „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Sein Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick sagte: „Maßnahmen wie eine Landkarte für den Technologietransfer sind ein dringend benötigter Beitrag zu mehr Transparenz in unserer Innovationslandschaft.“ Jedoch seien „die Pläne für den Innovationstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft noch zu unbestimmt“.

Auch die wirtschaftspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Gabriele Reich-Gutjahr, sprach von einem richtigen Ansatz, kritisierte jedoch: „Im Hinblick auf die Möglichkeiten und Marktentwicklungen, die künstliche Intelligenz und Digitalisierung mit sich bringen, springen diese Ansätze aber zu kurz. Ich fürchte, dass die aufgezeigten Ansätze in erster Linie zu Verbesserungen und Optimierungen bestehender Geschäftsmodelle führen.“ Nötig seien aber „neue Geschäftsmodelle, die sich vom bestehenden Lösungsansatz abheben, wenn wir in den Märkten der Zukunft nicht lediglich als Zulieferer agieren wollen“.

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Erstellt:
9. August 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. August 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. August 2017, 06:00 Uhr

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