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Vom schönen Leben

Klocke und Sonnenschein im Sudhaus

Das Abi war Drei irgendwas, vom Lateinunterricht hat er immer noch die Schachtelsätze im Hirn: „Obwohl die Germanen, nachdem die Römer, während…“ Aber: Da hat einer was gelernt fürs Leben. Als Meister der Halbsätze hat es Piet Klocke zu Comedy-Ruhm gebracht. Jetzt war er in Tübingen – mit seinem neuen Programm: „Das Leben ist schön – gefälligst!“ Das enthält all das, was schon bisher zum Lachen reizte.

15.10.2012

Diese schrägen Klamotten – Karo-Sakko und der Schlips mit den riesenroten Punkten. Wieder spielt Professor Schmitt-Hindemith, diesmal als Ideengeber für einen Musikvortrag im Festsaal des Institutes Wünschelrute, eine Rolle. Sein Vertreter, nicht weniger konfus als der Professor, ist Piet Klocke. Und wieder ist die Jazzsaxofonistin Simone Sonnenschein als Angelika Kleinknecht dabei.

Also: Piet Klocke bleibt sich treu – und auch kabarettistisch ein Traditionalist. Der Essener ist ein ehrlicher Malocher, der seine Programme selber, ohne die Hilfe eines Gag-Thinktanks schreibt – und der im Aufbau und seinen Vorbildern beim Bewährten bleibt.

Die ganze Wünschelrouten-Sendung ist ein einziger langer Sketch, mit klaren Rollen. Piet Klocke als verpeilter Laberkopf, Simone Sonnenschein als herrlich blöde guckende stumme Stichwortgeberin, die dann Musik machen darf – und nach der Pause in Klocke-Verkleidung einen einen Redeanfall hat, bis der Meister im Bademantel wieder das fahrige Wort übernimmt.

Das ist ja Klockes Markenzeichen, dieses „Ja, also, wie kann, das heißt …“. Sätze werden angefangen, unterbrochen, in eine andere Richtung gebracht – und schon laufen auch die Gedanken Amok. Springen mal ins Absurde, mal ins Zynische, ein paar flachere Witze sind auch dabei („Das können Sie akustisch stornieren“), viel Geblödel. Loriot stand Pate (und hat Klocke mit dem Lob geadelt, er sei eine Figur, die wunderbar in seine Sketche passe), Heinz Erhardt, den Piet Klocke auch direkt erwähnt, und Dada sowieso.

So sinniert Piet Klocke über Krötenwanderungen („Wenn Sie im Auto ein Geräusch vernehmen – das gibt sich dann“), über Quallen („Wenn die Evolution von Design keine Ahnung hat – bitte, es gibt doch Beratungsstellen“) und über Männer und Frauen früher: „Waren schöne Zeiten. Der Mann hat mit der einen Hand zwei Mufflons auf den Grill gelegt und mit der anderen Hand die ganze Gartenparty an die Höhlenwand gezeichnet. Und wenn ein Ritter einen Kopf kürzer wurde, hat sich die Frau gedacht: Wer lötet mich jetzt aus der Unterwäsche.“

Noch einen? Piet Klocke favorisiert Unterwäsche aus Papier: „Das hat den Vorteil, wenn die schmutzig ist, dann können Sie sie der Wäscherei zufaxen.“

Wie gesagt: „Ein bisschen Humor kann ja nicht.“ Und wenn doch, gilt wieder: „Das können Sie akustisch stornieren.“ Aber das wollte dem Beifall nach niemand. Wolfgang albers

Klocke und Sonnenschein im Sudhaus
Ein ehrlicher Malocher aus Essen: Piet Klocke. Bild: Agentur

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15.10.2012, 12:00 Uhr

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