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Festakt mit der First Lady

Königspalast in Qatna ist jetzt öffentlich zugänglich

Zum Ende der diesjährigen Grabungskampagne im Königspalast von Qatna (Syrien) können die Tübinger Archäologen weitere außergewöhnliche Funde präsentieren. Auch ist das Grabungsgelände jetzt für die Öffentlichkeit erschlossen.

14.10.2010
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Ein offizieller Rundweg führt jetzt über das Grabungsgelände am syrischen Ruinenberg Tell Mischrife, wo Archäologen aus Tübingen, Damaskus und Udine seit 1999 am bronzezeitlichen Königspalast von Qatna ausgraben. Tafeln informieren über die mittlerweile weltbekannten Fundstätten, gemauerte Auf- und Abgänge erschließen das Gelände. So kann man als Besucher jetzt das Palastgelände erkunden, auch die Abgänge zu den Grüften aufsuchen. Dort machte das Team um die Tübinger Archäologen Peter Pfälzner und Heike Dohmann-Pfälzner die außergewöhnlichen Funde, die vergangenes Jahr in Stuttgart ausgestellt waren.

Schutzdach für das Brunnenhaus

Zum Palastgelände gehört auch ein monumentales Brunnenhaus. Es datiert in die Mittlere Bronzezeit, wurde also etwa um 1700 vor Christus angelegt. Es verfügt über eine repräsentative Ausstattung – eine breite, 80-stufige Basalttreppe führt in das Brunnenhaus hinab. Deshalb gilt es als Denkmal von besonderer Schutzwürdigkeit. Ein lichtdurchlässiges Schutzdach wölbt sich nun über diesen Ausgrabungsort. Die Bogenkonstruktion aus Stahl und transparentem Polycarbonat wurde mit Mitteln der Kulturhilfe des Auswärtigen Amtes und Spendengeldern errichtet.

Mit einer feierlichen Zeremonie wurde das Gelände jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. An der Veranstaltung nahm auch die Gattin des syrischen Staatspräsidenten, Asma al-Assad teil. Als Vertreterin der Tübinger Universität war Prorektorin Stefanie Gropper nach Syrien gereist. Ohnehin vor Ort war das Team der Archäologen, deren Grabungskampagne bis Ende September dauerte.

Schon Mitte September hatten die Archäologen weitere Funde aus einer Nebengruft präsentiert, die sie bereits vergangenes Jahr entdeckt hatten (wir berichteten). In dieser Gruft hatten die Wissenschaftler mehr als hundert Skelette gefunden. Sie lagen gruppenweise in größtenteils zergangenen Holzkisten. Vermutlich waren die Kisten von der Hauptgruft in die Nebengruft verlegt und gestapelt worden, um Platz für neue Bestattungen zu schaffen. Weil die Gruft nicht von Grabräubern geplündert war, fanden und finden die Forscher dort eine große Zahl von Grabbeigaben.

Herausragend unter den neuesten Funden ist ein Kästchen mit Einlegearbeiten aus Elfenbein. Die Intarsien zeigen Tierfiguren wie Gazellen, Affen und Löwen, aber auch Mischwesen mit Löwenkopf und Adlerkörper sowie menschliche Figuren. Das Kästchen ist nach Einschätzung der Archäologen ein einzigartiges Zeugnis mesopotamisch-syrischer Kunst der ausgehenden Bronzezeit. Es wird in den kommenden Jahren aufwändig restauriert werden.

Gefunden haben die Forscher auch einen ägyptischen Becher aus schwarzem, durchscheinendem Obsidian, der am Rand und am Boden mit Gold gefasst ist. Als weitere Funde können die Archäologen Schmuckstücke präsentieren, etwa Armreife und Halsringe aus Gold und wertvollen Steinen.

Der Königspalast in Qatna war Zentrum des gleichnamigen altsyrischen Königtums, das zwischen 1800 und 1600 vor unserer Zeit zu den bedeutendsten Staaten des Orients gehörte. Das Reich ging um 1340 bei einem Angriff der Hethiter unter.

Königspalast in Qatna ist jetzt öffentlich zugänglich
Die First Lady Syriens, Asma al-Assad (links), besichtigte die wichtigsten Fundstücke der Tübinger Grabungen 2010 in Qatna. Grabungsleiter Prof. Peter Pfälzner (rechts) erläutert die Funde. Bild: SANA / Syrian Arab News Agency

Königspalast in Qatna ist jetzt öffentlich zugänglich
Tiere, Menschen und Mischwesen zeigen die Intarsien eines Kästchen, das die Archäologen als Grabbeigabe in einer Gruft fanden. Nach einer aufwändigen Restaurierung wird das außergewöhnliche Kunstwerk eines Tages mit Sicherheit eines der Prunkstück einer Qatna-Ausstellung sein. Bild: Pfälzner

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14.10.2010, 12:00 Uhr

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