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Ein Horber in U-Haft

Körperverletzung mit Todesfolge? Ermittler gehen nicht von Tötungsabsicht aus

Körperverletzung mit Todesfolge? Derzeit geht die Staatsanwaltschaft Rottweil davon aus, dass bei der körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen Jugendlicher in Freudenstadt am Sonntagmorgen gegen 3 Uhr keine Tötungsabsicht bestand. Als Hauptverdächtiger gilt ein 17-Jähriger aus Horb, das Opfer war ein 19-jähriger Schüler.

06.07.2015
  • Cornelia Addicks

Körperverletzung mit Todesfolge? Ermittler gehen nicht von Tötungsabsicht aus
Pressekonferenz zum Tötungsdelikt in Freudenstadt: (von links) Herbert Kohler, Erster Kriminalhauptkommissar bei der Kriminalpolizeidirektion Rottweil und Leiter der Soko „Wall“, Dietmar Schönherr, Leitender Kriminaldirektor (Kriminalpolizeidirektion Rottweil) und Dr. Joachim Dittrich, Leitender Oberstaatsanwalt (Staatsanwaltschaft Rottweil).

Freudenstadt/Horb/Rottweil.Rund 50 Mitarbeiter zählt die Sonderkommission „Wall“, wie Dietmar Schönherr, Leiter der Kriminalpolizeidirektion Rottweil, gestern bei einem Pressegespräch sagte. „Dazu zählen zwölf Kriminaltechniker, die den Tatort umfangreich aufgearbeitet haben“. Und das war keine leichte Aufgabe, denn die Gegend um die Wallstraße sei ein beliebter Treffpunkt, durchaus auch außerhalb des Stadtfests. Schönherr sprach von einem „Latschareplatz“ in Freudenstadt. Alle kriminalpolizeilichen Register seien am Sonntag gezogen worden, man habe eine „Unmenge Kippen“ eingesammelt, um alles Be- und Entlastende sicherzustellen.

Das Opfer hatte sich zuvor mit Bekannten auf dem Stadtfest aufgehalten. Er und zwei weitere Personen waren dann in der Wallstraße mit einer größeren Gruppe aneinandergeraten. Soviel die Ermittler bisher wissen, kannten sich die Kontrahenten nicht, ein mögliches Tatmotiv ergab sich bisher nicht. Alle Beteiligten an dem Vorfall sind Deutsche.

„Eine junge Frau hat um Hilfe geschrien, was eine Polizeistreife bemerkt hat“, berichtete Schönherr. Sofort seien DRK und Notarzt alarmiert worden. Die eingeleiteten Reanimationsversuche waren jedoch erfolglos. „Der 19-Jährige wurde um 4.30 Uhr im Krankenhaus Freudenstadt für tot erklärt“. Zwar lägen detaillierte Ergebnisse der am Montagmorgen im Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus durchgeführten Obduktion noch nicht vor, die Todesursache sei jedoch eine Hirnblutung gewesen.

Körperverletzung mit Todesfolge? Ermittler gehen nicht von Tötungsabsicht aus
Der Leiter der „Soko Wall“, Kriminalhauptkommissar Herbert Kohler, zeigt die Stelle in der Wallstraße, an der es passiert ist. Bilder: icks

Zunächst waren zwei junge Horber in Verdacht geraten und vorläufig festgenommen worden. „Einer zuhause, der andere nahe seiner Wohnung“, sagte Herbert Kohler, Erster Kriminalhauptkommissar und Leiter der SoKo. „Die beiden waren nicht überrascht, höchstens von der Schnelligkeit der Polizeiarbeit“.

Während sich der 19-Jährige nach Durchführung der polizeilichen Maßnahmen und Prüfung seines möglichen Tatbeitrags wieder auf freiem Fuß befindet, wurde der 17-Jährige, der in seiner polizeilichen Vernehmung eine gewisse Tatbeteiligung eingeräumt hat, am späten Montagnachmittag im Saal 037 des Amtsgerichts Rottweil dem Haftrichter vorgeführt.

Der Verdächtige habe soeben sein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) abgeschlossen und warte auf die Noten, sagte Dr. Joachim Dittrich. Der Leitende Oberstaatsanwalt beantwortete auch die Frage, ob der 17-Jährige polizeibekannt sei: „Ja, aber im unteren Delinquenzbereich. Nichts was auf ein solches Potenzial hätte schließen lassen“. Auch der 17-Jährige sei leicht verletzt worden, weshalb er gerichtsmedizinisch untersucht wurde. Die blauen Flecken seien ihm aber nicht vom späteren Opfer beigebracht worden.

„Das Dramatische an so einem Geschehen ist, dass die Schläger nicht an mögliche Konsequenzen denken. Es wird ja nicht nur ein Leben zerstört, sondern auch noch ein weiteres“, fasste Dr. Dittrich zusammen. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass kein gefährliches Werkzeug im Spiel war. Auch für einen Sturz mit tödlichen Folgen gebe es keine Anhaltspunkte. Dittrich dankte ausdrücklich dem THW und der Feuerwehr, die umgehend für Sichtschutz und Beleuchtung gesorgt und somit die Kriminalpolizei unterstützt haben. Und er zeigte sich „beunruhigt über solche schwerwiegenden Vorkommnisse“.

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06.07.2015, 12:00 Uhr

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