Droge im Trinkwasser

Kokain aus dem Wasserhahn

Die britische Aufsichtsbehörde hat Kokainspuren im Trinkwasser festgestellt. Auch der Rhein und seine Zuflüsse enthalten Kokain.

16.05.2014

Von MEIKE STOLP

London Großbritannien hält einen traurigen Rekord. "Wir haben die höchsten Werte von Kokain-Konsum in Westeuropa", sagte Drogenexperte Steve Rolles der britischen "Sunday Times". Die Zeitung befragte den Experten, weil die Trinkwasser-Aufsichtsbehörde eine Studie mit einem seltsamen Fund veröffentloicht hatte. Die Forscher hatten in Trinkwasserproben Spuren des Kokain-Abbauprodukts Benzoylecgonin gefunden, zudem Spuren des Schmerzmittels Ibuprofen und eines Anti-Epilepsie-Wirkstoffs.

Die Werte seien nicht hoch genug, um die Gesundheit der Bevölkerung zu gefährden. Auch lasse sich nicht eindeutig klären, woher das Benzoylecgonin stamme. Sue Pennison von der Aufsichtsbehörde sagte der Zeitung "Guardian", dass Benzoylecgonin auch Inhaltsstoff für ein Muskel-Einreibemittel sei, und es gebe wirklich keine Möglichkeit festzustellen, woher das Benzoylecgonin tatsächlich kommt.

Die Boulevardpresse wie auch seriösere Zeitungen sind indes sicher: Die hohe Konzentration des Koks-Abbauprodukts muss vom gestiegenen Drogenkonsum auf der Insel herrühren. Die Droge werde immer billiger, sagt Experte Rolles. Ein Gramm kostet in England zurzeit 40 Pfund (49 Euro). In den USA sind es 115 Dollar (83 Euro).

Handelte es sich in den 80er und 90er Jahren noch um eine Droge der Schönen und Reichen, wird sie nun von Menschen aller Klassen genommen - sogar von Schulkindern. Daten der Vereinten Nationen zufolge soll einer von 20 britischen Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren bereits einmal Kokain probiert haben. Laut einer Studie der St Georges University sollen 2012 in Großbritannien 115 Menschen durch Kokain-Missbrauch gestorben sein.

Kokain im Trinkwasser ist übrigens kein britisches Problem: Vor ein paar Jahren fanden Nürnberger Forscher Spuren von Kokain auch in Wasserproben des Rheins. Ihre Ekenntnis: Knapp elf Tonnen reines Kokain verbrauchen allein die rund 38,5 Millionen Menschen pro Jahr, deren Abwässer der Rhein bei Düsseldorf enthält. Auch die Schweiz ist nicht Koks-frei: 2012 galt Zürich als eine der führenden Kokain-Städte Europas - gemessen an der im Abwasser gemessenen Konzentration der Drogen-Reste.

Kokain schnupfen ist offenbar verbreiteter als gedacht. Foto: epd

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Erstellt:
16. Mai 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Mai 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2014, 12:00 Uhr

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