Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Dicke-Hose-Reimer

Kollegah rappte in der Festhalle: Rückkehr des Macho-Patriarchen

Goldkettchen, Sonnenbrille, Bizeps: Das sind die Markenzeichen von Rapper Kollegah, der am Sonntag in der Rottenburger Festhalle 150 Teenager begeisterte. In der Welt des Felix Antoine Blume, wie der 30-jährige Jurastudent aus Düsseldorf mit Klarnamen heißt, ist kein Platz für politisch korrekte Sprachpinzetten. Kollegah verspottet in seinen Liedern die Errungenschaften von Ernährungswissenschaft und Feminismus. Er zelebriert die Rückkehr des Macho-Patriarchen, dessen Bizeps von Salat schrumpft, wie es in einem seiner Lieder heißt.

25.08.2014

Frauen bezeichnet er wahlweise als Nutten, Bitches, Schlampen oder Ischen. Ansonsten ist viel von Sex, Gewalt und Drogen die Rede. „Nutte, du sprichst mit dem King, der die Scheine stapelt, Rapper zerfickt und dann ihre Weiber nagelt, den in Sachen Punchlines keiner schlägt, als sei er Abel“, heißt es im Lied King. Passenderweise nennt Kollegah seinen Stil Zuhälterrap. Seine Fans bewundern ihn für seine Doubletime-Technik, also das Rappen in doppelter Geschwindigkeit, was den Nachteil hat, dass seine Texte weitgehend unverständlich bleiben. Möglicherweise ist das kein großer Schaden, denn das zweite Markenzeichen Kollegahs sind seine Punchlines – Liedzeilen in denen es nur darum geht, konkurrierende Rapper zu beleidigen.

Beleidigung und Krawall ist ein Teil dieser Subkultur, die vor nichts und niemandem Respekt hat, diesen Respekt aber von allen anderen einfordert. Kollegah, der sich bisher Boss nannte, nennt sein neues Album King, um den konkurrierenden Rapper Kool Savas herauszufordern, der sich bislang „King of Rap“ nannte. Dieses Machogehabe propagiert eine zweifelhafte Männlichkeit: „Du bist Boss, wenn du allein als Deutscher kämpfst gegen fünf Türken aus dem Block, weil du Stolz und Ehre hast und keinen fürchtest außer Gott.“ Die Zeile erweckt einen faschistoiden Eindruck, der sich im Liedkontext ein wenig relativiert. Dennoch bleibt in fast allen Liedtexten Kollegahs ein sozialdarwinistischer Tenor. Erfolg beruhe auf Geld und körperlicher Gewalt, Schwache blieben auf der Strecke.

Deshalb gehen Kollegahs Witze immer auf die Kosten von anderen. Entweder wird ein devotes Bandmitglied gedemütigt oder ein konkurrierender Rapper gedisst. Dissen nennt man das verbale Demütigen. Ein Fan aus der ersten Reihe wird auf die Bühne geholt und öffentlich auf Textzeilen und körperliche Fitness geprüft.

Kurz vor Schluss des Konzerts in der Festhalle holte Kollegah die Fans aus den vordersten Reihen auf die Bühne. Das kommt an. Jeder will zur Gang gehören und ein Selfie-Foto von sich mit dem selbst ernannten Boss schießen. Bald danach verliert der Rapper ob der nur etwa zu einem Fünftel gefüllten Festhalle die Lust. Nach 70 Minuten ist Schluss. Statt einer Zugabe gibt es für jeden der 150 Fans jedoch ein Autogramm und ein Selfie mit dem Star.

mdz

Kollegah rappte in der Festhalle: Rückkehr des Macho-Patriarchen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.08.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball